Streit um die App­le-Steu­er

EU-Fi­nanz­mi­nis­ter un­eins über deutsch-fran­zö­si­schen Plan

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WIRTSCHAFT - Alex­an­der mühlau­er

Tal­linn – Am En­de wa­ren es zehn Un­ter­schrif­ten und ein Be­kennt­nis: Ei­ne Grup­pe von EU-Fi­nanz­mi­nis­tern will In­ter­net­kon­zer­ne künf­tig nicht mehr nach dem Ge­winn, son­dern nach ih­rem Um­satz be­steu­ern. Sie möch­ten so ver­hin­dern, dass Un­ter­neh­men wie Goog­le, App­le oder Face­book ih­re Ge­win­ne in Eu­ro­pa klein­rech­nen und der Fis­kus weit­ge­hend leer aus­geht. Doch beim Tref­fen der EU-Fi­nanz­mi­nis­ter am Wo­che­n­en­de in Tal­linn stieß der Vor­schlag bei ei­ni­gen Staa­ten auf Wi­der­stand.

Die Be­steue­rung der di­gi­ta­len Wirt­schaft sei „ei­ne Fra­ge der Ge­rech­tig­keit“, sag­te Frank­reichs Fi­nanz­mi­nis­ter Bru­no Le Mai­re zu dem ge­mein­sa­men Vor­stoß mit Deutsch­land, Ita­li­en und Spa­ni­en. Es kön­ne nicht zu­ge­las­sen wer­den, dass die „Rie­sen der Di­gi­tal­wirt­schaft“mit eu­ro­päi­schen Da­ten wirt­schaft­li­chen Mehr­wert er­zeug­ten, „oh­ne da­für Steu­ern zu zah­len“. In­ter­net-Un­ter­neh­men müss­ten wie Fir­men der Re­al­wirt­schaft ih­ren „fai­ren An­teil zur Fi­nan­zie­rung der öf­fent­li­chen Haus­hal­te leis­ten“, sag­te Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU). Auch wenn ei­ne über Eu­ro­pa hin­aus­ge­hen­de Ver­ein­ba­rung in der Or­ga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zu­sam­men­ar­beit und Ent­wick­lung (OECD) bes­ser wä­re, sei in der glo­ba­li­sier­ten Welt „ei­ne zweit­bes­te Lö­sung im Zwei­fel bes­ser als gar kei­ne Lö­sung für ei­ne lan­ge Zeit“.

Die vier gro­ßen EU-Staa­ten wol­len durch die so­ge­nann­te Aus­gleichs­steu­er auf den Um­satz ver­hin­dern, dass In­ter­net­Kon­zer­ne ih­re Ge­win­ne in der Eu­ro­päi­schen Uni­on klein­rech­nen oder in Nied­rig­steu­er­län­der ver­schie­ben. Die­sen Vor­schlag un­ter­zeich­ne­ten am Sams­tag sechs wei­te­re EU-Staa­ten: Ös­ter­reich, Bul­ga­ri­en, Grie­chen­land, Por­tu­gal, Ru­mä­ni­en und Slo­we­ni­en. Est­lands Fi­nanz­mi­nis­ter Too­mas To­nis­te, des­sen Land der­zeit den EURats­vor­sitz in­ne­hat, sah so­gar ei­ne grund­sätz­li­che Un­ter­stüt­zung für das schnel­le Vor­ge­hen in Eu­ro­pa bei „mehr als der Hälf­te der Mit­glied­staa­ten“.

Al­le Län­der spra­chen sich für ei­ne lang­fris­ti­ge Lö­sung im Rah­men der OECD aus. Die Or­ga­ni­sa­ti­on, der auch die USA an­ge­hö­ren, ist bis­her das Fo­rum für in­ter­na­tio­na­le Steu­er­ab­spra­chen der In­dus­trie­län­der. Die Ver­hand­lun­gen über ei­ne bes­se­re Un­ter­neh­mens­be­steue­rung kom­men aber nicht vor­an. Bis De­zem­ber soll die EU-Kom­mis­si­on nun bei­de Op­tio­nen auch auf ih­re Nach­tei­le prü­fen. Dann sol­len die Fi­nanz­mi­nis­ter ent­schei­den.

Le Mai­re gab be­reits als Ziel aus, Mit­te 2018 ei­nen Ge­set­zes­vor­schlag für den auf Eu­ro­pa be­grenz­ten Um­satz­steu­er-Plan vor­zu­le­gen. Soll­te es so weit kom­men, be­fürch­tet der bri­ti­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Phi­lip Ham­mond, dass die USA sich bei Ein­füh­rung die­ser Lö­sung aus Pro­test aus dem OECD-Pro­zess ver­ab­schie­den könn­ten. Skep­tisch zeig­ten sich au­ßer­dem Lu­xem­burg, Mal­ta, Dä­ne­mark und Schwe­den. „Of­fen feind­lich“steht laut Le Mai­re Ir­land dem Vor­ha­ben ge­gen­über.

Der dä­ni­sche Fi­nanz­mi­nis­ter Kris­ti­an Jen­sen mahn­te zur Vor­sicht; es be­ste­he die Ge­fahr, dass Eu­ro­pa mit dem Vor­stoß in­no­va­ti­ve Un­ter­neh­men ver­grau­len könn­te. Auch sein Lu­xem­bur­ger Kol­le­ge Pier­re Gra­megna äu­ßer­te sich skep­tisch und mahn­te ei­ne welt­wei­te Ver­ein­ba­rung an. Es sei nicht sinn­voll für Eu­ro­pa, mit dem Vor­schlag vor­zu­pre­schen, sag­te der Fi­nanz­mi­nis­ter aus dem Groß­her­zog­tum.

Um das Steu­er­sys­tem auf EU-Ebe­ne um­zu­stel­len, wä­re ein ein­stim­mi­ger Be­schluss der Fi­nanz­mi­nis­ter nö­tig. Zie­hen nicht al­le mit, könn­te ei­ne Grup­pe von min­des­tens neun Mit­glied­staa­ten das Vor­ha­ben über die so­ge­nann­te ver­stärk­te Zu­sam­men­ar­beit ein­füh­ren. Im Fi­nanz­be­reich sind die Er­fah­run­gen da­mit aber nicht gut. Noch im­mer rin­gen ei­ni­ge EU-Län­der um die Ein­füh­rung ei­ner Steu­er auf Bör­sen­ge­schäf­te. Die Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er schei­ter­te erst welt­weit und schließ­lich 2013 auf EU-Ge­samt­ebe­ne. Über die ver­stärk­te Zu­sam­men­ar­beit sind nun nur noch zehn EU-Län­der da­bei und strei­ten seit Jah­ren. Auch in Tal­linn gab es am Wo­che­n­en­de kein Er­geb­nis in Sa­chen Bör­sen­steu­er.

FO­TO: BLOOM­BERG

In Du­blin hat der In­ter­net-Kon­zern Face­book sei­ne Eu­ro­pa-Zen­tra­le.

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