Or­gel­bau

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG -

Dass Deutsch­land mit 50 000 Ex­em­pla­ren welt­weit die größ­te Or­gel­dich­te auf­weist, ist nicht der Haupt­grund, wes­halb am Don­ners­tag Or­gel­bau und -mu­sik zum Unesco-Kul­tur­er­be er­klärt wor­den sind. Aber es deu­tet auf Drei­er­lei hin: gro­ße Mu­sik­tra­di­ti­on, christ­li­che Kul­tur­prä­gung, kunst­fer­ti­ge Tech­no­lo­gie. Letz­te­re er­mög­licht das Un­mög­li­che: auf Hun­der­ten Blas­in­stru­men­ten gleich­zei­tig zu spie­len. Denn je­de Or­gel­pfei­fe ist ein ei­ge­nes In­stru­ment, das von ei­ner zen­tra­len Qu­el­le mit Druck­luft ver­sorgt und durch me­cha­ni­sche oder elek­tro­ni­sche Im­pul­se ge­steu­ert wird. Die Or­gel der Elb­phil­har­mo­nie hat 4812 Pfei­fen, die im Pas­sau­er Dom 17 974, die der­zeit größ­te in der At­lan­tic Ci­ty Con­ven­ti­on Hall so­gar 33 114. Je nach Ma­te­ri­al – Zinn­le­gie­rung, Kup­fer, Zink, Ei­che, Fich­te – klin­gen sie un­ter­schied­lich und sind in Re­gis­ter­grup­pen zu­sam­men­ge­fasst. Um­fang und Län­ge – von zehn Mil­li­me­tern bis zehn Me­ter und mehr – be­stim­men die Ton­hö­he. Die als Hand­werk fir­mie­ren­de Or­gel­bau­kunst ver­langt gro­ße Fä­hig­kei­ten und enor­mes Wis­sen. Seit der An­ti­ke wur­de sie ste­tig wei­ter­ent­wi­ckelt. Der mo­der­ne Or­gel­bau be­ginnt im Ba­rock. Der Kom­po­nist und Or­gel­vir­tuo­se Jo­hann Se­bas­ti­an Bach war auch ein ge­frag­ter Gut­ach­ter, der sei­nen Lieb­ling­s­or­gel­bau­er Gott­fried Sil­ber­mann zu größ­ten An­stren­gun­gen trieb und um­ge­kehrt von des­sen In­stru­men­ten zu gro­ßen Kom­po­si­tio­nen in­spi­riert wur­de.

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