Du­den

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG -

Ei­ne Am­pel­frau ist das ge­rech­te Ge­gen­stück zum Am­pel­männ­chen (man sagt aber nicht Am­pel­fräu­lein oder gar Am­pel­frau­chen); sie hat er­folg­reich die Al­lein­stel­lung des Männ­chens bei den Fuß­gän­ger­si­gna­len auf­ge­bro­chen. Zwar ver­hin­der­te das nicht die De­bat­te, ob die mit Zopf und Rock als sol­che kennt­lich ge­mach­te Am­pel­frau Aus­druck ei­nes ver­werf­li­chen Frau­en­bil­des sei. Aber wie auch im­mer, der in die­sen Din­gen strikt neu­tra­le Du­den hat die Am­pel­frau in sei­ne neu­es­te und 27. Auf­la­ge (2017) und da­mit in den an­er­kann­ten deut­schen Sprach­schatz auf­ge­nom­men. Wie erst Mün­chens Ober­bür­ger­meis­ter Die­ter Rei­ter (von der SPD) und nur we­nig spä­ter auch Bay­erns Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer (von der CSU) in trau­ter Ei­nig­keit vor­schlu­gen, soll nun auch das Wort „Wiesn“für Ok­to­ber­fest in den Du­den ein­zie­hen. Die­ses Stan­dard­nach­schla­ge­werk zur deut­schen Spra­che gibt es seit 1880. Da­mals pu­bli­zier­te der Le­xi­ko­graf Kon­rad Du­den (1829 – 1911) sein Voll­stän­di­ges Or­tho­gra­phi­sches Wör­ter­buch der deut­schen Spra­che, das sich als­bald zur Bi­bel deut­scher Recht­schrei­bung ent­wi­ckel­te. „Der Du­den“hat seit der gräss­lich ver­un­glück­ten staat­li­chen Recht­schreib­re­form von 1996 zwar nicht mehr das Recht­schreib­mo­no­pol, gilt aber im Zwei­fel im­mer noch als letz­te In­stanz. 2017 wur­den nicht we­ni­ger als 5000 neue Wör­ter auf­ge­nom­men, er um­fasst jetzt 145 000 Stich­wör­ter.

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