Nur nicht schwarz­se­hen

Was die Uni­on von po­li­ti­schen Farb­spie­len hält

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - THEMA DES TAGES - Ro­bert roß­mann

Grü­ne und FDP ha­ben sich auf ih­ren Par­tei­ta­gen am Sonn­tag mit ei­ner ge­wis­sen Kratz­bürs­tig­keit ge­gen­über den po­li­ti­schen Kon­kur­ren­ten als ei­gen­stän­di­ge Kräf­te dar­ge­stellt. Al­les an­de­re wä­re im Wahl­kampf auch sui­zi­dal, der Wett­be­werb lebt von Un­ter­scheid­bar­keit. Es wa­ren des­halb am Wo­che­n­en­de we­der von den Grü­nen noch von der FDP Lie­bes­er­klä­run­gen an die Uni­on zu ver­neh­men. Da­bei wür­den bei­de Par­tei­en nach der Wahl ger­ne mit der CDU ko­alie­ren. Wo­mit sich aber auch die Fra­ge stellt, wen die Uni­on eher er­hö­ren wür­de: die Grü­nen oder die FDP?

Noch vor ein paar Jah­ren wä­re die Ant­wort ein­fach ge­we­sen. Die Li­be­ra­len gal­ten als na­tür­li­cher Part­ner der Uni­on. Doch seit der letz­ten schwarz-gel­ben Ko­ali­ti­on ist die Lei­den­schaft für die Li­be­ra­len in der CDU-Spit­ze er­kal­tet. 2009 kam die FDP nach elf Jah­ren in der Op­po­si­ti­on zu­rück in die Re­gie­rung. Die Mi­schung aus Un­er­fah­ren­heit und Über­mut – die FDP hat­te fast 15 Pro­zent ge­holt – mach­te aus Sicht der Uni­on das Re­gie­ren nicht ein­fach. Auch vie­le Kon­ser­va­ti­ve in der CDU-Füh­rung lieb­äu­geln in­zwi­schen mit Schwarz-Grün.

Hät­te sie die Wahl, wür­de sich die Uni­on für die FDP ent­schei­den. Aber wird sie die Wahl ha­ben?

Trotz­dem dürf­te sich die Uni­on, wenn sie die Wahl hat, für die FDP ent­schei­den. Wie groß die Nä­he der bei­den Par­tei­en trotz al­lem noch im­mer ist, konn­te man be­reits nach der Land­tags­wahl in Nord­rheinWest­fa­len er­le­ben. CDU und FDP ge­wan­nen im Mai zwar über­ra­schend die Mehr­heit der Sit­ze, trotz­dem re­agier­ten die Spit­zen­kan­di­da­ten der bei­den Par­tei­en zu­nächst er­staun­lich zu­rück­hal­tend. Ar­min La­schet (CDU) hat­te die Sor­ge, ein schwarz­gel­bes Bünd­nis könn­te – auch we­gen der knap­pen Mehr­heit im Land­tag – nicht sta­bil ge­nug sein. Und für Chris­ti­an Lind­ner (FDP) kam Schwarz-Gelb zu früh, er hät­te sei­ne Li­be­ra­len ger­ne län­ger auf Dis­tanz zur Uni­on ge­se­hen, um die Chan­cen der FDP bei der Bun­des­tags­wahl nicht zu schmä­lern. Aber es dau­er­te kei­ne 24 St­un­den, bis al­len Be­tei­lig­ten klar war, dass es ei­ne schwarz-gel­be Ko­ali­ti­on ge­ben muss. Die Wäh­ler von CDU und FDP hät­ten es ih­ren Par­tei­spit­zen nicht ver­zie­hen, wenn sie die Chan­ce nicht ge­nutzt hät­ten. Das zeigt auch die jüngs­te Er­he­bung der For­schungs­grup­pe Wah­len. Dem­nach wür­den 69 Pro­zent al­ler Uni­ons­an­hän­ger ei­ne schwarz­gel­be Ko­ali­ti­on im Bund be­grü­ßen.

Die ak­tu­el­len Um­fra­gen sa­gen al­ler­dings we­der für Schwarz-Grün, noch für Schwarz-Gelb ei­ne Mehr­heit vor­aus. Wenn die Au­gu­ren recht be­hal­ten, stellt sich für die Uni­on le­dig­lich die Fra­ge: Ja­mai­ka oder gro­ße Ko­ali­ti­on? Bei­de Va­ri­an­ten sind für die Uni­on nichts son­der­lich kom­mod. Die SPD wür­de, wenn sie sich denn über­haupt noch ein­mal auf ei­ne gro­ße Ko­ali­ti­on ein­lie­ße, ein deut­lich un­be­que­me­rer Part­ner als bis­her. Und ei­ne Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on im Bund wür­de nicht so ein­fach funk­tio­nie­ren wie die in Schles­wig-Hol­stein.

Im Bund wä­re Ja­mai­ka kei­ne Drei­er-Ko­ali­ti­on wie in Kiel, son­dern we­gen der CSU ein Vie­rer­bünd­nis. Zu­dem kä­me die FDP im Bund, an­ders als in Schles­wig-Hol­stein, di­rekt aus der au­ßer­par­la­men­ta­ri­schen Op­po­si­ti­on in die Re­gie­rung. Vor al­lem aber gibt es in Ber­lin an­ders als in Kiel kein ge­wach­se­nes Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen den Ver­ant­wort­li­chen von FDP und Grü­nen. Und so steht die Uni­on, selbst wenn sie bei der Wahl die mit Ab­stand stärks­te Kraft wird, vor schwie­ri­gen Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen.

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