Avan­cen an At­hen

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG - Von lui­sa see­ling

An­ka­ra und At­hen ste­hen ein­an­der in tie­fem Miss­trau­en ge­gen­über und be­fin­den sich stets an der Schwel­le zum Krieg: So war es vie­le Jah­re lang, so ist es aber längst nicht mehr. Das Ver­hält­nis zwi­schen den ver­meint­li­chen Erb­fein­den ist viel­schich­ti­ger ge­wor­den. Das zeigt auch Re­cep Tay­yip Er­doğans Be­such in Grie­chen­land, der ein his­to­ri­scher ist, weil es der ers­te ei­nes tür­ki­schen Staats­ober­haupts seit 65 Jah­ren ist.

Der Prä­si­dent hat­te ei­ni­ge Pro­vo­ka­tio­nen im Ge­päck (Grenz­ver­lauf über­prü­fen – kein The­ma, das bei den Grie­chen be­son­ders gut an­kommt), aber auch ei­ne ver­söhn­li­che Bot­schaft: Ja, es gibt Dif­fe­ren­zen, aber die wol­len wir nicht es­ka­lie­ren. Vor al­lem aber ließ er so et­was wie ei­ne Ent­schul­di­gung für his­to­ri­sches Un­recht an­klin­gen – ein ech­tes Zu­ge­ständ­nis und ein Zei­chen, dass er an gu­ten oder we­nigs­tens sta­bi­len Be­zie­hun­gen mit den grie­chi­schen Nach­barn sehr in­ter­es­siert ist.

Al­so ver­sucht sich Er­doğan an ei­nem Ba­lan­ce­akt. Ei­ner­seits muss er Stär­ke zei­gen, um die Na­tio­na­lis­ten in der Hei­mat zu be­frie­di­gen. Zugleich reicht er Al­exis Tsi­pras, dem grie­chi­schen Pre­mier, in ei­ni­gen be­son­ders heik­len Punk­ten die Hand. An­ka­ra hat sich zu­letzt mit et­li­chen tra­di­tio­nell en­gen Part­nern zer­strit­ten – dar­un­ter die USA, Deutsch­land, Is­ra­el. Da kann es nicht scha­den, Kon­flik­te mit dem nächs­ten Nach­barn ab­zu­bau­en – und auf die­se Art ei­nen di­plo­ma­ti­schen Ka­nal in die EU of­fen zu hal­ten.

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