Mit Glanz und Glo­ria in den Ad­vent

Kon­zert Die Kam­mer­phil­har­mo­nie Bo­den­see-ober­schwa­ben und der Ora­to­ri­en­chor Ulm ver­brei­ten Tan­go-se­lig­keit.

Südwest Presse (Ulm) - - Ulmer Kulturspie­gel -

Beim Weih­nachts­ora­to­ri­um den­ken vie­le zu­nächst ein­mal an je­nes von Bach. Was vie­le nicht wis­sen: Auch in an­de­ren Kon­ti­nen­ten und Kul­tu­ren gibt es Weih­nachts­ora­to­ri­en. Ei­nes da­von kam am Sonn­tag in der na­he­zu voll­be­setz­ten Pau­lus­kir­che zur Auf­füh­rung. Kom­po­niert hat es vor rund 20 Jah­ren der Ar­gen­ti­ni­er Mar­tín Pal­me­ri. Für sei­ne bei­den Wer­ke, die die Kam­mer­phil­har­mo­nie Bo­den­see-ober­schwa­ben und der Ora­to­ri­en­chor Ulm un­ter der Lei­tung von Tho­mas Kam­mel auf das Pro­gramm ge­setzt hat­ten – „Glo­ria“und „Ora­to­rio de Na­vi­dad“– war Pal­me­ri ei­gens aus Süd­ame­ri­ka an­ge­reist – und nicht nur das: Er war auch der Pia­nist des Abends.

An ers­ter Stel­le wä­re laut Pro­gramm­heft sein Weih­nachts­ora­to­ri­um an der Rei­he ge­we­sen, aber Kam­mel tat gut dar­an, das Kon­zert dann doch mit dem „Glo­ria“be­gin­nen zu las­sen. Das 2014 ent­stan­de­ne Werk, ist in mehr­fa­cher Hin­sicht wahr­haft groß, ja rie­sig di­men­sio­niert. Sel­ten hat man den Al­tar­raum der Pau­lus­kir­che bis an den Rand mit Mu­si­kern

ge­drängt er­lebt, und da­bei zeig­te sich die Kom­po­si­ti­on nicht min­der wuch­tig in ih­rem An­spruch an mu­si­ka­li­scher Grö­ße, An­spie­lungs­reich­tum und sa­kra­lem Ha­bi­tus. Nicht nur die fan­tas­tisch dis­po­nier­ten Ge­s­angs­so­lis­ten Kat­ar­zy­na Ja­giel­lo (So­pran), Ma­rie Seid­ler (Mez­zo-so­pran), Kir­lia­nit Cor­tés (Te­nor) und Den­nis Sörös (Ba­ri­ton) hat­ten al­le Hän­de voll zu tun, um dem an­spruchs­vol­len Werk ge­recht zu wer­den; auch und vor al­lem der nicht min­der ein­dring­lich sin­gen­de Ora­to­ri­en­chor war teils bis zum Äu­ßers­ten ge­for­dert. Doch bei al­ler Nä­he zu Bach und dem Ba­rock gab es da et­was in die­sem und auch in dem an­de­ren Pal­me­ri-werk, das es in der Tra­di­ti­on der geist­li­chen Mu­sik Zen­tral­eu­ro­pas so nie ge­ge­ben hat: den Tan­go! Und so war der ei­gent­li­che Held des Abends Micha­el Dolak, der das Tan­go-in­stru­ment schlech­hin spiel­te: das Ban­do­ne­on. Vor al­lem in dem wei­che­ren, we­ni­ger wuch­ti­gen und von ein­gän­gi­gen Me­lo­di­en nur so über­quel­len­den „Ora­to­rio de Na­vi­dad“, das sich oh­ne Pau­se

ans „Glo­ria“an­schloss, ver­stand es Dolak, den be­geis­ter­ten Zu­hö­rern ei­ne eben­so rhyth­misch ak­zen­tu­ier­te wie klang­sinn­lich ver­füh­re­ri­sche Vor­stel­lung von lei­den­schaft­li­chem Sa­kral-tan­go zu ver­mit­teln.

Kam­mel, der den Kom­po­nis­ten schon seit vie­len Jah­ren kennt und vor zwei Jah­ren des­sen „Ma­gni­fi­cat“auf­ge­führt hat­te, ver­riet nach dem Kon­zert, dass Pal­me­ris Ora­to­ri­um in Ulm zum al­ler­ers­ten Mal in sei­ner voll­stän­di­gen Be­set­zung zu hö­ren war. Stan­ding Ova­tions.

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