Hoch­ver­rat – oder auch nicht

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG - Von hu­bert wet­zel

Russ­land und Do­nald Trump – bis­her ist das vor al­lem viel Rauch und we­nig Feu­er. Be­kannt ist, dass en­ge Mit­ar­bei­ter und Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­ge des heu­ti­gen Prä­si­den­ten zwei­fel­haf­te Kon­tak­te mit Per­so­nen hat­ten, die auf die ei­ne oder an­de­re Wei­se mit dem Kreml oder ei­ner an­de­ren rus­si­schen Macht­in­sti­tu­ti­on ver­ban­delt wa­ren. Un­be­kannt ist al­ler­dings, zu wel­chem Zweck und mit wel­chem Er­geb­nis. Ar­bei­te­te Trump tat­säch­lich wis­sent­lich mit Mos­kau zu­sam­men, um die De­mo­kra­tin Hil­la­ry Cl­in­ton zu be­sie­gen? Man kann das glau­ben, wenn man mag, oder ver­mu­ten. Aber man kann es nicht wis­sen. Ei­nen ech­ten Be­weis gibt es bis­lang je­den­falls nicht.

Nach ei­nem Be­weis zu su­chen, so­fern er denn exis­tiert, ist die Auf­ga­be von Ro­bert Mu­el­ler. Der Son­der­er­mitt­ler soll ge­nau die­se ei­ne Fra­ge klä­ren – ar­bei­te­te Trump mit Mos­kau zu­sam­men? Ist die Ant­wort Ja, wä­re das Hoch­ver­rat. Ist die Ant­wort Nein, dann hät­te Trump recht: Das gan­ze Ge­re­de über Kol­lu­si­on kä­me ei­ner He­xen­jagd ge­gen ihn gleich.

Das ist der Maß­stab, den man an­le­gen soll­te, wenn in den kom­men­den Ta­gen be­kannt wird, ge­gen wen und aus wel­chem Grund Mu­el­ler An­kla­ge er­hebt. Ob ir­gend­ein Trump-Un­ter­ling bei der Ver­neh­mung ge­lo­gen oder sei­ne Ne­ben­ein­künf­te nicht or­dent­lich de­kla­riert hat, ist zweit­ran­gig. Ent­schei­dend ist, was Do­nald Trump ge­tan hat – und ob er Prä­si­dent ist, weil Mos­kau nach­ge­hol­fen hat.

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