Schleu­ser su­chen neue Rou­ten

UN-Ver­tre­ter be­fürch­ten Tau­sen­de To­te in der Sa­ha­ra

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 10 POLITIK - Bac

München – Ver­tre­ter der UN-Mi­gra­ti­ons­or­ga­ni­sa­ti­on IOM ge­hen da­von aus, dass beim Durch­que­ren der Sa­ha­ra Rich­tung Li­by­en und Al­ge­ri­en min­des­tens dop­pelt so vie­le Mi­gran­ten um­kom­men wie im Mit­tel­meer – dort star­ben die­ses Jahr bis­her 2775 Men­schen. Richard Dan­zi­ger, IOM-Re­gio­nal­di­rek­tor für West- und Zen­tral­afri­ka, be­ton­te in Genf aber, es ge­be kei­ne be­last­ba­ren Zah­len zu den To­ten in der Wüs­te, nur Schät­zun­gen. Sie ba­sie­ren auf der Be­we­gung von Mi­gran­ten, de­ren Be­rich­ten, An­ga­ben ört­li­cher Be­hör­den und Be­ob­ach­tun­gen der UN-Mit­ar­bei­ter.

Gi­u­sep­pe Lo­pre­te, IOM-Mis­si­ons­chef in Ni­ger, dem Haupt­tran­sit­land für Mi­gran­ten nach Nord­afri­ka, sag­te, bei deut­lich ver­stärk­ten Such- und Ret­tungs­ein­sät­zen im Land sei­en seit Ok­to­ber et­wa 1500 Men­schen ge­ret­tet wor­den. Lo­pre­te und Dan­zi­ger be­rich­te­ten bei ei­nem Pres­se­ter­min am Don­ners­tag, dass der star­ke Rück­gang der Zahl von Flücht­lin­gen, die in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten von Li­by­en über das Meer nach Ita­li­en ge­lang­ten, nicht be­deu­te, dass die hu­ma­ni­tä­re La­ge für Mi­gran­ten aus Afri­ka ins­ge­samt bes­ser sei. Al­ler­dings sei­en in Ni­ger we­ni­ger Men­schen auf den eta­blier­ten Rou­ten un­ter­wegs. Wo vor ei­nem Jahr pro Wo­che bis zu 7000 Mi­gran­ten durch­ka­men, sei­en es nun 5000 im Mo­nat. Dies lie­ge da­ran, dass die Si­cher­heits­kräf­te deut­lich mehr kon­trol­lier­ten. In Aga­dez, Zen­tral­punkt der Tran­sit­rou­te, wür­den an Sam­mel­stel­len der Schleu­ser nicht mehr Hun­der­te Mi­gran­ten an­ge­trof­fen, son­dern nur ei­ni­ge Dut­zend. Po­li­zei und Mi­li­tär näh­men Schmugg­ler fest und hät­ten Hun­der­te Fahr­zeu­ge be­schlag­nahmt, we­ni­ger Ein­hei­mi­sche sei­en be­reit, für Schleu­ser zu ar­bei­ten.

Die Men­schen­schmugg­ler tes­ten des­halb nun Al­ter­na­tiv­rou­ten. Die­se führ­ten häu­fi­ger durch Ma­li, was we­gen der be­waff­ne­ten Grup­pen dort ris­kant sei. Als si­che­rer gel­te der Weg von Se­ne­gal über Mau­re­ta­ni­en nach Ma­rok­ko. Ge­naue­re Zah­len da­zu könn­ten bis Jah­res­en­de vor­lie­gen. Zum Rück­gang der Mi­gra­ti­on über Li­by­en tra­ge auch bei, dass die IOM ge­zielt vor der ge­fähr­li­chen La­ge dort und den Zu­stän­den in den La­gern war­ne. Dan­zi­ger hält es der­zeit für un­mög­lich, Auf­fang­zen­tren in Li­by­en ein­zu­rich­ten, wie sie in der EU vor­ge­schla­gen wer­den, um dort zu prü­fen, wer le­gal nach Eu­ro­pa ein­rei­sen könn­te.

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