WOCHENCHRONIK VOM 7. OK­TO­BER BIS 13. OK­TO­BER

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 8 POLITIK - Mad

Ei­ne Zehn-St­un­den-Sit­zung braucht es am Sonn­tag, 8. Ok­to­ber – und die Schwes­ter­par­tei­en CDU und CSU be­en­den ih­ren Streit über ei­ne Ober­gren­ze für Flücht­lin­ge, der die Uni­ons­par­tei­en in zwei Jah­ren An­se­hen und Zu­stim­mung ge­kos­tet hat. Der Kom­pro­miss sieht vor, dass die Sum­me der Zu­wan­de­rer ab­züg­lich der Ab­wan­de­rer die Zahl von 200 000 nicht über­schrei­tet, oh­ne dass die­se Zahl Ober­gren­ze heißt. Beim mög­li­chen Ko­ali­ti­ons­part­ner FDP stößt das ins­ge­samt auf Zu­stim­mung, die Grü­nen da­ge­gen kri­ti­sie­ren, dass vor al­lem der feh­len­de Fa­mi­li­en­nach­zug ge­gen die christ­li­chen Wer­te ver­sto­ße, für die Christ­de­mo­kra­ten und Christ­so­zia­le doch ei­gent­lich ste­hen soll­ten – hier dürf­ten die höchs­ten Hür­den auf dem Weg zu ei­ner Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on lie­gen. Die Ei­ni­gung nimmt et­was Druck von CSU-Chef Horst See­ho­fer, doch in den Be­zirks­ver­bän­den sei­ner Par­tei ru­mort es wei­ter.

Hat er nun die Un­ab­hän­gig­keit ver­kün­det oder nicht? Am Di­ens­tag, 10. Ok­to­ber un­ter­zeich­net Carles Pu­ig­de­mont, der ka­ta­la­ni­sche Mi­nis­ter­prä­si­dent, die Un­ab­hän­gig­keits­er­klä­rung Ka­ta­lo­ni­ens von Spa­ni­en – um sie gleich da­nach wie­der aus­zu­set­zen. Ein von der Zen­tral­re­gie­rung in Ma­drid hart be­kämpf­tes Re­fe­ren­dum hat­te in der Wo­che zu­vor ei­ne 90-Pro­zent-Mehr­heit für die Ab­spal­tung ge­bracht, al­ler­dings hat­ten nur 43 Pro­zent der Be­rech­tig­ten auch ge­wählt. 1500 Jour­na­lis­ten und 10 000 Un­ter­stüt­zer der Se­zes­si­on re­agier­ten rat­los. Spa­ni­ens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­ria­no Ra­joy stellt am Mitt­woch, 11. Ok­to­ber Pu­ig­de­mont ein Ul­ti­ma­tum: Be­trei­be die­ser die Ab­spal­tung Ka­ta­lo­ni­ens wei­ter, wer­de er ab­ge­setzt. Am spa­ni­schen Na­tio­nal­fei­er­tag, dem 12. Ok­to­ber, de­mons­trie­ren 65 000 Men­schen in Barcelona für den Ver­bleib der Re­gi­on in Spa­ni­en.

Am 11. Ok­to­ber be­ginnt in im tür­ki­schen Si­li­vri der Pro­zess ge­gen die deut­sche Über­set­ze­rin und Jour­na­lis­tin Me­sa­le To­lu we­gen an­geb­li­cher Ter­ror­pro­pa­gan­da; sie und ihr klei­ner Sohn blei­ben al­ler­dings in Haft.

Ei­nen Tag spä­ter wird be­kannt, dass die Luft­han­sa mehr als die Hälf­te der Ma­schi­nen der in­sol­ven­ten Flug­ge­sell­schaft Air Ber­lin über­nimmt. Un­klar bleibt die Zu­kunft des Bo­den­per­so­nals; sau­er sind Luft­han­sa-Kon­kur­ren­ten wie der ehe­ma­li­ge Renn­fah­rer Ni­ki Lau­da, der be­klagt, dass die deut­sche Re­gie­rung ihn be­nach­tei­li­ge. Am sel­ben Tag über­springt der deut­sche Bör­sen-In­dex Dax erst­mals die 13 000-Punk­te-Mar­ke.

Die USA tre­ten am 12. Ok­to­ber aus der Welt-Kul­tur­or­ga­ni­sa­ti­on Unesco aus. Die Or­ga­ni­sa­ti­on fas­se ein­sei­tig an­ti-is­rae­li­sche Be­schlüs­se, hieß es. Grö­ße­re Fol­gen für vie­le Ame­ri­ka­ner ha­ben die Wald­brän­de in Ka­li­for­ni­en; gan­ze Sied­lun­gen sind nie­der­ge­brannt. Feu­er auch in Frank­furt: In der Nacht zum 12. Ok­to­ber brennt der höl­zer­ne Goe­the­turm ab – mut­maß­lich durch Brand­stif­tung.

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