Kla­gen fürs Prin­zip

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG - Von flo­ri­an has­sel

Die Kla­ge der EU-Kom­mis­si­on in der Flücht­lings­po­li­tik ge­gen Po­len, Tsche­chi­en und Un­garn war über­fäl­lig. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof soll­te emp­find­li­che Buß­gel­der ge­gen die Re­gie­run­gen in Bu­da­pest, War­schau und Prag ver­hän­gen, weil die sich ge­wei­gert hat­ten, Flücht­lin­ge auf­zu­neh­men. Das ist, im Wort­sinn, ei­ne Prin­zi­pi­en­sa­che.

Dass Po­len, Tsche­chi­en und Un­garn noch ein­len­ken, ist un­wahr­schein­lich. Ih­re po­pu­lis­ti­schen Re­gie­run­gen ha­ben die Flücht­lings­po­li­tik und den Aus­schluss von Frem­den zur Grund­la­ge ih­res Da­seins ge­macht. Sie wer­den – zu­nächst je­den­falls – lie­ber zah­len, als auch nur ei­nen Flücht­ling auf­zu­neh­men. Dies gilt für Un­garn, es gilt für die kom­men­de Re­gie­rung Tsche­chi­ens un­ter And­rej Ba­bis, es gilt erst recht für Po­len, des­sen Re­gie­rung vol­len Kon­fron­ta­ti­ons­kurs ge­gen­über der EU steu­ert.

Der Auf­schrei in den drei Län­dern wird ge­wal­tig sein – be­ir­ren las­sen soll­ten sich die Rich­ter da­von nicht. Es kann nicht sein, dass Tsche­chen, Un­garn und Po­len zwar je­des Jahr Mil­li­ar­den aus Brüs­sel ent­ge­gen­neh­men, aber nicht be­reit sind, die aus der EU-Mit­glied­schaft ent­ste­hen­den Ver­pflich­tun­gen zu er­fül­len. Es wä­re noch bes­ser, wenn die EU-Kom­mis­si­on auch an an­de­rer Stel­le – et­wa we­gen Po­lens De­mon­ta­ge des Rechts­staats – Ta­ten fol­gen lie­ße. Län­der, die von der EU pro­fi­tie­ren, aber die ge­mein­sa­men Prin­zi­pi­en auf­ge­ben, müs­sen ei­nen Preis zah­len.

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