Rei­se-Boom in Ge­fahr

Ei­ne drit­te In­ti­fa­da könn­te vie­le Is­ra­el-Tou­ris­ten ab­schre­cken

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Ihe, mai

Mün­chen – Is­ra­el ist schon im­mer ein kom­pli­zier­tes Ur­laubs­ziel. Und trotz­dem hat das Land 2017 ei­nen Be­su­cher­an­sturm er­lebt wie nie zu­vor. Zu­mal vie­le Men­schen es ver­mie­den, in kul­tu­rell ver­gleich­bar in­ter­es­san­te Län­der wie Ägyp­ten oder die Tür­kei zu rei­sen. Schon in der ers­ten Jah­res­hälf­te lag die Zahl der Be­su­cher nach An­ga­ben des is­rae­li­schen Tou­ris­mus­mi­nis­te­ri­ums mit zwei Mil­lio­nen um 24 Pro­zent über dem Vor­jah­res­wert. Bei deut­schen Ur­lau­bern ist das Land ge­ra­de be­son­ders ge­fragt. Fast ein Drit­tel mehr Deut­sche ka­men im ers­ten Halb­jahr, näm­lich 117 200.

Auch für 2018 wa­ren die An­bie­ter bis­her op­ti­mis­tisch. Doch nun könn­te die Dro­hung ei­ner drit­ten In­ti­fa­da den Boom be­en­den. Hei­kel ist der Zeit­punkt der Kri­se. Denn auch wenn die ei­gent­li­che Sai­son in Is­ra­el im Früh­jahr und im Herbst liegt, zieht es zu Weih­nach­ten be­son­ders vie­le Rei­sen­de an re­li­giö­se Pil­ger­stät­ten wie Je­ru­sa­lem und Beth­le­hem. Spe­zi­al­ver­an­stal­ter pla­nen ge­ra­de über die Fei­er­ta­ge Grup­pen­rei­sen.

Das Aus­wär­ti­ge Amt (AA) weist in sei­nen ak­tu­el­len Si­cher­heits­hin­wei­sen auf die Ge­fahr von Aus­schrei­tun­gen in Je­ru­sa­lem, dem West­jor­dan­land und dem Ga­za­strei­fen hin. Dort kön­ne es nun zu De­mons­tra­tio­nen kom­men, „ge­walt­tä­ti­ge Aus­ein­an­der­set­zun­gen kön­nen nicht aus­ge­schlos­sen wer­den“. Bis­her ge­be es zwar kei­ne Hin­wei­se dar­auf, dass Aus­län­der ge­zielt an­ge­grif­fen wer­den. Den­noch sei er­höh­te Vor­sicht ge­bo­ten. In Be­zug auf Je­ru­sa­lem rät das AA, den Tem­pel­berg an Fei­er­ta­gen und frei­tags bes­ser zu mei­den. Au­ßer­dem sei be­son­ders in der Alt­stadt je­der­zeit mit Un­ru­hen zu rech­nen. Rei­sen­de sind da­zu auf­ge­ru­fen, sich über die lo­ka­len Me­di­en zu in­for­mie­ren und die be­trof­fe­nen Ge­bie­te zu mei­den. Die höchs­te Es­ka­la­ti­ons­stu­fe wä­re ei­ne Rei­se­war­nung. Erst wenn das AA in die­ser Form aus­drück­lich warnt, ho­len Rei­se­ver­an­stal­ter ih­re Gäs­te auf je­den Fall zu­rück und ge­buch­te Rei­sen dür­fen ge­büh­ren­frei stor­niert wer­den. Ei­ne ge­ne­rel­le Rei­se­war­nung für Is­ra­el und die pa­läs­ti­nen­si­schen Ge­bie­te gibt es von den deut­schen Be­hör­den je­doch wei­ter nicht, le­dig­lich die be­kann­te Teil­rei­se­war­nung für den Ga­za­strei­fen.

Es gibt noch kei­ne An­fra­gen von Rei­sen­den, die ih­ren Ur­laub in Is­ra­el ab­sa­gen möch­ten

„Wir war­ten ab und be­ob­ach­ten sehr ge­nau, wie sich die ak­tu­el­le Si­cher­heits­la­ge ent­wi­ckelt“, sagt Fra­no Ilic, Pres­se­spre­cher von Stu­dio­sus. Ähn­lich äu­ßert sich An­ge­la Bür­ve­nich vom Baye­ri­schen Pil­ger­bü­ro. Man ha­be lang­jäh­ri­ge Rou­ti­ne mit dem schwie­ri­gen Ziel Is­ra­el – und da­bei die Er­fah­rung ge­macht, „dass Wel­len oft­mals sehr hoch schla­gen“, man dann aber doch pro­blem­los durchs Land rei­sen kön­ne. „Wir ver­fal­len jetzt nicht in Pa­nik.“Hen­ri­et­te Pan­sold vom staat­li­chen is­rae­li­schen Ver­kehrs­bü­ro in Ber­lin sagt, es ge­be noch kei­ne An­fra­gen von Rei­sen­den, die ih­ren be­vor­ste­hen­den Ur­laub in Is­ra­el ab­sa­gen möch­ten. „Wer ei­ne Rei­se nach Is­ra­el bucht, weiß, dass das Land im­mer mal wie­der im Fo­kus po­li­ti­scher Kon­flik­te steht“, sagt auch Tui-Spre­che­rin An­ja Braun: Die Re­ak­ti­on der Kun­den sei ent­spre­chend ge­las­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.