War­um ist Ja­mai­kas Flag­ge schwarz­gelb­grün?

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 8 POLITIK - Ve­ro­ni­ka wulf

Bei Ja­mai­ka denkt man spon­tan an Pal­men, Reg­gae und Kif­fen. Oder an schwie­ri­ge Ver­hand­lun­gen. Denn ei­ne Ko­ali­ti­on aus Uni­on, FDP und Grü­nen wird – we­gen der Far­ben ih­rer Par­tei­en – mit dem Na­men des In­sel­staats in der Ka­ri­bik ver­se­hen. Ja­mai­ka ist zwar ein recht jun­ger Staat, erst 1962 er­klär­te er sei­ne Un­ab­hän­gig­keit vom Ver­ei­nig­ten Kö­nig­reich, doch Schwarz, Gelb und Grün hat­te er sich schon län­ger auf die Fah­ne ge­schrie­ben. Sie be­steht aus ei­nem gel­ben Andre­as­kreuz, das zwei grü­ne und zwei schwar­ze Drei­ecke von­ein­an­der trennt. Grün steht für die Hoff­nung in die Zu­kunft und die Land­wirt­schaft, Gelb für die Na­tur­schät­ze und die Schön­heit des Son­nen­lichts und Schwarz für die schwe­ren Ta­ge in der Ver­gan­gen­heit und die Ar­mut in der Ge­gen­wart.

Die Idee, ein Bünd­nis aus CDU, FDP und Grü­nen „Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on“zu nen­nen, hat­te einst der Re­dak­ti­ons­lei­ter des Dor­ma­ge­ner An­zei­gen­blatts Schau­fens­ter. In der nord­rhein-west­fä­li­schen Stadt stan­den 1994 Kom­mu­nal­wah­len an , und da sein Ka­ri­bik-Ur­laub kurz be­vor­stand, über­schrieb die­ser Jour­na­list 1993 ei­nen Ar­ti­kel mit: „Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on mög­lich“. Schwarz-Gelb-Grün kam nicht in Dor­ma­gen, doch der Be­griff blieb. Nun wol­len Uni­on, FDP und Grü­ne in Ber­lin über ein Ja­mai­ka-Bünd­nis ver­han­deln. Es wä­re das ers­te auf Bun­des­ebe­ne.

Der Be­griff lös­te üb­ri­gens die Be­zeich­nung „Schwar­ze Am­pel“ab, kurz: Schwam­pel, ei­ne Wort­schöp­fung, die SPD-Chef Mar­tin Schulz kürz­lich wie­der her­vor­hol­te. Denn: „Was hat die­ses schö­ne Land (Ja­mai­ka) da­mit zu tun?“, frag­te er. Tat­säch­lich nichts. Der Re­dak­ti­ons­lei­ter aus Dor­ma­gen hät­te da­mals eben­so gut auch „La­kritz-Gur­ke-Ana­nas-Ko­ali­ti­on“schrei­ben kön­nen. Klingt sper­rig, hät­te aber we­nigs­tens ei­ne in­halt­li­che Par­al­le­le zu den Par­tei­en: nur schwer zu kom­bi­nie­ren.

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