Slim Gail­lard Ko­mi­ker aus Lei­den­schaft

Groo­ve Juice: The Nor­man Granz Re­cor­dings + Mo­re

Stereoplay - - Musik: Remaster & Reissues - RD

Slim Gail­lard brach­te Da­da in den Swing. Denn der Sän­ger, Pia­nist und Gi­tar­rist aus De­troit ver­pass­te sei­nen Songs wun­der­bar al­ber­ne, stel­len­wei­se ab­sur­de Tex­te, die „ Po­ta­to Chips“fei­er­ten, im „ Chi­cken Rhythm“ga­cker­ten oder bei „ Laug­hing In Rhythm“wie La­chyo­ga im Nacht­club klan­gen. Über­haupt war er je­mand, der das En­ter­tain­ment- Bu­si­ness ernst nahm, in­dem er ihm die lan­ge Na­se zeig­te, bis hin zur ei­ge­nen Bio­gra­phie. Da gibt es zum Bei­spiel die Ge­schich­te, dass ihn sein Va­ter – ein Ste­wart auf ei­nem Kreuz­fahrt­schiff, der den Sohn zu­wei­len mit auf gro­ße Fahrt nahm – ein­mal bei ei­nem Stopp auf Kre­ta ver­ges­sen ha­ben soll. Je nach Lau­ne er­zähl­te er auch, dass er nicht in De­troit, son­dern in Clai­bor­ne, Ala­ba­ma, oder auf Ku­ba ge­bo­ren sei. Ne­ben dem Show­biz gab er sich ger­ne als Lei­chen­be­stat­ter, Step- Tän­zer, Al­ko­hol- Schmugg­ler oder Bo­xer aus, al­les Teil der Ins­ze­nie­rung. Als ge­si­chert steht fest, dass er zu­sam­men mit dem Bas­sis­ten Slam Ste­wart zwi­schen 1936 und 1942 das er­folg­rei­che Mu­sic- Come­dy- Duo Slim & Slam un­ter­hielt, das der Nach­welt so groß­ar­ti­ge Hits wie „ Flat Floot Floo­gie“be­scher­te. „ Groo­ve ­Juice“sam­melt nun auf zwei CD- Sei­ten 53 Songs des mu­si­ka­li­schen Uni­kums zu­sam­men, die nach Gail­lards Mi­li­tär­zeit von 1946 an in ver­schie­de­nen Be­set­zun­gen ent­stan­den. Gut die Hälf­te der Ar­chi­va­li­en wur­de von Ver­ve- Chef Nor­man Granz pro­du­ziert, Singles, Kon­zert­mit­schnit­te, Al­ben. Dar­über hin­aus sind der Samm­lung ei­ni­ge Al­ter­na­te Ta­kes und ei­ne Med­ley- Num­mer hin­zu­ge­fügt, die 1946 live im Rah­men „ Jazz At The Phil­har­mo­nie“auf­ge­zeich­net wur­de. Die Stü­cke sind zu­meist nach ähn­li­chem har­mo­ni­schem 1- 6- 2- 5- Mus­ter auf­ge­baut, mal auf Boo­gie- Ba­sis, oft im Stil des Gi­tar­ren- Swings, manch­mal als Orches­ter- Stück. Sie sind die Grund­la­ge für Gail­lards la­ko­nisch- fröh­li­chen Ge­sang und sei­ne laut­ma­le­ri­schen, ko­mö­di­an­ti­schen Tex­te, die aus den Songs Klein­odi­en der Unterhaltung ma­chen, die min­des­tens zum Schmun­zeln, oft auch zum Mit­schnip­pen an­re­gen.

Ver­ve / Uni­ver­sal ( 78: 55, 77: 06)

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