Nicht be­stan­den

Gu­te Sprach­kennt­nis­se gel­ten als Schlüs­sel für ei­ne ge­lun­ge­ne In­te­gra­ti­on. In Kur­sen sol­len Flücht­lin­ge Deutsch ler­nen – laut Schät­zun­gen schafft es je­doch die Hälf­te nicht bis zum Ab­schluss. Nun for­dern Ex­per­ten ein Um­den­ken

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Von tho­mas öchs­ner

Ber­lin – „Deutsch, deutsch, deutsch ist die Vor­aus­set­zung“, sagt Ar­beit­ge­ber­prä­si­dent In­go Kra­mer. Oh­ne aus­rei­chen­de Sprach­kennt­nis­se wer­de es für Flücht­lin­ge schwer, Jobs zu be­kom­men oder als Aus­zu­bil­den­de in der Be­rufs­schu­le mit­hal­ten zu kön­nen. Was Kra­mer sagt, be­strei­tet nie­mand: Die Spra­che gilt als Schlüs­sel der In­te­gra­ti­on von Mi­gran­ten und Ge­flüch­te­ten. Seit mehr als zwölf Jah­ren ler­nen Zu­wan­de­rer des­halb Deutsch in den In­te­gra­ti­ons­kur­sen des Bun­des­amts für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge (Bamf). Doch rich­tig gut scheint es mit den Kur­sen nicht zu lau­fen. Die Sta­tis­ti­ken der Nürn­ber­ger Bun­des­be­hör­de deu­ten dar­auf hin, dass vie­le Kurs­teil­neh­mer es nicht ein­mal bis zum Ab­schluss­test schaf­fen. Schät­zun­gen ge­hen so­gar von et­wa der Hälf­te aus.

Fach­leu­te hal­ten die Prü­fungs­bi­lan­zen für „sta­tis­tisch auf­ge­hüb­scht“

So nah­men nach An­ga­ben des Bamf 2016 fast 340 000 Men­schen erst­mals an ei­nem In­te­gra­ti­ons­kurs teil. In die­sem Zei­t­raum hät­ten aber nur „133 050 Teil­neh­mer den In­te­gra­ti­ons­kurs er­folg­reich ab­sol­viert“, teil­te das Amt auf An­fra­ge der Süd­deut­schen Zei­tung mit. Gro­ße Un­ter­schie­de zwi­schen den Zah­len der Teil­neh­mer und der er­folg­rei­chen Ab­sol­ven­ten gab es auch schon 2014, als noch deut­lich we­ni­ger Flücht­lin­ge nach Deutsch­land ka­men. Hier be­rich­tet das Bamf von mehr als 142 000 Teil­neh­mern und knapp 85 000 Ab­sol­ven­ten mit Ab­schluss. Bre­chen al­so vie­le den Kurs, zu dem un­ter an­de­rem 600 St­un­den Deutsch-Un­ter­richt ge­hö­ren, vor­zei­tig ab – oder ma­chen sie den Ab­schluss­test nicht mit?

Für Chris­toph Schro­eder, der den Ar­beits­be­reich Deutsch als Zweit­spra­che an der Uni­ver­si­tät Pots­dam lei­tet, ist klar: „Die Zah­len des Bun­des­am­tes las­sen den Schluss zu, dass es ho­he Ab­bruch­quo­ten gibt.“Die­se sei­en lei­der „bis­her sta­tis­tisch nicht rich­tig er­fasst“. Grob ge­schätzt, so der Uni­ver­si­täts­pro­fes­sor, „dürf­te aber et­wa die Hälf­te der Teil­neh­mer zum Sprach­test erst gar nicht an­tre­ten. Hier dür­fen die Bun­des­re­gie­rung und das Bun­des­amt nicht län­ger weg­schau­en“, sagt Schro­eder, der Mit­glied im Rat für Mi­gra­ti­on ist.

Das Bamf selbst er­hebt die Ab­bruch­quo­te

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