Trump rückt vom Atom­ver­trag mit Iran ab

Zwar will der Prä­si­dent das Ab­kom­men nicht so­fort kün­di­gen, der Kon­gress soll es aber deut­lich ver­schär­fen

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - VORDERSEITE - Huw, pkr

Washington/Kairo – US-Prä­si­dent Do­nald Trump ver­schärft sei­ne Po­li­tik ge­gen­über Iran deut­lich. In ei­ner für Frei­tag ge­plan­ten Re­de woll­te er nach An­ga­ben aus Re­gie­rungs­krei­sen dem Atom­ab­kom­men mit Teheran sei­ne Un­ter­stüt­zung ent­zie­hen und dem Kon­gress nicht er­neut be­stä­ti­gen, dass die­ses im In­ter­es­se der na­tio­na­len Si­cher­heit der USA lie­ge. Al­ler­dings wür­den die Ver­ei­nig­ten Staa­ten die Ver­ein­ba­rung auch nicht kün­di­gen, sag­te US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son vor der Re­de.

Trump will nach An­ga­ben Til­ler­sons je­doch das US-Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um an­wei­sen, neue Sank­tio­nen ge­gen die Re­vo­lu­ti­ons­gar­den zu er­ar­bei­ten – die Eli­te des ira­ni­schen Mi­li­tärs. Sie sind für die Aus­lands­ein­sät­ze im Irak, in Sy­ri­en, Li­ba­non und Je­men ver­ant­wort­lich. Trump wird aber wohl nicht so weit ge­hen, die Gar­den als Ter­ror­or­ga­ni­sa­ti­on ein­zu­stu­fen.

Das Atom­ab­kom­men soll vor­erst wei­ter gül­tig blei­ben. Es war 2015 von Trumps Vor­gän­ger Ba­rack Oba­ma aus­ge­han­delt wor­den und sieht vor, dass Teheran be­stimm­te Tei­le sei­nes Nu­kle­ar­pro­gramms ein­friert. Im Ge­gen­zug lo­cker­ten die USA und Eu­ro­pa ih­re Wirt­schafts­sank­tio­nen ge­gen Iran. Auch Washington räumt ein, dass Teheran sich an die Ver­ein­ba­rung hält. Trump lehnt das Ab­kom­men den­noch ve­he­ment ab und will nun mit dem Kon­gress ein Ge­setz er­ar­bei­ten, das neue Be­din­gun­gen für Iran de­fi­niert. Soll­te Teheran die­se ro­ten Li­ni­en über­schrei­ten, wür­den nach der Vor­stel­lung der Re­gie­rung die US-Sank­tio­nen au­to­ma­tisch wie­der in Kraft ge­setzt – was ein En­de des Ab­kom­mens be­deu­ten wür­de.

Wie die Be­din­gun­gen ge­nau aus­se­hen und wel­che Art von Ver­stö­ßen die Sank­tio­nen wie­der in Kraft set­zen soll­ten, sag­te Til­ler­son nicht. Die ro­ten Li­ni­en könn­ten sich so­wohl auf das Atom­pro­gramm be­zie­hen als auch auf die um­strit­te­ne Ent­wick­lung bal­lis­ti­scher Ra­ke­ten. Til­ler­son sag­te, die Sank­ti­ons­er­leich­te­run­gen stün­den nicht im Ver­hält­nis zur Ge­gen­leis­tung Irans. An­ge­sichts des ag­gres­si­ven Ver­hal­tens Te­he­rans im Na­hen Os­ten, der Un­ter­stüt­zung für ter­ro­ris­ti­sche Or­ga­ni­sa­tio­nen wie der His­bol­lah und der an­hal­ten­den Ra­ke­ten­tests brau­che Ame­ri­ka ei­ne

Die Eu­ro­pä­er wol­len an dem Ab­kom­men fest­hal­ten, auch wenn Trump aus­steigt

neue Stra­te­gie ge­gen­über Teheran. „Der An­satz des Prä­si­den­ten ist, die Schwä­chen des Ab­kom­mens aus­zu­bü­geln; wenn das nicht ge­lingt, kön­nen die USA es im­mer noch ver­las­sen“, sag­te Til­ler­son.

Ein Teil des Ab­kom­mens, den Trump im­mer wie­der kri­ti­siert, ist die Be­gren­zung der Lauf­zeit. Dem­nach en­den vie­le Be­schrän­kun­gen für das Atom­pro­gramm suk­zes­si­ve bis zum Jahr 2030. Iran könn­te dann un­ge­hin­dert hoch an­ge­rei­cher­tes Uran und Plu­to­ni­um her­stel­len – Ma­te­ri­al, das zum Bau von Atom­waf­fen ge­nutzt wer­den kann. Dies müs­se ver­hin­dert wer­den, sag­te Til­ler­son.

We­gen des Wi­der­stands der an­de­ren Ver­trags­par­tei­en – ne­ben den USA und Iran sind das Russ­land, Chi­na, Frank­reich, Groß­bri­tan­ni­en so­wie Deutsch­land – hält Til­ler­son es für un­rea­lis­tisch, das Ab­kom­men nach­zu­ver­han­deln. Denk­bar sei­en aber Ge­sprä­che über neue Ver­ein­ba­run­gen, die auch Irans Ra­ke­ten­pro­gramm um­fas­sen könn­ten, sag­te er.

Die Eu­ro­pä­er ha­ben Trump ein­dring­lich da­vor ge­warnt, das Ab­kom­men zu kün­di­gen. Eu­ro­pa wer­de da­ran fest­hal­ten, auch wenn Trump aus­stei­ge, so die Bot­schaft. Zu­gleich zei­gen sich die Eu­ro­pä­er aber be­reit, mit da­ran zu ar­bei­ten, Iran we­gen sei­ner ag­gres­si­ven Rol­le in Nah­ost und der Ra­ke­ten­tests här­ter ent­ge­gen­zu­tre­ten.

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