Der stil­le Fleiß des Ro­bert Mu­el­ler

Nach sechs Mo­na­ten Vor­be­rei­tung legt der US-Son­der­er­mitt­ler die ers­te An­kla­ge in Trumps Russ­land-Af­fä­re vor. Die ent­schei­den­de Fra­ge für den Prä­si­den­ten lau­tet nun: Ge­gen wen rich­tet sie sich?

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Von hu­bert wet­zel

Washington – Die Er­mitt­lun­gen der USJus­tiz zu mög­li­chen il­le­ga­len Ver­bin­dun­gen zwi­schen dem Wahl­kampf­team von Do­nald Trump und Russ­land ha­ben of­fen­bar ge­nü­gend straf­recht­lich re­le­van­tes Ma­te­ri­al er­bracht, dass es zu Ge­richts­ver­fah­ren kom­men wird. Wie der Fern­seh­sen­der CNN am Frei­tag­abend mel­de­te, hat Son­der­er­mitt­ler Ro­bert Mu­el­ler nach sechs Mo­na­ten flei­ßi­ger, aber völ­lig laut­lo­ser Ar­beit min­des­tens ei­ne ers­te An­kla­ge­schrift fer­tig­ge­stellt. Es wür­den Vor­be­rei­tun­gen ge­trof­fen, den oder die Be­schul­dig­ten mög­li­cher­wei­se schon an die­sem Mon­tag in Ge­wahr­sam zu neh­men, so CNN.

Ge­gen wen Mu­el­ler An­kla­ge er­hebt und was er der Per­son oder den Per­so­nen im Ein­zel­nen vor­wirft, ist noch un­be­kannt. Die An­kla­ge­schrif­ten wur­den auf An­ord­nung ei­nes Rich­ters zu­nächst un­ter Ver­schluss ge­hal­ten, was nicht un­üb­lich ist. In­so­fern ist es schwie­rig, die po­li­ti­schen Fol­gen ab­zu­schät­zen. Sie hän­gen ganz we­sent­lich da­von ab, wen Mu­el­ler aus wel­chem Grund vor Ge­richt stel­len will.

Soll­te Mu­el­ler zum Bei­spiel – wie im­mer wie­der spe­ku­liert wur­de – ei­nen en­gen Trump-Mit­ar­bei­ter wie den frü­he­ren Wahl­kampf­ma­na­ger Paul Ma­n­a­fort oder den ehe­ma­li­gen Si­cher­heits­be­ra­ter Micha­el Flynn an­kla­gen und ih­nen tat­säch­lich ver­bo­te­ne Ab­spra­chen mit Mos­kau vor­wer­fen, prak­tisch al­so Lan­des­ver­rat, dann hät­te der Prä­si­dent ein hand­fes­tes Pro­blem. Wenn Mu­el­lers An­kla­gen hin­ge­gen nur drittran­gi­ge Trump-Be­ra­ter tref­fen oder die Straf­tat – wie oft in sol­chen Fäl­len – in ers­ter Li­nie da­rin be­steht, dass ein Ver­däch­ti­ger ge­gen­über den Er­mitt­lern zu ir­gend­ei­nem Zeit­punkt ein­mal falsch aus­ge­sagt hat, dürf­te der po­li­ti­sche Scha­den für den Prä­si­den­ten über­schau­bar blei­ben.

Für Trump könn­te es bald schwie­ri­ger wer­den, die Af­fä­re als „He­xen­jagd“ab­zu­tun

Al­ler­dings zeigt die CNN-Mel­dung, dass die Stra­te­gie des Wei­ßen Hau­ses, Mu­el­lers Er­mitt­lun­gen als rei­ne Zeit- und Geld­ver­schwen­dung ab­zu­tun, pro­ble­ma­tisch ist. So­lan­ge der frü­he­re FBI-Chef still vor sich hin er­mit­tel­te, war je­de De­bat­te über Sinn und Zweck sei­ner Ar­beit ei­ne po­li­ti­sche – Trump und sei­ne Ver­bün­de­ten konn­ten dar­über sa­gen, was sie woll­ten. Künf­tig wird es um ju­ris­ti­sche Din­ge ge­hen, um do­ku­men­tier­te, über­prüf­te, be- oder wi­der­leg­te Aus­sa­gen et­wa; vi­el­leicht auch um Geld­flüs­se an Per­so­nen wie Ma­n­a­fort oder Flynn, die bei­de als Lob­by­is­ten für aus­län­di­sche Re­gie­run­gen ge­ar­bei­tet ha­ben. Wenn der­ar­ti­ge Be­wei­se oder In­di­zi­en ei­ne neue Fak­ten­ba­sis schaf­fen, wird es schwie­ri­ger für Trump, im­mer nur von ei­ner po­li­ti­schen „He­xen­jagd“zu re­den.

Mu­el­ler wur­de im Mai als Son­der­er­mitt­ler ein­ge­setzt. Er soll­te un­ter­su­chen, ob es wäh­rend des Wahl­kampfs im ver­gan­ge­nen Jahr il­le­ga­le Ab­spra­chen – ei­ne so­ge­nann­te Kol­lu­si­on – zwi­schen Trumps Team und der rus­si­schen Re­gie­rung gab, um dem Re­pu­bli­ka­ner zum Sieg zu ver­hel­fen. Zu­dem soll er der Fra­ge nach­ge­hen, ob Trump durch den Raus­wurf des ehe­ma­li­gen FBIDi­rek­tors Ja­mes Co­mey die Jus­tiz be­hin­dert hat. Das FBI hat­te eben­falls we­gen Trumps Russ­land-Kon­tak­ten er­mit­telt, und Trump hat­te in In­ter­views ein­ge­räumt, dass das ein Grund für Co­meys Ent­las­sung ge­we­sen sei.

Dass der rus­si­sche Ge­heim­dienst im Wahl­kampf ei­ne Sa­bo­ta­ge­ak­ti­on ge­gen Trumps Geg­ne­rin Hil­la­ry Cl­in­ton durch­ge­führt hat, steht kaum in Zwei­fel. Auch gibt es al­ler­lei Hin­wei­se, dass zu­min­dest das Ver­hält­nis ein­zel­ner Trump-Mit­ar­bei­ter zu Ver­tre­tern des rus­si­schen Macht­ap­pa­rats ver­däch­tig eng ge­we­sen ist. Ob es aber ei­ne straf­recht­lich re­le­van­te Zu­sam­men­ar­beit ge­ge­ben hat, ist bis­her un­klar.

Trump und die Re­pu­bli­ka­ner be­strei­ten das ve­he­ment. Sie hat­ten bis Frei­tag so­gar ge­hofft, den Spieß um­dre­hen und Cl­in­ton und die De­mo­kra­ten der Zu­sam­men­ar­beit mit Russ­land be­zich­ti­gen zu kön­nen. Die gan­ze ver­gan­ge­ne Wo­che über ver­bis­sen sich kon­ser­va­ti­ve Me­di­en in zwei Ge­schich­ten, die Cl­in­tons Kol­lu­si­on mit Russ­land be­le­gen soll­ten.

Da­bei ging es zum ei­nen um die so­ge­nann­te Ura­ni­um-One-Ver­schwö­rung. Die Re­pu­bli­ka­ner wer­fen der frü­he­ren Au­ßen­mi­nis­te­rin Cl­in­ton vor, 2010 den Ver­kauf von Uran-Ab­bau­rech­ten in den USA an ei­ne rus­si­sche Staats­fir­ma ge­neh­migt zu ha­ben, als Ge­gen­leis­tung für Spen­den an die Fa­mi­li­en­stif­tung der Cl­in­tons. Al­ler­dings hät­te Cl­in­ton den Ver­kauf gar nicht ver­hin­dern kön­nen, al­le be­tei­lig­ten US-Be­hör­den stimm­ten der Trans­ak­ti­on zu.

Zum an­de­ren wei­sen die Re­pu­bli­ka­ner em­pört dar­auf hin, dass je­nes be­rüch­tig­te Dos­sier, das kurz nach Trumps Wahl­sieg auf­tauch­te und in dem es hieß, der Prä­si­dent sei we­gen Sex­par­tys in Mos­kau er­press­bar, von der De­mo­kra­ti­schen Par­tei und Cl­in­tons Wahl­kampf­team be­zahlt wor­den sei. Das stimmt, und Cl­in­tons Leu­te ha­ben die Me­di­en in die­sem Punkt ganz of­fen­sicht­lich be­lo­gen. Al­ler­dings wur­de der Pri­va­ter­mitt­ler, der das Dos­sier zu­sam­men­ge­stellt hat, zu­erst von ei­nem rei­chen Re­pu­bli­ka­ner an­ge­heu­ert, der Trump als Kan­di­da­ten ver­hin­dern woll­te.

Von die­sem Mon­tag an dürf­te das In­ter­es­se an die­sen Ge­schich­ten ra­pi­de nach­las­sen. Dann schaut Washington auf den bis­her so stil­len Ro­bert Mu­el­ler.

FO­TO: EVAN VUCCI/AP

Hat Russ­land ver­sucht, dem Kan­di­da­ten Trump zum Sieg zu ver­hel­fen? Im Ju­li, als Prä­si­dent, traf er Pu­tin in Ham­burg erst­mals per­sön­lich.

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