Der Ur­sprung des Gel­des

In der Aser­bai­dschan-Af­fä­re steigt Druck auf CDU-Ab­ge­ord­ne­te

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Han­nes mun­zin­ger, bas­ti­an ober­may­er, pia rat­zes­ber­ger

Mün­chen/Ber­lin – Ka­rin Strenz ar­bei­tet jetzt wie­der im Bun­des­tag. Ei­gent­lich. In der ver­gan­ge­nen Wo­che hät­te sie zur ers­ten Sit­zung des neu ge­wähl­ten Par­la­ments er­schei­nen sol­len, ein Prä­si­di­um wäh­len, über die ers­ten An­trä­ge ab­stim­men, wie all die an­de­ren Ab­ge­ord­ne­ten. Die CDU-Ab­ge­ord­ne­te aber ist krank­ge­mel­det, die Stimm­kar­ten blie­ben in ih­rem Fach lie­gen. Schon seit Wo­chen be­ant­wor­tet sie kei­ne An­fra­gen von Jour­na­lis­ten, kei­nen An­ruf, kei­ne Mail. Nur bei dem SPD-Ab­ge­ord­ne­ten Frank Schwa­be mel­de­te sie sich – per An­walts­schrei­ben.

Er hat­te sie öf­fent­lich der Kor­rup­ti­on be­zich­tigt, nach­dem die Süd­deut­sche Zei­tung über Zah­lun­gen be­rich­tet hat­te, die Strenz von ei­ner Lob­by­fir­ma des ehe­ma­li­gen CSUAb­ge­ord­ne­ten Edu­ard Lint­ner er­hal­ten hat­te. In dem An­walts­schrei­ben heißt es, Strenz ha­be „zu kei­nem Zeit­punkt Zah­lun­gen aus Aser­bai­dschan er­hal­ten“. Und wenn doch, ha­be sie zu­min­dest nicht ge­wusst, dass „an sie ge­leis­te­te Zah­lun­gen aus Aser­bai­dschan stamm­ten“.

Ei­ne be­mer­kens­wer­te Aus­sa­ge, der nun – aus­ge­rech­net – ihr Auf­trag­ge­ber Lint­ner wi­der­spricht: „Mei­ne Be­zie­hung zu Aser­bai­dschan kann­te sie ja und wir ha­ben auch nie ein Ge­heim­nis draus ge­macht“, sag­te er, of­fen­sicht­lich ver­wun­dert, der SZ.

Strenz hat­te im Jahr 2014 und im Ja­nu­ar 2015 von ei­ner deut­schen Fir­ma na­mens Li­ne M-Tra­de Geld be­kom­men, je­weils zwi­schen 7500 und 15 000 Eu­ro. Die Fir­ma ge­hör­te dem Lob­by­is­ten Lint­ner, der auch die Ge­sell­schaft zur För­de­rung der deutsch-aser­bai­dscha­ni­schen Be­zie­hun­gen (Gef­dab) ge­grün­det hat­te. Bei­de Fir­men sind laut Lint­ner vom aser­bai­dscha­ni­schen Staat un­ter­stützt wor­den, und mit bei­den Fir­men ha­be er, sag­te Lint­ner, die glei­chen Zie­le ver­folgt – das Ho­no­rar an Strenz sei nur aus „in­ner­be­trieb­li­chen Grün­den“über die Li­ne M-Tra­de ge­lau­fen.

Ka­rin Strenz ha­be aser­bai­dscha­ni­schen Un­ter­neh­men Kon­tak­te zu Fir­men in ih­rem Wahl­kreis ver­mit­teln sol­len, er­zählt Lint­ner wei­ter, es sei vor al­lem um er­neu­er­ba­re Ener­gi­en ge­gan­gen. Auch von die­sen Kon­tak­ten ist in dem An­walts­schrei­ben die Re­de, dort al­ler­dings heißt es, „die Auf­ga­be un­se­rer Man­dan­tin be­stand im Her­stel­len von Kon­tak­ten zwi­schen in­ter­es­sier­ten deut­schen Un­ter­neh­men und der Li­ne M-Tra­de Gm­bH“– kein Wort von Fir­men aus Aser­bai­dschan. Laut Lint­ner ha­be man Ähn­li­ches „auch mal mit Ge­or­gi­en ver­sucht“, das ha­be sich aber nicht rea­li­sie­ren las­sen. Im Schrei­ben von Strenz’ An­wäl­tin­nen da­ge­gen steht, es sei „um den ge­sam­ten Raum der post­so­wje­ti­schen Re­pu­bli­ken und kei­nes­wegs aus­schließ­lich um Aser­bai­dschan“ge­gan­gen. „Die wei­te­re Ent­wick­lung und Nut­zung der ver­mit­tel­ten Kon­tak­te“ent­zie­he sich ih­rer Kennt­nis. Edu­ard Lint­ner sagt: Letzt­end­lich sei oh­ne­hin nichts draus ge­wor­den. Ei­ne Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­te be­kam al­so Tau­sen­de von Eu­ro für die ver­geb­li­che Ver­mitt­lung von Kon­tak­ten?

Es ist nicht die ein­zi­ge Fra­ge, die Strenz seit Wo­chen un­be­ant­wor­tet lässt. Ge­mein­sam mit ei­ner ehe­ma­li­gen Mit­ar­bei­te­rin von Lint­ners Gef­dab hat­te sie An­fang 2014 ei­ne Fir­ma ge­grün­det, die Extent Gm­bH. Schon nach ein paar Mo­na­ten trat Strenz als Ge­schäfts­füh­re­rin zu­rück und über­schrieb ih­re An­tei­le ih­rem Ehe­mann. Der Zweck der Fir­ma oder der Über­ga­be an den Ehe­mann? Strenz schweigt ei­sern.

In Wis­mar nimmt man der­zeit die Wahl­kam­pa­gne von

Ka­rin Strenz auf die Schip­pe

Auch ihr Frak­ti­ons­kol­le­ge Axel Fi­scher schweigt zum Ein­fluss Aser­bai­dschans auf die deut­sche De­le­ga­ti­on im Eu­ro­pa­rat. Der CDU-Ab­ge­ord­ne­te war bis zu sei­nem Rück­tritt vor et­wa zwei Wo­chen De­le­ga­ti­ons­lei­ter und Vor­sit­zen­der der EVP-Frak­ti­on im Eu­ro­pa­rat. Kri­ti­ker wer­fen ihm seit lan­gem vor, die Auf­klä­rung der Kor­rup­ti­ons­vor­wür­fe im Eu­ro­pa­rat zu brem­sen. Die Uni­ons­frak­ti­on rückt nun vor­sich­tig von ih­ren Pro­ble­m­ab­ge­ord­ne­ten Fi­scher und Strenz ab. Mit­te Ok­to­ber hat­te die Frak­ti­ons­füh­rung noch mit­ge­teilt, dass Axel Fi­scher ih­re Rü­cken­de­ckung ge­nie­ße. Aus der Frak­ti­ons­spit­ze hieß es am Sonn­tag, man er­war­te, dass Fi­scher und Strenz nicht mehr für die Eu­ro­pa­rats­de­le­ga­ti­on kan­di­die­ren und sich „neue Be­tä­ti­gungs­fel­der su­chen“.

In Wis­mar, wo Ka­rin Strenz ih­ren Wahl­kreis trotz der Vor­wür­fe di­rekt ge­won­nen hat, nimmt man un­ter­des­sen ih­re Wahl­kam­pa­gne auf die Schip­pe. „Wir sind die Fans von Ka­rin Strenz“war der Slo­gan, mit dem Un­ter­stüt­zer ih­re Sym­pa­thie für die Ab­ge­ord­ne­te auf Face­book zei­gen soll­ten. In Wis­mar kur­sie­ren nun Post­kar­ten mit die­sem Slo­gan – und ei­nem Bild des aser­bai­dscha­ni­schen Au­to­kra­ten Il­ham Ali­jew.

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