Viel hilft viel – aus­nahms­wei­se

Ei­ni­ge der heut­zu­ta­ge wohl bes­ten Laut­spre­cher sind oh­ne das Te­am­work mit mo­der­nen, sehr leis­tungs­fä­hi­gen Ver­stär­kern nicht denk­bar.

Stereoplay - - Test- Serie - Ro­land Kraft

Nach­dem ste­reo­play- Chef­re­dak­teur Mal­te Ruhn­ke in der letz­ten Aus­ga­be das Zu­sam­men­wir­ken von Laut­spre­cher und Ver­stär­ker in Be­zug auf die tech­ni­schen Grund­la­gen er­läu­tert hat, geht es dies­mal um prak­ti­sche Tipps zur Aus­wahl des rich­ti­gen Ver­stär­kers im Te­am­work mit leis­tungs­mä­ßig an­spruchs­vol­len Laut­spre­chern.

Ho­her Span­nungs­be­darf in Kom­bi­na­ti­on mit vor al­lem im tief­fre­quen­ten Be­reich nie­der­oh­mi­ger Last ist heut­zu­ta­ge kein ech­tes ( Ver­stär­ker-) Pro­blem mehr. Im Ver­gleich zu frü­he­ren HiFi- Zei­ten, et­wa den 70er- und 80er- Jah­ren, hat sich in der Ver­stär­ker­tech­nik enorm viel ge­tan. Deut­lich leis­tungs­fä­hi­ge­re Halb­lei­ter ( in Form von End­tran­sis­to­ren) oder der Ein­satz schnel­ler, „ in­tel­li­gen­ter“Schutz­schal­tun­gen ha­ben Leis­tungs­ver­stär­ker nicht nur kräf­ti­ger, son­dern auch last­sta­bi­ler und da­mit be­triebs­si­che­rer wer­den las­sen. Selbst der be- rühm­te, un­über­leg­te „ Par­ty­griff“zum Pe­gel­stel­ler mün­det heu­te für ge­wöhn­lich nicht mehr in rau­chen­de Schwings­pu­len oder gar de­fek­te End­stu­fen. Über­steu­er­te Amps, die hör­bar hart ins Clip­ping fah­ren, sind in­zwi­schen ei­ne Sel­ten­heit, denn vor­her greift die Schutz­schal­tung ein.

Nichts­des­to­trotz hat sich nichts an der al­ten HiFi- Weis­heit ge­än­dert, dass über­for­der­te, zu schwach di­men­sio­nier­te Ver­stär­ker der größ­te Feind des Laut­spre­chers sind. Bö­ses Clip­ping ei­nes pu­ris­ti­schen 50- Wat­tVer­stär­kers mit ei­ner Schmelz­si­che­rung als „ Schutz­schal­tung“kann ei­nen mit no­mi­nal 200 Watt be­last­ba­ren, strom­hung­ri­gen Laut­spre­cher sehr wohl be­schä­di­gen, zu­mal im Kurz­zeit­be­reich ( Peak- oder Im­puls­leis­tung) enor­me Strö­me flie­ßen kön­nen.

Ganz ab­ge­se­hen da­von, dass ein schwach­brüs­ti­ger Amp mit ei­ner an­spruchs­vol­len Box zwar bei Zim­mer­laut­stär­ke viel­leicht noch ir­gend­wie läuft, aber den­noch ei­ne Dy­na­mik­brem­se dar­stellt. Ei­ne wei­te­re, nicht zu ver­nach­läs­si­gen­de Ge­fähr­dung des teu­ren Equip­ments ist der stol­ze Be­sit­zer: Wer den Pe­gel­stel­ler noch nie breit grin­send auf 14 Uhr ge­dreht hat, wer­fe den ers­ten St­ein...

Le­bens­ver­si­che­rung

Das Fa­zit ist so glas­klar wie ein­fach: Die bes­te Le­bens­ver­si­che­rung für ei­nen leis­tungs­hung­ri­gen Laut­spre­cher ist ein sehr leis­tungs­fä­hi­ger, last­sta­bi­ler Ver­stär­ker mit ei­ner cle­ve­ren Schutz­schal­tung. Und sol­che Ge­rä­te sind heut­zu­ta­ge we­der He­xen­werk noch un­be­zahl­bar.

Und wäh­rend ein klei­ner, aber span­nungs­gie­ri­ger Kom­pakt­laut­spre­cher wie et­wa die ProAc Ta­blet­te auch mit ei­nem 50- oder 100- Watt- Röh­ren­ver­stär­ker har­mo­niert, weil die La­st­im­pe­danz hoch bleibt, ist ein schwe­res Ge­schütz wie et­wa die Gra­ham VO­TU mit ei­nem last­sta­bi­len, strom­star­ken 300- Watt- Tran­sis­tor gut be­dient. Und es darf ger­ne noch et­was mehr sein, wenn man die dy­na­mi­schen Fä­hig­kei­ten des Laut­spre­chers aus­rei­zen oder ein gro­ßes Vo­lu­men be­schal­len möch­te.

Ei­ne Auf­ga­be, die et­wa T+ As Hy­brid- Mo­nu­ment M 40 HV mit Leich­tig­keit ab­sol­viert, al­ler­dings ha­ben sol­che Sta­te­of- the- Art- Ka­li­ber na­tur­ge­mäß ih­ren Preis. Schon deut­lich güns­ti­ger und mit dem Po­wer­Ge­heim­tipp- Sta­tus ver­se­hen wä­re da zum Bei­spiel Ro­tels Class- D- Amp RB- 1572, der „ je­den Laut­spre­cher pro­blem­los treibt“( vgl. ste­reo­play 12/ 2017) und an vier Ohm be­zahl­ba­re 500 Watt lo­cker macht.

Dass zwar fei­ne, aber eben klei­ne Class- A- Amps, 30- Wat­tSchalt­ver­stär­ker­mo­du­le oder die be­lieb­ten 50- bis 60- Wat­tRöh­ren an Laut­spre­chern, die zwi­schen­durch ein­fach mal ein

Dut­zend Am­pè­re weg­ste­cken, un­ge­eig­net sind, ist klar.

Reicht es oder nicht?

Ab­ge­se­hen von schwam­mi­gem Bass, we­nig kon­tu­rier­tem Grund­ton, bei Aus­steue­rung räum­lich zu­sam­men­fal­len­dem Klang­bild oder gar klar hör­ba- rem Klirr ist ver­steck­ten Über­last- Ef­fek­ten schwe­rer bei­zu­kom­men. Man ahnt höchs­tens, dass et­was nicht stimmt.

Doch es gibt ei­nen al­ten Trick ganz oh­ne Mess­tech­nik, der sich üb­ri­gens auch da­zu eig­net, an­ge­schla­ge­ne Mit­tel- und Hoch­ton­trei­ber zu iden­ti­fi­zie- ren. Un­ser Ge­hör ist bei be­stimm­ten, hö­he­ren Fre­quen­zen sehr viel emp­find­li­cher und ana­ly­ti­scher als et­wa im Bass­be­reich. Des­halb hö­ren wir bei ei­ner So­pran­stim­me so­gar schon feins­ten Klirr in der Grö­ßen­ord­nung von we­ni­gen Pro­zent sehr klar und zwei­fels­frei her­aus. Ein bei Pro­fis be­lieb­tes „ Werk­zeug“ist des­halb die preis­ge­krön­te, al­te Car­menAuf­nah­me der RCA mit Pri­ce/ Ka­ra­jan, die wuch­ti­ge, den Ver­stär­ker for­dern­de groß­or­ches­tra­le Klän­ge mit dem wun­der­ba­ren So­pran von Leon­ty­ne Pri­ce ver­bin­det. Im­mer hö­rens­wert, aber auch ein pro­ba­tes Test­werk­zeug und ( in der Ana­log­ver­si­on) zu­dem ein Ana­ly­se­Tool für Ton­ab­neh­mer.

Wer hier bei an­stän­di­gen ­Pe­geln Ver­zer­run­gen fest­stellt, soll­te miss­trau­isch wer­den. Viel­leicht ver­leiht der freund­li­che Händ­ler ja mal ei­nen pas­sen­den Ver­stär­ker zum Ver­gleich...

Ei­nen an­de­ren Klang­ver­hin­de­rer soll­te man zu­min­dest im Au­ge be­hal­ten: Zwi­schen Hoch­leis­tungs­ver­stär­kern und di­cken Bo­xen ha­ben Voo­doo- Dünn­draht- Kabel oder Ter­mi­nals mit nur we­ni­gen Qua­drat­mil­li­me­tern Kon­takt­flä­che nichts ver­lo­ren. Ein paar Ohm Wi­der­stand füh­ren den Dämp­fungs­fak­tor ad ab­sur­dum, was auch für grün oxi­dier­te, blan­ke Kup­fer­dräh­te oder bil­li­ge Mes­sing­klem­men gilt.

1) T+ A M 40 HV: 900 Watt an vier Ohm ( vgl. ste­reo­play 7/ 2018) 2) Ro­tel RB- 1572: 300 Watt an vier Ohm ( vgl. ste­reo­play 12/ 2017) 3) Gra­ham VO­TU, oran­ge( vgl. ste­reo­play 9/ 2018) 4) ProAc Ta­blet­te An­ni­vers­a­ry( vgl. ste­reo­play 4/ 2013)

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