Pass Labs XP- 17

Mit dem im Früh­jahr 2017 vor­ge­stell­ten XP- 17 prä­sen­tier­te Pass Labs ei­nen Pho­no­ver­stär­ker, der in der Hier­ar­chie des Hau­ses wohl so et­was wie das Ver­nunft­mo­dell dar­stellt. Doch wo­mög­lich braucht kein Mensch mehr...

Stereoplay - - Inhalt 8/ 2018 - Ro­land Kraft

Wuss­ten Sie, dass Pass Labs ei­nen Un­ter­schied zwi­schen „ High End“und „ Ul­tra High End“macht? Für Letz­te­res steht beim höchst re­nom­mier­ten US- Au­dio- Spe­zia­lis­ten die so­ge­nann­te XS- Se­rie, die völ­lig kom­pro­miss­los ge­baut ist und das The­ma Pho­no­ver­stär­kung mit ei­nem zwei­tei­li­gen, in Du­al- Mo­no- Tech­nik ge­hal­te­nen Mons­ter an­geht. Nach des­sen Preis ha­ben wir lie­ber erst gar nicht ge­fragt. Nichts­des­to­trotz hät­te uns schon in­ter­es­siert, wo für den ver­ant­wort­li­chen De­si­gner Way­ne Col­burn, der seit 1994 mit der Au­dio- Le­gen­de Nel­son „ Pa­pa“Pass zu­sam­men­ar­bei­tet, ei­gent­lich der Ham­mer hängt. Denn, so­viel sei jetzt schon ver­ra­ten, al­lein die Ver­nunftserie der Ame­ri­ka­ner ( sim­pel nur „ High End“) hin­ter­ließ in Form des XP- 17 ei­nen blei­ben­den Ein­druck, den noch zu top­pen uns nur schwer vor­stell­bar er­scheint.

Wie im­mer bei Pass Labs ist auch der XP- 17 op­tisch eher schlicht, aber höchst so­li­de in ei­ne di­cke Alu­mi­ni­um­haut ver­packt, ei­ne fast nger­star­ke Front­plat­te of­fe­riert nur ei­ne ein­sa­me LED als Funk­ti­ons­an- zei­ge. Der Haupt­schal­ter be ndet sich auf der Rück­sei­te und wird vom stol­zen Be­sit­zer wohl kaum be­an­sprucht, hält sich der Strom­kon­sum des knapp neun Ki­lo schwe­ren Ge­rä­tes doch in den über­schau­ba­ren Gren­zen ei­ner hal­ben Glüh­bir­ne al­ten Typs.

Bei nä­he­rer Be­trach­tung ent­puppt sich der Pass Labs als uni­ver­sel­ler Pho­no- Spe­zia­list mit üp­pi­ger Aus­stat­tung. Er ver­steht sich so­wohl mit MM- als auch mit MC- Ton­ab­neh­mern, be­sitzt ei­ne Gain- Ein­stel­lung mit ver­schie­de­nen Ver­stär­kungs­fak­to­ren und mit nicht we­ni­ger als 200 wähl­ba­ren Last im­pe­dan­zen ein­schließ­lich Ka­pa­zi­tät für MM- Ton­ab­neh­mer. Da­für zu­stän­dig sind rück­sei­ti­ge DIP- Schal­ter un­mit­tel­bar ne­ben den Ein­gän­gen. Zu­sätz­lich zu den un­sym­me­tri­schen Aus­gän­gen bie­tet der Ame­ri­ka­ner noch sym­me­tri­sche Aus­gän­ge, da die aus­ge­fuchs­te Elek­tro­nik ja oh­ne­hin ei­ne Sym­me­trie­rung des Si­gnals vor­nimmt.

Ein neu­er, of­fen­kun­dig ex­trem streu­feld­ar­mer, weil dop­pelt ge­schirm­ter Netz­tra­fo sorgt mit­hil­fe ei­nes äu­ßerst groß­zü­gig aus­ge­leg­ten Netz­teils für die Ener­gie­zu­fuhr, wo­bei nach

ei­ner Bat­te­rie von Sieb­kon­den­sa­to­ren schließ­lich auf­wen­di­ge ka­nal­ge­trenn­te Re­ge­lun­gen zum Ein­satz kom­men. Für die Sorg­falt des De­si­gners spricht eben­falls, dass schon vor dem Tra­fo ein Netz lter ein­ge­baut ist. Laut Pass Labs sor­ge die Aus­le­gung des Netz­teils für we­ni­ger Stör­strah­lung und ge­rin­ge­ren me­cha­ni­schen „ Lärm“im In­ne­ren des Ge­rä­tes.

Klas­si­sche FETs

Un­mit­tel­bar am Ein­gang des XP- 17 kom­men In­si­dern be­kann­te, ex­trem fei­ne, aber heu­te lei­der nicht mehr ge­fer­tig­te To­shi­ba- JFETs vom Typ 2SK170 und 2SJ74 zum Ein­satz. Das sind sehr rau­scharme, hoch­li­nea­re Feld­ef­fekt- Tran­sis­to­ren, de­nen man im­mer noch in vie­len Pass- De­signs be­geg­net. Of­fen­sicht­lich wur­den hier er­kleck­li­che Vor­rä­te die­ser in­zwi­schen ra­ren Edel- Halb­lei­ter ge­bun­kert. Die sym­me­tri­sche Ein­gangs­schal­tung aus je zwei der be­sag­ten JFETs ga­ran­tie­re, so Way­ne Col­burn, sehr ge­rin­ges Rau­schen, we­ni­ger Klirr als im XP- 15, au­ßer­dem klei­ne­ren Aus­gangs­wi­der­stand beim Trei­ben des fol­gen­den RIAA- Ent- zer­rers, der zweis­tu g aus­ge­legt ist: Der Tief­ton­be­reich wird ak­tiv, der Hoch­ton­be­reich hin­ge­gen pas­siv ent­zerrt, ein be­währ­tes Re­zept, das in TopPho­no­st­u­fen häu g zur An­wen­dung kommt. In der Aus­gangs stu­fe wer­keln schließ­lich eben­falls To­shi­ba- Mos­fets mit ho­hem Ru­he­strom. Am ge­rin- gen Aus­gangs­wi­der­stand des XP- 17 ist er­kenn­bar, dass der Pass über kräf­tig aus­ge­leg­te Aus­gangs­trei­ber ver­fügt, für die auch län­ge­re Ka­bel kein Pro­blem dar­stel­len.

Plus­punk­te sam­melt der Ame­ri­ka­ner auch in punc­to Stör­span­nungs­frei­heit ein: Er ist ex­trem rau­sch­arm und oben­drein völ­lig brumm­frei. Das hört man auch, denn Stör­span­nungs­ar­mut ist gleich­be­deu­tend mit bes­se­rer Dy­na­mik. Die hier vor ei­nem un­ge­mein „ schwar­zen“Hin­ter­grund statt ndet, der dem zu­nächst fast un­auf­fäl­lig klin­gen­den Pho­no­ver­stär­ker ein fan­tas­ti­sches, bis ins kleins­te De­tail sicht­ba­res, tief drei­di­men­sio­na­les Büh­nen­bild ver­leiht.

So rich­tig auf die Sch­li­che kommt man dem XP- 17 erst nach ei­ni­ger Zeit, wenn man be­greift, wie ar­te­fakt­frei, rea­lis­tisch und zu­tiefst nach­drück­lich die­ser Ver­stär­ker agiert. Er ar­bei­tet mus­ter­gül­tig aus­ge­wo- gen, da­bei ver­blüf­fend far­big und bie­tet sou­ve­räns­te Au­to­ri­tät, die sich frei­lich nie­mals in ro­her Ge­walt ma­ni­fes­tiert.

Ei­ner der Welt­bes­ten

Die­se Aus­le­gung – oder wie die Ame­ri­ka­ner ger­ne sa­gen, das „ Voi­cing“– ist so her­aus­ra­gend gut ge­lun­gen, dass man dem Pass Labs oh­ne Wenn und Aber be­schei­ni­gen darf, zur klei­nen Hand­voll der welt­bes­ten Pho­no­ver­stär­ker zu zäh­len. Wohl­ge­merkt un­ab­hän­gig vom Preis, der auch in die­sem Fall klar si­gna­li­siert, wo der XP- 17 ein­zu­ord­nen ist. Kom­pli­ment.

„ I ha­ve used a split EQ net­work like the XP 25 and XS Pho­no that is mo­re ac­cu­ra­te and can hand­le grea­ter si­gnal le­vels.“

Das Re­zept der Strom­ver­sor­gung wird an­hand der gro­ßen schwar­zen Elek­tro­lyt­kon­den­sa­to­ren sicht­bar: Ei­ner üp­pig aus­ge­leg­ten Gr­und­ver­sor­gung ( rechts im Ge­häu­se) fol­gen ka­nal- und stu­fen­ge­trenn­te Span­nungs­sta­bi­li­sie­run­gen, die un­mit­tel­bar ne­ben den...

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.