Über­blick

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 16 FORUM & LESERBRIEFE NÖTIGE GRENZEN ÜBERBLICK -

Lei­der sind die po­ten­zi­el­len Ko­ali­tio­nä­re durch die Ab­sa­ge der SPD und den Druck der CSU durch die baye­ri­schen Land­tags­wah­len 2018 er­press­bar ge­wor­den. Es wä­re fa­tal für die de­mo­kra­ti­sche Kul­tur in un­se­rem Land, wenn Li­be­ra­le und Grü­ne aus zy­ni­schem Macht­stre­ben ih­re Mar­ken­ker­ne op­fern wür­den. Die in­nen­und au­ßen­po­li­ti­schen Kon­se­quen­zen fau­ler Kom­pro­mis­se las­sen sich noch nicht ab­se­hen. Die Ko­ali­ti­ons­ge­sprä­che ver­spre­chen span­nend zu wer­den!

Ot­to Dietrich Knapp, Fürth

Wo sol­len sie woh­nen?

Ent­we­der An­ge­la Mer­kel und Horst See­ho­fer kön­nen nicht rech­nen oder die so­ge­nann­te „Ei­ni­gung“ist nicht ernst ge­meint. Man stel­le sich vor, je­des Jahr kom­men 200 000 Flücht­lin­ge nach Deutsch­land. Wo sol­len die ei­gent­lich woh­nen? Mainz hat 200 000 Ein­woh­ner. Wenn man es al­so ernst meint mit die­ser An­zahl von Men­schen, die hier­her­kom­men dür­fen, dann müss­te je­des Jahr ei­ne Stadt so groß wie Mainz ge­baut wer­den. Mit al­ler In­fra­struk­tur.

Das Ar­gu­ment, mehr als 1,2 Mil­lio­nen Woh­nun­gen wür­den leer ste­hen, darf an­ge­zwei­felt wer­den. In den Städ­ten je­den­falls nicht. Denn die Men­schen, die zu uns kom­men, wol­len nicht in ver­las­se­nen Ge­gen­den wie Bran­den­burg und Meck­len­burg-Vor­pom­mern „le­ben“, son­dern dort, wo es Ar­beit gibt und wo noch Bus­se fah­ren. Peter Koch, Ker­nen im Rems­tal

Wir sind ein Ein­wan­de­rungs­land

Wie soll man die müh­sam er­ziel­te Über­ein­kunft ein­ord­nen? Als Qua­dra­tur des Krei­ses, For­mel­kom­pro­miss, Ge­sichts­wah­rung, Wa­ckel­pud­ding, Po­tem­kin­sches Dorf oder als ehr­li­chen Durch­bruch? Horst See­ho­fer ver­zich­te­te auf den Be­griff der lan­ge ge­for­der­ten Ober­gren­ze, An­ge­la Mer­kel ak­zep­tier­te die um­strit­te­ne Zahl von jähr­lich ver­kraft­ba­ren 200 000 Zu­züg­lern als Richt­zahl. Das Grund­recht auf Asyl für po­li­tisch Ver­folg­te nach Ar­ti­kel 16 des Grund­ge­set­zes leuch­tet nun hof­fent­lich für al­le wie­der ne­ben dem Schutz der „ei­ge­nen“Bür­ger. Nun wä­re zu wün­schen, dass sich die Uni­on auch ge­gen­über den Rechts­na­tio­na­len recht­zei­tig vor der Land­tags­wahl 2018 deut­lich po­si­tio­niert. Nur über Mit­te-rechts wer­den kei­ne Wah­len mehr ge­won­nen. Da­für sorgt ein in­zwi­schen auf­ge­klär­tes Wahl­volk.

Deutsch­land in­klu­si­ve Bay­ern ist ein Ein­wan­de­rungs­land spä­tes­tens seit den frü­hen Neun­zi­ger­jah­ren mit dem gro­ßen Zu­zug der Russ­land­deut­schen ge­wor­den. Oh­ne Zu­wan­de­rung und In­te­gra­ti­on ist un­se­re Zu­kunfts­fä­hig­keit ge­fähr­det. Oh­ne mehr Zu­wan­de­rung wer­den vie­le deut­sche und baye­ri­sche Re­gio­nen den Sta­tus quo ih­rer öf­fent­li­chen In­fra­struk­tur nicht auf­recht­er­hal­ten kön­nen, heißt es in der jüngs­ten Stu­die des Frank­fur­ter Zu­kunfts­in­sti­tuts. Dies be­trifft Kin­der­gär­ten, Schu­len, Schwimm­bä­der, Nah­ver­kehr. Da­zu die ge­werb­li­chen und frei­en Be­ru­fe wie die staat­li­chen Ver­wal­tungs­ein­rich­tun­gen. Das The­ma ge­hört al­ler­orts po­si­tiv auf­ge­la­den und be­wer­tet.

Jochen Frei­hold, Ber­lin „70 000 wol­len nach Deutsch­land“vom 12. Ok­to­ber: Täg­lich geis­tern neue Zah­len durch die Me­di­en. Viel­leicht kann die SZ ein­mal dar­stel­len, wie vie­le Flücht­lin­ge et­wa wo ge­lan­det sind, wel­ches Land wie vie­le auf­ge­nom­men hat, wo­her sie kom­men und wie vie­le zu­rück­ge­kehrt sind. Es ist si­cher nicht leicht, sich dar­über ei­nen Über­blick zu ver­schaf­fen, aber ein­zel­ne Zah­len sind lei­der nicht hilf­reich. Rai­ner Kil­li, München

Gro­tes­kes Ge­ze­ter

Es gibt in Deutsch­land wohl kein Par­tei­en­kon­strukt, das ein so brei­tes Spek­trum an po­li­ti­schen In­ter­es­sen und Be­dürf­nis­sen in­te­griert wie die Uni­on aus CDU und CSU: Wäh­rend sich die CDU klas­sisch in der Mit­te und mit Of­fen­heit für ur­sprüng­lich „lin­ke“Ide­en zeigt, gibt die CSU tra­di­tio­nell auch eher kon­ser­va­ti­ve­ren Na­tu­ren ei­ne Hei­mat. Die­se Fä­hig­keit, so­zu­sa­gen den rech­ten Rand der Mit­te ab­zu­gra­sen, ge­hört seit je­her zu den Kern­kom­pe­ten­zen der Christ­so­zia­len. Man er­in­ne­re sich le­dig­lich da­ran, wie es in den 90ern ge­lang, mit­tels ei­ner ver­schärf­ten Asyl­po­li­tik Franz Schön­hu­bers Re­pu­bli­ka­ner tro­cken­zu­le­gen. In den ver­gan­ge­nen zwei Jah­ren nun hoff­te Horst See­ho­fer dar­auf, durch ei­ne Neu­auf­la­ge die­ser Stra­te­gie po­ten­zi­el­le AfD-Wäh­ler für die CSU zu ge­win­nen, se­hen­den Au­ges zu ei­nem ho­hen Preis: Das – stel­len­wei­se gro­tes­ke – Ge­ze­ter für ei­ne Flücht­lings­ober­gren­ze und die in­sze­nier­ten (!?) Kon­flik­te mit der Kanz­le­rin wa­ren Was­ser auf die Müh­len der Mer­kelGeg­ner und der „Gren­zen- dicht“-Frak­ti­on und schä­dig­ten das po­li­tisch-dis­kur­si­ve Kli­ma. Wenn aber der Vor­sit­zen­de ei­ner Par­tei ei­ner sol­chen Feh­l­ein­schät­zung un­ter­liegt, so tut die Par­tei gut da­ran, mu­tig die ent­spre­chen­den Kon­se­quen­zen zu zie­hen. Micha­el Zir­lik, Rö­then­bach

Ein­mal die CSU-Ba­sis be­fra­gen

Ich kann den meis­ten Aus­füh­run­gen von Peter Gau­wei­ler in „Horst, es ist Zeit“be­den­ken­los zu­stim­men. Als lang jäh­ri­ges Mit­glied der CSU und ak­ti­ver Funk­tio­när emp­fin­de ich es seit Lan­gem als Zu­mu­tung, dass vie­le The­men oh­ne Rück­spra­che mit der Ba­sis vor­an­ge­trie­ben wer­den. War­um be­fragt man nicht die Ba­sis, was ihr in ei­ner zu­künf­ti­gen Ko­ali­ti­on wich­tig ist? Wür­de man ge­mäß See­ho­fers Wahl­spruch „CSU = nä­her am Men­schen“ver­fah­ren, wür­de man schnell fest­stel­len, dass vie­le frü­he­re CSU-Wäh­ler, ja so­gar Mit­glie­der, die­ses Mal an­de­re Par­tei­en ge­wählt ha­ben. Das lag si­cher zum Teil am The­ma Flücht­lin­ge, aber auch an vie­len haus­ge­mach­ten Feh­lern, wie dem The­ma Bil­dung (G 8/G 9, frag­wür­di­ge Leh­rer­aus­bil­dung) oder dem Die­selskan­dal, wo es ein­fach nicht sein darf, dass Fahr­zeu­ge zu­ge­las­sen wer­den, ob­wohl sie nicht den Ge­set­zen ent­spre­chen, und dann beim Ent­de­cken die Be­sit­zer im Stich ge­las­sen wer­den, wäh­rend die Ver­ur­sa­cher wei­ter­wurs­teln dür­fen. Wer da­von be­trof­fen ist, der kommt we­gen ei­ner wie auch im­mer aus­ge­han­del­ten „Ober­gren­ze“nicht zu­rück.

Des­halb wä­re es rich­tig, wenn sich Mar­kus Sö­der jetzt zur Wahl stel­len wür­de. Mit ihm gibt es ei­ne er­fah­re­ne Al­ter­na­ti­ve zu Horst See­ho­fer. Wür­de es bei der Land­tags­wahl 2018 zu kei­ner ab­so­lu­ten Mehr­heit der CSU mehr kom­men, kä­me ein er­zwun­ge­ner Wech­sel an der Spit­ze ein­deu­tig zu spät. Man­fred Dur­lak, Lan­gen­zenn

An­de­re The­men – aus­ge­blen­det

Die Zu­sam­men­fas­sung al­ler Er­klä­run­gen zu „Hin­der­nis­sen“für ei­ne Ja­mai­ka-Ko­ali­ti­on re­du­ziert sich – für ei­ne In­dus­trie­na­ti­on vom Rang Deutsch­lands – auf Fol­gen­des: den Um­gang mit wei­te­ren „Flücht­lin­gen“, nach­dem die BRD be­reits mehr als 1,5 Mil­lio­nen auf­ge­nom­men hat! Ren­ten, So­zia­les (für Deut­sche), Ge­sund­heit, Na­ti­on, in­ne­rer Frie­den, Zu­kunft, Zu­sam­men­halt, Müt­ter / Vä­ter, Kin­der / En­kel, Bil­dung, Wer­te, Kul­tur, Ge­fah­ren für den In­dus­trie­stand­ort Deutsch­land, al­les zweit­ran­gig: „Schutz­su­chen­de“wer­den zum Knack­punkt un­se­rer Re­gie­rungs­fä­hig­keit ge­macht. Dr. Jörg Mutsch­ler, Nai­la

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