Zü­gel­lo­se Gier

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - FORUM & LESERBRIEFE BESSER RADIKAL -

We­ni­ger Grund­stü­cke pro Per­son

Zwar ist es in Deutsch­land ei­nes der best­ge­hü­te­ten Ge­heim­nis­se, wer wel­che Im­mo­bi­li­en und Grund­stü­cke be­sitzt (wäh­rend un­ter an­de­rem in den skan­di­na­vi­schen Län­dern je­der je­der­zeit das Grund­buch on­line ein­se­hen kann), aber es spricht vie­les da­für, dass Gr­und­ver­mö­gen ei­ne nicht un­er­heb­li­che Rol­le beim Aus­ein­an­der­ge­hen der so­ge­nann­ten so­zia­len Sche­re spielt: Auf der ei­nen Sei­te Men­schen oh­ne Im­mo­bi­li­en­ei­gen­tum, die ei­nen Groß­teil ih­res Ein­kom­mens in ih­re Mie­te in­ves­tie­ren, oh­ne die Chan­ce zu ha­ben, selbst ein­mal Wohn­ei­gen­tum zu er­wer­ben – auf der an­de­ren Sei­te Im­mo­bi­li­ener­ben, die sich um ih­re Wohn­si­tua­ti­on kei­ne Ge­dan­ken ma­chen müs­sen und oft von Miet­ein­nah­men gut le­ben kön­nen, oh­ne viel Ar­beit da­mit zu ha­ben. Wem das Glück der Ge­burt es be­schert, wird so­gar in den „Im­mo­bi­li­ena­del“hin­ein­ge­bo­ren, des­sen Ver­mö­gen sich an­ge­sichts schwin­delnd stei­gen­der Miet- und Bo­den­prei­se kon­stant von selbst ver­mehrt, wenn nur die La­ge der Im­mo­bi­li­en stimmt: In Mün­chen ha­ben sich die Im­mo­bi­li­en­kauf­prei­se al­lein in den letz­ten zehn Jah­ren ver­dop­pelt. Das for­dert Im­mo­bi­li­en­spe­ku­la­ti­on rich­tig­ge­hend her­aus – und Ge­win­ne sind nach ei­ner Frist von zehn Jah­ren kom­plett steu­er­frei – war­um ei­gent­lich?

Was hier­zu­lan­de eben­falls ir­ri­tiert, ist, dass – wie auch im Ar­ti­kel – ei­ne wie auch im­mer ge­ar­te­te Be­steue­rung die ein­zi­ge Lö­sungs­idee zu sein scheint. So schön ei­nen Wohn­bau­steu­er à la Wi­en wä­re: Auch sie wird vie­le Fol­ge­pro­ble­me, wie zum Bei­spiel Gen­tri­fi­zie­rung, Woh­nungs­not, stei­gen­de Mie­ten und öf­fent­li­che Las­ten, Land­nah­me und zu­neh­men­de Ver­mö­gensun­gleich­heit al­len­falls et­was min­dern, nicht aber be­sei­ti­gen kön­nen.

Wä­re es al­so nicht viel wich­ti­ger zu über­le­gen, ob man die Ak­ku­mu­la­ti­on von Grund und Bo­den in den Hän­den we­ni­ger än­dern könn­te, in­dem man zum Bei­spiel die Zahl der Grund­stü­cke und Im­mo­bi­li­en be­schränkt – im Ide­al­fall auf die Ei­gen­nut­zung? Oder in­dem man bei Grund­stü­cken Nut­zungs- an­statt Ei­gen­tums­rech­te ver­gibt? Ber­na­det­te-Ju­lia Felsch Ar­beits­kreis „Wer be­herrscht die Stadt“des Münch­ner Fo­rums für Ent­wick­lungs­fra­gen

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