Von Recht­s­al­li­anz bis Dirndl-Ko­ali­ti­on

Vie­le Re­gie­rungs­bünd­nis­se sind mög­lich, aber nur we­ni­ge wahr­schein­lich

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 2 THEMA DER WOCHE - Pm

Vor der Wahl kämpft je­der für sich und zwar mit har­ten Ban­da­gen. Nach der Wahl aber muss so­fort der Mo­dus ge­wech­selt wer­den: Es geht um Part­ner­su­che und da­mit um Ge­mein­sam­kei­ten. Fest­le­gun­gen ha­ben al­le Par­tei­en ver­mie­den, weil dies nur die Hand­lungs­frei­heit ein­schrän­ken wür­de. Vie­le Ko­ali­ti­ons-Op­tio­nen wer­den da­her de­bat­tiert, und Über­ra­schun­gen sind in Ös­ter­reich nie aus­ge­schlos­sen.

Schwarz-Blau: Als be­son­ders na­he­lie­gen­de Op­ti­on gilt ei­ne Ko­ali­ti­on aus ÖVP und FPÖ. Dies wür­de den Rechts­ruck fest­schrei­ben, der schon im Wahl­kampf zu be­ob­ach­ten war. Denn die Volks­par­tei von Sebastian Kurz, die streng ge­nom­men nicht mehr im al­ten Schwarz, son­dern in Tür­kis da­her­kommt, hat von der FPÖ kur­zer­hand das do­mi­nie­ren­de The­ma über­nom­men: die Ab­wehr von Mi­gran­ten. Über­ein­stim­mun­gen gibt es zu­dem in Wirt­schafts­fra­gen. Ei­ne sol­che Ko­ali­ti­on gab es schon ein­mal in den Jah­ren 2000 bis 2006. Da­mals wur­de sie von den EU-Part­nern mit Sank­tio­nen be­legt. Dies ist heu­te nicht mehr zu er­war­ten. Ab­schre­cken­der dürf­te für die FPÖ oh­ne­hin sein, dass sie aus dem da­ma­li­gen Bünd­nis nur mit schwe­ren Stim­men­ver­lus­ten her­aus­kam.

Rot-Blau: Ein­ge­denk die­ser Er­fah­rung könn­te für die FPÖ ein Bünd­nis mit den So­zi­al­de­mo­kra­ten at­trak­ti­ver er­schei­nen. Die grö­ße­ren Dif­fe­ren­zen zur SPÖ be­deu­ten, dass es bes­se­re Pro­fi­lie­rungs­mög­lich­kei­ten gibt. Das Pro­blem lä­ge vor al­lem bei der SPÖ, der ei­ne Zer­reiß­pro­be dro­hen wür­de. Der lin­ke Flü­gel lehnt ein Bünd­nis mit den Rechts­po­pu­lis­ten ab, wäh­rend die SPÖ im Bur­gen­land be­reits seit 2015 mit der FPÖ ei­ne Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung bil­det. Kanz­ler Chris­ti­an Kern woll­te sich zu Be­ginn sei­ner Amts­zeit so­gar mit FPÖ-Chef Heinz-Chris­ti­an Stra­che auf ein Bier tref­fen. Da­zu ist es nicht ge­kom­men. Am En­de des Wahl­kampfs bi­lan­zier­te Kern, „dass uns Wel­ten tren­nen“.

Gro­ße Ko­ali­ti­on: In sei­ner 72-jäh­ri­gen Nach­kriegs­ge­schich­te wur­de Ös­ter­reich 45 Jah­re lang von ei­nem Bünd­nis aus ÖVP und SPÖ re­giert, auch in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren. Dies hat zur Ero­si­on der bei­den gro­ßen Par­tei­en und zum Er­star­ken der FPÖ ge­führt. In­halt­lich wirkt die gro­ße Ko­ali­ti­on schon lan­ge aus­ge­laugt. Zu­sam­men­ge­nom­men sind dies star­ke Ar­gu­men­te ge­gen ei­ne Neu­auf­la­ge – kom­plett aus­schlie­ßen woll­ten dies aber im Wahl­kampf we­der die ÖVP noch die SPÖ. In der Po­li­tik, so fass­te es Kanz­ler Kern zu­sam­men, ge­he es „nie um Lie­bes­hei­ra­ten, son­dern um Ver­nunft­ehen“.

Dirndl-Ko­ali­ti­on: Die deut­schen Ja­mai­kaPlä­ne ha­ben auch in Ös­ter­reich die Fan­ta­si­en be­flü­gelt. Als dirndlbun­te Idee kam da­bei ein schwarz-pink-grü­nes Bünd­nis aus ÖVP, Ne­os und Grü­nen auf. In Um­fra­gen ist es al­ler­dings nie in die Nä­he ei­ner ab­so­lu­ten Mehr­heit ge­kom­men. Min­der­heits­re­gie­rung: Sebastian Kurz hat die­se Va­ri­an­te ins Spiel ge­bracht; sie wur­de an­fangs all­ge­mein als ab­surd ver­wor­fen, wird aber nun erns­ter dis­ku­tiert. Kurz kün­dig­te an, als Wah­lers­ter „mög­lichst vie­le Par­tei­en zu fin­den, die be­reit sind, mit uns Pro­jek­te um­zu­set­zen“. Vor­bild könn­te Ös­ter­reichs bis­lang ein­zi­ge Min­der­heits­re­gie­rung un­ter Bru­no Kreis­ky von 1970 sein. Da­mals fehl­ten dem SPÖKanz­ler nur zwei Sit­ze zur ab­so­lu­ten Mehr­heit, er hat­te die FPÖ als Re­ser­ve ge­kö­dert. Kurz da­ge­gen lie­fe bei solch ei­nem Kon­strukt Ge­fahr, im­mer wie­der in Gei­sel­haft ver­schie­de­ner Part­ner zu ge­ra­ten.

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