Nun ope­riert der Prä­si­dent selbst

Do­nald Trump ist da­mit ge­schei­tert, das Ge­sund­heits­sys­tem sei­nes Vor­gän­gers durch den US-Kon­gress ab­schaf­fen zu las­sen. Jetzt streicht er sie­ben Mil­li­ar­den Dol­lar Staats­zu­schüs­se, das ge­fähr­det die Fi­nan­zie­rung von „Oba­ma­ca­re“und kos­tet Är­me­re den Ver­sich

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 10 POLITIK - Von claus hul­ver­scheidt

München – Drei­mal hat Do­nald Trump ver­sucht, die Ge­sund­heits­re­form sei­nes Vor­gän­gers Ba­rack Oba­ma vom Kon­gress kip­pen zu las­sen, drei­mal ist er mit dem Vor­ha­ben ge­schei­tert. Nun macht der US­Prä­si­dent sei­ne Dro­hung wahr, „Oba­ma­ca­re“auf an­de­rem We­ge zu er­le­di­gen: Er streicht die staat­li­chen Zah­lun­gen von zu­letzt gut sie­ben Mil­li­ar­den Dol­lar pro Jahr an die An­bie­ter der Kran­ken­ver­si­che­rungs­po­li­cen, mit de­nen die Vor­gän­ger­re­gie­rung ver­sucht hat­te, die Prä­mi­en der Kun­den mög­lichst nied­rig zu hal­ten. Fach­leu­te er­war­ten, dass die Ge­sund­heits­kos­ten der be­trof­fe­nen Bür­ger in­fol­ge der Ent­schei­dung wei­ter dras­tisch stei­gen wer­den.

Für jun­ge, ge­sun­de Ame­ri­ka­ner zahl­te die Ver­si­che­rung sich nicht wirk­lich aus

Trump hat­te seit sei­nem Amts­an­tritt im­mer wie­der ge­droht, Oba­ma­ca­re „im­plo­die­ren“zu las­sen, soll­te der Kon­gress nicht han­deln. Der Prä­si­dent sieht sich ins­be­son­de­re bei re­pu­bli­ka­ni­schen Stamm­wäh­lern im Wort, de­nen er die Ab­schaf­fung der ver­hass­ten Re­form im Wahl­kampf ver­spro­chen hat­te. Vie­le Kon­ser­va­ti­ve hal­ten Oba­mas Ge­setz, das je­den Bür­ger zum Ab­schluss ei­ner Kran­ken­ver­si­che­rung und Fir­men mit mehr als 50 Mit­ar­bei­tern zur Be­tei­li­gung an den Kos­ten ver­pflich­tet, für staat­li­chen Di­ri­gis­mus und ei­nen Ein­griff in ih­re Frei­heits­rech­te.

Trump be­zeich­ne­te Oba­ma­ca­re am Frei­tag­mor­gen im Kurz­mit­tei­lungs­dienst Twit­ter als „heil­lo­ses Fi­as­ko“. Er wer­de nun da­ran ge­hen, den Kran­ken­ver­si­che­rungs­schutz der Ame­ri­ka­ner Schritt für Schritt zu ver­bes­sern. Wenn sich die op­po­si­tio­nel­len De­mo­kra­ten an den Re­pa­ra­tur­ar­bei­ten be­tei­li­gen woll­ten, „dann sol­len sie sich bei mir mel­den“, so Trump.

Oba­ma war es mit der Re­form ge­lun­gen, die Zahl der Men­schen oh­ne Ge­sund­heits­schutz von gut 40 Mil­lio­nen auf we­ni­ger als 28 Mil­lio­nen zu sen­ken. Al­ler­dings hat­te er ur­sprüng­lich noch bes­se­re Wer­te er­hofft. Vie­le Men­schen konn­ten sich aber selbst die sub­ven­tio­nier­ten Prä­mi­en nicht leis­ten, an­de­re ver­zich­te­ten be­wusst auf den Ab­schluss ei­ner Ver­si­che­rung und zahl­ten lie­ber ei­ne ge­rin­ge Stra­fe. Das kann sich ge­ra­de für jün­ge­re Ame­ri­ka­ner „Ein bos­haf­ter Akt sinn­lo­ser Sa­bo­ta­ge ge­gen Ar­bei­ter­fa­mi­li­en und die Mit­tel­schicht“: So se­hen die Op­po­si­ti­ons­füh­rer die Kür­zun­gen des US-Prä­si­den­ten an Oba­ma­ca­re. Mehr Leu­te wer­den nun wohl wie­der auf wohl­tä­ti­ge Be­hand­lungs­ak­tio­nen an­ge­wie­sen sein wie hier in Los Angeles.

loh­nen: Blei­ben sie ge­sund, zah­len sie gar nichts, wer­den sie doch ernst­haft krank, kön­nen sie im­mer noch die Not­auf­nah­me ei­nes Kran­ken­hau­ses auf­su­chen. Dort müs­sen die Ärz­te sie be­han­deln. Zwar kos­tet das leicht meh­re­re Tau­send Dol­lar, es ist aber im­mer noch deut­lich bil­li­ger, als jähr­lich 15 000 Dol­lar und mehr für ei­ne Oba­ma­ca­re-Po­li­ce.

Dass vie­le ge­sun­de Men­schen nicht mit­mach­ten, trug ne­ben an­de­ren Re­form­män­geln da­zu bei, dass die Ver­si­che­rer mit den kal­ku­lier­ten Prä­mi­en nicht aus­ka­men

und die­se deut­lich er­höh­ten. Der Weg­fall der Sub­ven­tio­nen wird die­sen Trend noch ver­stär­ken. Das Wei­ße Haus be­grün­de­te den Sub­ven­ti­ons­stopp mit dem Ar­gu­ment, die Re­gie­rung dür­fe sol­che Bei­hil­fen aus ju­ris­ti­schen Grün­den gar nicht zah­len. Trump über­nahm da­mit die Ar­gu­men­ta­ti­on re­pu­bli­ka­ni­scher Re­form­kri­ti­ker.

Er un­ter­zeich­ne­te zu­dem ei­nen zwei­ten Er­lass, der zum Ziel hat, Klein­be­trie­be von Ver­si­che­rungs­kos­ten zu ent­las­ten und Bür­gern den Ab­schluss so­ge­nann­ter Mi­ni­mal­ver­si­che­run­gen zu er­leich­tern. Ein sol­cher

Ba­sis­schutz könn­te für jun­ge, ge­sun­de Men­schen ei­ne preis­güns­ti­ge Al­ter­na­ti­ve zur Oba­ma­ca­re-Po­li­ce sein, wird aber den Kos­ten­druck auf die im Sys­tem ver­blei­ben­den Ver­si­cher­ten wei­ter er­hö­hen.

Die de­mo­kra­ti­schen Min­der­heits­füh­rer im Kon­gress, Chuck Schu­mer und Nan­cy Pe­lo­si, be­zeich­ne­ten Trumps Be­schlüs­se als „bos­haf­ten Akt der sinn­lo­sen Sa­bo­ta­ge ge­gen Ar­bei­ter­fa­mi­li­en und die Mit­tel­schicht in je­dem Win­kel Ame­ri­kas“. Der Prä­si­dent wer­de ver­su­chen, die Aus­wir­kun­gen sei­ner Po­li­tik als Fol­ge von Oba­ma­ca­re

dar­zu­stel­len, warn­ten sie. „Aber das wird auf ihn zu­rück­fal­len, und er wird den Preis da­für zah­len.“Tat­säch­lich ist un­ge­wiss, ob Trump mit der schlei­chen­den Zer­stö­rung des wohl wich­tigs­ten Ge­set­zes sei­ner Vor­gän­gers beim Wäh­ler wird punk­ten kön­nen. Ei­ne Mei­nungs­um­fra­ge des In­sti­tuts Ip­sos für die Agen­tur Reu­ters kam jüngst zu ei­nem recht ein­deu­ti­gen Er­geb­nis: Zwei von drei Ame­ri­ka­nern sag­ten dem­nach, Oba­ma­ca­re müs­se zwar wo­mög­lich ver­bes­sert, grund­sätz­lich aber er­hal­ten blei­ben.

FO­TO: PATRICK T. FALLON/BLOOMBERG

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