Am Ran­de der Schlacht

Die klei­nen Par­tei­en rin­gen um Auf­merk­sam­keit, die Grü­nen mit neu­er Kon­kur­renz

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 2 THEMA DER WOCHE - Pm

Wenn drei sich strei­ten, ha­ben die an­de­ren kaum Grund zur Freu­de. So ist es zu­min­dest in die­sem Wahl­kampf in Ös­ter­reich. Denn im Schat­ten der hef­ti­gen Aus­ein­an­der­set­zun­gen der drei gro­ßen Par­tei­en ÖVP, SPÖ und FPÖ ist es schwer ge­we­sen für die Klei­nen, die nö­ti­ge Auf­merk­sam­keit auf sich zu zie­hen. Um­fra­gen zu­fol­ge müs­sen des­halb die Ne­os, die Grü­nen und die neu ge­grün­de­te Lis­te Pilz zit­tern, ob sie die Vier-Pro­zent-Hür­de über­sprin­gen und den Ein­zug ins Par­la­ment schaf­fen. An En­ga­ge­ment ha­ben es al­le drei nicht feh­len las­sen:

Ne­os: 2013 hat­te die neu­ge­grün­de­te Par­tei erst­mals mit 5,0 Pro­zent der Stim­men den Ein­zug ins Par­la­ment ge­schafft. Wirt­schafts­und ge­sell­schafts­po­li­tisch ver­tre­ten die Ne­os li­be­ra­le Po­si­tio­nen. Ihr Man­tra, Ös­ter­reich zu er­neu­ern, hat durch­aus Schwung in die po­li­ti­schen De­bat­ten ge­bracht. Nicht zu­letzt liegt das am dy­na­mi­schen Par­tei­chef Mat­thi­as Strolz. An sei­ner Sei­te tritt die frü­he­re Prä­si­den­tin des Obers­ten Ge­richts­hofs, Irm­gard Griss, als Lis­ten­zwei­te an, die sich bei der Bun­des­prä­si­den­ten­wahl 2016 als un­ab­hän­gi­ge Kan­di­da­tin vie­le Sym­pa­thi­en er­wor­ben hat­te. Für „Rü­cken­wind und Rü­cken­stär­kung“hol­ten Strolz und Griss zum Wahl­kampf­ab­schluss noch den deut­schen FDPChef Chris­ti­an Lind­ner nach Wien. Ge­mein­sam spa­zier­ten sie Mit­te der Wo­che über den Nasch­markt. Lind­ner lob­te die Ne­os als „po­li­ti­sches Start-up“, von dem er vor dem FDP-Come­back viel „In­spi­ra­ti­on“be­zo­gen ha­be. Strolz schiel­te auf Lind­ners Wah­l­er­folg und be­kann­te, „die 10,7 Pro­zent wür­de ich schon neh­men“.

Grü­ne: Auch sie ha­ben zum Wahl­kampf­Fi­na­le auf Un­ter­stüt­zung vom er­folg­rei­chen Nach­barn ge­setzt. Der deut­sche Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir kam am Frei­tag als Red­ner nach Wien. Was die deut­schen und die ös­ter­rei­chi­schen Grü­nen eint, ist ei­ne Art po­li­ti­sche Mid­life-Cri­sis, die Wäh­ler­schwund be­fürch­ten lässt. Bei den ös­ter­rei­chi­schen Grü­nen kom­men al­ler­dings noch ei­ne Rei­he haus­ge­mach­ter Pro­ble­me Einst hat er die Grü­nen mit­ge­grün­det, nun geht er sei­ne ei­ge­nen We­ge: Peter Pilz hin­zu, was zu ei­nem Ab­sturz vom letzt­ma­li­gen Re­kord­er­geb­nis von 12,4 Pro­zent füh­ren könn­te. Nach in­ter­nen Que­re­len hat­te es im Mai ei­nen Füh­rungs­wech­sel ge­ge­ben. Die neue Spit­zen­kan­di­da­tin Ul­ri­ke Lu­n­acek, die aus dem EU-Par­la­ment ge­holt wur­de, muss­te ei­nen Kalt­start hin­le­gen. Zur größ­ten Her­aus­for­de­rung aber ist ein Ex-Grü­ner ge­wor­den, der nun mit ei­ge­ner Lis­te an­tritt: Peter Pilz.

Lis­te Peter Pilz: Am An­fang war die Wut. Peter Pilz, Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­ter im Na­tio­nal­rat, der sich seit 1986 ei­nen Na­men ge­macht hat als Af­fä­ren-Auf­klä­rer und Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fer, fiel bei sei­ner Be­wer­bung für den an­ge­streb­ten vier­ten Lis­ten­platz durch. Er zog die Kon­se­quenz, ver­ließ die von ihm einst mit­ge­grün­de­te Par­tei und strebt nun mit sei­ner ei­ge­nen Lis­te ins Par­la­ment. Das Wahl­kampf­bud­get ist nied­rig, ein ein­zi­ges Pos­ter hat Pilz pla­ka­tiert. Es prangt vor dem Par­la­ment in Wien und trägt das Wahl­kampf-Mot­to: „Ja, es geht.“Die nö­ti­ge Auf­merk­sam­keit er­zeugt Pilz selbst. Mit Sinn für def­ti­ge Zu­spit­zun­gen be­schallt er das Land mit links­po­pu­lis­ti­schen Pa­ro­len. Für so­zia­le Ge­rech­tig­keit tritt er eben­so ein wie für ei­nen Kampf ge­gen den po­li­ti­schen Is­lam und ei­ne re­strik­ti­ve Mi­gra­ti­ons­po­li­tik. Er nennt sei­nen Kurs „ra­di­kal prag­ma­tisch“. Im Vi­sier hat er ne­ben al­ten An­hän­gern aus dem Grü­nen-La­ger vor al­lem Nicht- und Pro­test­wäh­ler, ganz ex­pli­zit auch aus den Ge­fil­den der FPÖ.

FO­TO: GE­OR­GES SCHNEI­DER/IM­A­GO

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