Klaus Ott,

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 16 FORUM & LESERBRIEFE NÖTIGE GRENZEN ÜBERBLICK - Klaus ott

Uli Ho­en­eß? Den kennt fast je­der. Wenn so je­mand Steu­ern in Mil­lio­nen­hö­he hin­ter­zieht und ins Ge­fäng­nis muss, ist die Auf­re­gung groß. Cum-Ex? Kennt fast nie­mand. Ist aber noch viel schlim­mer. Um mehr als zehn Mil­li­ar­den Eu­ro ha­ben Ban­ken und Bör­sen­händ­ler den Fis­kus er­leich­tert, schät­zen Steu­er­fahn­der. So ge­sche­hen beim An- und Ver­kauf von Ak­ti­en mit (Cum) und oh­ne (Ex) Di­vi­den­de. Auf kom­pli­zier­te, trick­rei­che, selbst für er­fah­re­ne Er­mitt­ler kaum nach­voll­zieh­ba­re Art und Wei­se.

Wie aber sol­len Jour­na­lis­ten das dann den Le­sern er­klä­ren? Ganz ein­fach: vie­le Leu­te fra­gen, die vie­les wis­sen. Auf­sät­ze stu­die­ren, in de­nen Ex­per­ten die­se Ak­ti­en­de­als be­schrei­ben. Vie­le Tau­send Sei­ten Er­mitt­lungs­ak­ten be­sor­gen. Und dann, wie bei ei­nem Puz­zle, das aus Tau­sen­den Tei­len be­steht, Stück für Stück al­les zu­sam­men­set­zen. Mit dem Rand an­fan­gen und sich dann nach in­nen vor­ar­bei­ten, zum Kern. Bis sich ein Bild er­gibt, auch wenn das Jah­re dau­ert. Fünf mitt­ler­wei­le bei Cum-Ex.

Müh­sam? Ja. Ner­vig? Nein. Son­dern span­nend. Über Af­fä­ren zu be­rich­ten, ist oft ei­ne Puz­zle-Auf­ga­be. Und hat nichts zu tun mit ei­nem ra­sen­den Re­por­ter, der atem­los den Er­eig­nis­sen hin­ter­her­jagt; oder sich kon­spi­ra­tiv zu dunk­ler St­un­de an ver­bor­ge­nen Or­ten mit In­for­man­ten ver­ab­re­det, die Son­nen­bril­le und Pe­rü­cke tra­gen. Statt­des­sen Tref­fen im Ca­fé oder im Bü­ro mit Leu­ten, die dem Re­por­ter ver­trau­en. Die ihm aus un­ter­schied­lichs­ten Mo­ti­ven et­was er­zäh­len; ihn et­was le­sen las­sen oder ihm so­gar et­was mit­ge­ben. Puz­zle­tei­le eben, die ir­gend­wann zu­ein­an­der­pas­sen. So wird auch Cum-Ex ei­ne gro­ße Ge­schich­te, die im­mer mehr Le­ser in­ter­es­siert.

Viel Ar­beit? Ja. Ge­re­gel­ter Acht-St­un­den-Bü­rotag? Nein. Aber mit dem Ge­fühl, dass der Job eher Lei­den­schaft als Be­ruf ist, eher Lust als Last, lässt sich gut ar­bei­ten und le­ben.

58, hat sein Hand­werk bei der MainPost in Würzburg ge­lernt. In 33 Jah­ren SZ ist er zum Spe­zia­lis­ten für Wirt­schafts­ver­bre­chen ge­wor­den und geht, wie vie­le Kol­le­gen, an Schu­len, um Me­di­en­kun­de zu ver­mit­teln. Le­ser­brie­fe sind in kei­nem Fall Mei­nungs­äu­ße­run­gen der Re­dak­ti­on. Wir be­hal­ten uns vor, die Tex­te zu kür­zen. Au­ßer­dem be­hal­ten wir uns vor, Le­ser­brie­fe auch in der di­gi­ta­len Aus­ga­be der Süd­deut­schen Zei­tung und bei Süd­deut­sche.de zu ver­öf­fent­li­chen. Es kön­nen nur Zu­schrif­ten ver­öf­fent­licht wer­den, die sich auf be­nann­te Ar­ti­kel be­zie­hen. Zu­schrif­ten oh­ne An­ga­be des vol­len Na­mens und der voll­stän­di­gen Adres­se kön­nen wir lei­der nicht be­ar­bei­ten. Bit­te ge­ben Sie für Rück­fra­gen auch im­mer Ih­re Te­le­fon­num­mer an. Fax: 089/21 83-85 30 fo­rum@sued­deut­sche.de

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