Iraks Kur­den­prä­si­dent gibt die Macht ab

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK -

Kai­ro – Der Prä­si­dent der Kur­di­schen Au­to­no­mie­re­gi­on im Irak, Mas­sud Bar­za­ni, hat sei­nen Rück­zug aus dem Amt an­ge­kün­digt. In ei­nem Brief an das Par­la­ment, der am Sonn­tag­abend vor den Ab­ge­ord­ne­ten ver­le­sen wur­de, teil­te er mit, dass er ei­ne Ver­län­ge­rung sei­ner Amts­zeit nach dem 1. No­vem­ber ab­leh­ne. Zu die­sem Ter­min wa­ren Prä­si­den­ten- und Par­la­ments­wah­len an­ge­setzt, die das Par­la­ment aber we­gen der jüngs­ten Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit der Zen­tral­re­gie­rung um acht Mo­na­te ver­scho­ben hat. Trup­pen un­ter Kon­trol­le des ira­ki­schen Pre­miers Hai­dar al-Aba­di und von Iran un­ter­stütz­te Schii­ten­mi­li­zen ha­ben mit ein­zel­nen Ge­fech­ten wie­der fast al­le Ge­bie­te un­ter ih­re Kon­trol­le ge­bracht, in die im Som­mer 2014 die Pe­schmer­ga ein­ge­rückt wa­ren. Da­mals floh die ira­ki­sche Ar­mee vor der an­rü­cken­den Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS).

Mit dem Vor­marsch re­agier­te Bag­dad auf das um­strit­te­ne Un­ab­hän­gig­keits­re­fe­ren­dum am 25. Sep­tem­ber, des­sen trei­ben­de Kraft Bar­za­ni war. Streit un­ter den Kur­den führ­te da­zu, dass die Pe­schmer­ga erst aus der um­strit­te­nen Öl­stadt Kir­kuk ab­zo­gen und dann aus den rest­li­chen Ge­bie­ten. Am Wo­che­n­en­de galt ei­ne Feu­er­pau­se zwi­schen Bag­dad und Er­bil, ira­ki­sche Ein­hei­ten wol­len aber not­falls mit Ge­walt die Kon­trol­le über die Grenz­über­gän­ge zwi­schen den Kur­den­ge­bie­ten und der Tür­kei so­wie ein wich­ti­ges Öl­ter­mi­nal über­neh­men.

Bar­za­ni schlug vor, sei­ne Kom­pe­ten­zen soll­ten zwi­schen dem Par­la­ment, der Re­gie­rung un­ter sei­nem Nef­fen, Mi­nis­ter­prä­si­dent Ne­chir­van Bar­za­ni, und der Jus­tiz auf­ge­teilt wer­den. Sein engs­ter Be­ra­ter teil­te aber mit, der 71-jäh­ri­ge Bar­za­ni wer­de in der kur­di­schen Po­li­tik ak­tiv blei­ben und dem Ho­hen Po­li­ti­schen Rat an­ge­hö­ren. Das ist ein neu ge­schaf­fe­nes Füh­rungs­gre­mi­um, das die Wahl­kom­mis­si­on ab­lö­sen und für al­le Be­lan­ge im Zu­sam­men­hang mit der an­ge­streb­ten Un­ab­hän­gig­keit zu­stän­dig sein soll, dar­un­ter Ver­hand­lun­gen mit der Zen­tral­re­gie­rung und an­de­ren Staa­ten. Un­klar blieb bis zum Abend, wie das Pa­ra­ment re­agie­ren wür­de und so­mit auch, wie die künf­ti­ge Macht­ver­tei­lung in Kur­dis­tan aus­se­hen wird.

Kön­nen Sie ver­ste­hen, wenn die Men­schen in Sy­ri­en Ih­re heh­ren Ver­spre­chun­gen von Ge­rech­tig­keit all­mäh­lich für ei­nen zy­ni­schen Witz hal­ten?

Für mich ist das ein An­trieb, die po­li­ti­schen Ver­hält­nis­se zu ver­än­dern. Der Straf­ge­richts­hof muss end­lich glo­ba­le Gel­tung er­hal­ten, auch in Sy­ri­en. So­dass er nicht mehr auf das Gut­dün­ken des UN-Si­cher­heits­rats in ei­nem Ein­zel­fall an­ge­wie­sen ist, son­dern auf ei­ge­ne Initia­ti­ve übe­r­all er­mit­teln kann. 124 Staa­ten sind dem Ge­richt bis­lang bei­ge­tre­ten. Ich wer­be da­für, dass wei­te­re dies tun, in al­len Welt­re­gio­nen, auch dem Na­hen Os­ten.

Da­bei scheint der Trend eher in die Ge­gen­rich­tung zu ge­hen. Drei afri­ka­ni­sche Staa­ten kün­dig­ten zu­letzt an, sich vom Ge­richt

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