Der ach­te Flug

27 Män­ner wer­den nach Af­gha­nis­tan zu­rück­ge­bracht, un­ter ih­nen zwei Ge­fähr­der

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Kna, sz

Ber­lin – Das Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­um hat neue Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan ver­tei­digt. Es be­ste­he Ei­nig­keit in­ner­halb der Bun­des­re­gie­rung, dass Straf­tä­ter, Ge­fähr­der und Per­so­nen, die sich hart­nä­ckig ei­ner Iden­ti­täts­fest­stel­lung ver­wei­gern, un­ter Be­rück­sich­ti­gung des Ein­zel­falls ab­ge­scho­ben wer­den könn­ten, sag­te ei­ne Spre­che­rin am Don­ners­tag. Da­bei han­de­le es sich um Aus­rei­se­pflich­ti­ge, al­so „Per­so­nen, de­nen nach Ab­schluss ei­nes rechts­staat­li­chen Ver­fah­rens un­ter Be­ach­tung al­ler Aspek­te des Ein­zel­falls un­ter kei­nem Ge­sichts­punkt ein Auf­ent­halts­recht zu­steht“.

Auf die­ser Grund­la­ge sei­en am Don­ners­tag­mor­gen 27 Män­ner nach Af­gha­nis­tan zu­rück­ge­führt wor­den. Bei den ge­nann­ten Per­so­nen han­de­le es sich „aus­nahms­los um Straf­tä­ter (17 Per­so­nen), Ge­fähr­der (zwei Per­so­nen) so­wie Per­so­nen, die hart­nä­ckig ei­ne Mit­wir­kung an der Iden­ti­täts­fest­stel­lung ver­wei­gern (8 Per­so­nen)“. Bei den Straf­ta­ten han­de­le es sich un­ter an­de­rem um Tot­schlag, Ver­ge­wal­ti­gung, Kör­per­ver­let­zung, se­xu­el­le Nö­ti­gung, Dieb­stahl und Ur­kun­den­fäl­schung. Es han­del­te sich dem den ach­ten Ab­schie­be­flug von Deutsch­land nach Af­gha­nis­tan seit De­zem­ber 2016. Die Rück­füh­rung wur­de nach An­ga­ben des In­nen­mi­nis­te­ri­ums von 73 Be­am­ten der Bun­des­po­li­zei, ei­nem Arzt, ei­nem Sa­ni­tä­ter, ei­nem Dol­met­scher und ei­nem Fron­tex-Mit­ar­bei­ter be­glei­tet.

Ab­schie­bun­gen nach Af­gha­nis­tan sind um­strit­ten, weil es lan­des­weit Ge­fech­te und An­schlä­ge der ra­di­kal-is­la­mi­schen Ta­li­ban und der Ter­ror­mi­liz Is­la­mi­scher Staat (IS) gibt. Die Bun­des­re­gie­rung hat­te mit der af­gha­ni­schen Re­gie­rung im Ok­to­ber ver­gan­ge­nen Jah­res ver­ein­bart, dass ab­ge­lehn­te Asyl­be­wer­ber wie­der in das Land ab­ge­scho­ben wer­den kön­nen. Ei­ne ers­te Sam­mel­ab­schie­bung hat­te es vor ei­nem Jahr ge­ge­ben. Nach ei­ner Ver­schlech­te­rung der Si­cher­heits­la­ge und ei­nem An­schlag auf die deut­sche Bot­schaft in Ka­bul im ver­gan­ge­nen Mai ver­ein­bar­ten Bund und Län­der, dass bis auf Wei­te­res nur Straf­tä­ter, Ge­fähr­der und Men­schen, die die Fest­stel­lung ih­rer Iden­ti­tät hart­nä­ckig ver­wei­gern, ab­ge­scho­ben wer­den sol­len. Laut Am­nes­ty In­ter­na­tio­nal sind seit Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res 132 Af­gha­nen in ih­re Hei­mat zu­rück­ge­bracht wor­den.

Im zu En­de ge­hen­den Jahr sind bis­lang 172 737 Asyl­su­chen­de in die Bun­des­re­pu­blik ge­kom­men. Das geht aus den ak­tu­el­len Zah­len des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums her­vor. Wenn der Trend wei­ter­geht, dürf­te die Zahl al­so un­ter der von der Uni­on avi­sier­ten Mar­ke von 200 000 Schutz­su­chen­den pro Jahr lie­gen. Wo­bei im Spät­herbst wie­der et­was mehr Flücht­lin­ge ein­ge­reist sind. Im No­vem­ber wur­den den An­ga­ben nach 16 135 Asyl­su­chen­de re­gis­triert, die vor al­lem aus Sy­ri­en, dem Irak und Af­gha­nis­tan stamm­ten. Das wa­ren et­wa 1500 mehr als im Sep­tem­ber und 1000 mehr als im Ok­to­ber. Von Ja­nu­ar bis No­vem­ber ha­ben al­ler­dings be­reits ins­ge­samt 207 157 Per­so­nen in Deutsch­land Asyl be­an­tragt, eben­falls vor­ran­gig aus Sy­ri­en, dem Irak und Af­gha­nis­tan.

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