Si­cher im Exil

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 4 MEINUNG - Von lui­sa see­ling

Doğan Ak­han­lı darf nach Hau­se zu­rück­keh­ren, nach Köln, wo er seit vie­len Jah­ren lebt. Die spa­ni­sche Jus­tiz hat ent­schie­den, den deut­schen Schrift­stel­ler nicht an die Tür­kei aus­zu­lie­fern. Das ist ei­ne gu­te Nach­richt für den 60-Jäh­ri­gen, des­sen un­frei­wil­li­ges Spa­ni­en-Aben­teu­er nun wohl doch noch ein gu­tes En­de fin­det. Vor al­lem ist es ei­ne be­ru­hi­gen­de Nach­richt für all je­ne, die aus po­li­ti­schen Grün­den ins Vi­sier der tür­ki­schen Staats­macht ge­ra­ten sind und dar­auf ver­trau­en, im Aus­land vor Ver­fol­gung si­cher zu sein.

Der Be­schluss der spa­ni­schen Jus­tiz kam nicht ganz über­ra­schend; sie hat sich zu­vor schon ge­wei­gert, den schwe­disch-tür­ki­schen Jour­na­lis­ten Ham­za Yalçın an die Tür­kei aus­zu­lie­fern, der un­ter ähn­li­chen Um­stän­den ge­stran­det war. Die Be­hör­den in An­ka­ra ha­ben ver­sucht, ei­ne im Prin­zip sinn­vol­le Ein­rich­tung – die Mög­lich­keit der Ver­fol­gung von Straf­tä­tern über Gren­zen hin­weg – zu miss­brau­chen. Spa­ni­en hat sei­nen Spiel­raum ge­nutzt, die­sem Trei­ben ei­nen Rie­gel vor­ge­scho­ben und da­mit ein wich­ti­ges Si­gnal ge­setzt, dass sich ein Rechts­staat nicht ein­span­nen las­sen darf bei der Jagd auf Op­po­si­tio­nel­le.

Vor al­lem hat der Fall Ak­han­lı ein Schlag­licht auf die Pra­xis re­pres­si­ver Re­gimes ge­wor­fen, per In­ter­pol-Fahn­dung ge­gen Kri­ti­ker im Exil vor­zu­ge­hen. Der Re­form­pro­zess in der Or­ga­ni­sa­ti­on hat be­gon­nen; sie soll­te ihn drin­gend wei­ter­füh­ren, um nicht von Au­to­kra­ten in­stru­men­ta­li­siert zu wer­den.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.