Ge­sund­heit geht vor

KfW-Chef Schröder kämpft mit dem Krebs. Nun tritt er zu­rück

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WIRTSCHAFT - Heinz-ro­ger dohms

Der 2. Mai 2016 war ei­gent­lich nur der Tag der Bi­lanz-PK der staat­li­chen För­der­bank KfW. Ein Rou­ti­ne­ter­min. Trotz­dem drän­gel­ten sich die Jour­na­lis­ten. Denn es war auch der Tag, an dem KfW-Chef Ul­rich Schröder in die Öf­fent­lich­keit zu­rück­kehr­te. Die meis­ten sei­ner Haa­re hat­te er ver­lo­ren. Und ein paar Ki­lo­gramm ganz of­fen­sicht­lich auch. „Ent­schul­di­gen Sie, ich se­he ein biss­chen an­ders aus“, wit­zel­te Schröder. Der Hu­mor war noch da. Und die Tat­kraft schein­bar auch. Et­wa an­dert­halb Jah­re spä­ter legt Ul­rich Schröder sein Amt nun doch nie­der. Aus ge­sund­heit­li­chen Grün­den.

Ul­rich Schröder, 65, ist ja nicht nur je­ner Ma­na­ger, der En­de 2015 ei­ne Krebs­er­kran­kung öf­fent­lich mach­te. Son­dern: Er ist, oder ehr­li­cher­wei­se war, fast zehn Jah­re lang ei­ner der ein­fluss­reichs­ten Ban­ker die­ser Re­pu­blik.

Über gro­ße Kar­rie­ren ent­schei­den manch­mal klei­ne Wen­dun­gen. Als 2007 die Fi­nanz­kri­se auf­zog, am­tier­te Schröder als Vor­stands­chef der NRW-Bank, dem nord­rhein-west­fä­li­sches Pen­dant zur KfW. Das war bei­lei­be kei­ne schlech­te Po­si­ti­on. Doch ins­ge­heim schiel­te Schröder wo­mög­lich auf ei­nen an­de­ren Job, woll­te wohl Chef der deut­lich schil­lern­de­ren West-LB wer­den. An­fang 2008 wä­re es fast so weit ge­we­sen. Schröder kam dann aber doch nicht zum Zu­ge. Was ein Glück für ihn war. Denn die West-LB ging bald dar­auf un­ter. Da­für rief ein paar Mo­na­te spä­ter die KfW. Und das war ein Glück für bei­de – für die Bank wie für den Ma­na­ger.

Da­bei hät­te der Start kaum schlech­ter ver­lau­fen kön­nen. Schröder war noch kei­ne zwei Wo­chen im Amt, als Leh­man plei­te­ging – und die KfW an dem be­tref­fen­den Wo­che­n­en­de noch schnell ei­ne Mil­lio­nen­über­wei­sung an das US-In­sti­tut tä­tig­te. „Deutsch­lands dümms­te Bank“ti­tel­te die Bild. Dass Schröder sei­nen Job nicht ver­lor, lag in ers­ter Li­nie dar­an, dass er ihn ge­ra­de erst an­ge­tre­ten hat­te. Und wohl auch dar­an, dass der Öf­fent­lich­keit ver­bor­gen ge­blie­ben war, dass er an je­nem Wo­che­n­en­de trotz der an­ge­spann­ten La­ge zu ei­nem pri­va­ten Kurz­trip nach Pa­ris auf­ge­bro­chen war.

In­des: Nach dem Fehl­start mach­te Schröder aus der ver­schla­fe­nen KfW bin­nen kür­zes­ter Zeit ei­ne an­de­re Bank. Die gro­ßen Ge­schäfts­ban­ken zo­gen sich we­gen der Kri­se aus den lang­fris­ti­gen Fi­nan­zie­run­gen zu­rück? Die KfW-För­der­bank sprang ein. Die Po­li­tik brauch­te Mil­li­ar­den­kre­di­te im Rah­men ei­nes Kon­junk­tur­pro­gramms? Die KfW war zur Stel­le. Die Kon­kur­renz re­du­zier­te aus re­gu­la­to­ri­schen Grün­den ih­re Ri­si­ken? Die Bi­lanz­sum­me der KfW wuchs und wuchs. Und ganz ne­ben­bei: Ob­wohl das gar nicht ihr Auf­trag ist, mach­te die KfW plötz­lich ex­trem ho­he Ge­win­ne.

Schrö­ders größ­te Leis­tung in­des ist es wohl, dass er in den ganz fet­ten Jah­ren um 2012 her­um nicht der Ver­su­chung er­lag, die Din­ge zu über­rei­zen. Mit der Po­li­tik such­te er – der als ehe­ma­li­ger Vor­sit­zen­der des Rings Christ­lich-De­mo­kra­ti­scher Stu­den­ten der CDU bes­tens ver­netzt ist – zwar den Dop­pel­pass. Ver­ein­nah­men ließ es sich und sei­ne Bank aber nie. Und: Auch wenn Schröder den För­der­auf­trag der KfW sehr weit aus­leg­te, ver­stand er es doch, sich aus be­stimm­ten Ge­schäf­ten bei­zei­ten wie­der zu­rück­zu­zie­hen. Seit dem Jahr 2012 wächst die Bi­lanz­sum­me der KfW je­den­falls nicht mehr.

Und die Krank­heit? Be­kannt ist, dass Schröder ei­ne schwe­re Che­mo­the­ra­pie über sich er­ge­hen las­sen muss­te. Zwar ar­bei­te­te er par­al­lel wei­ter. Zu­letzt al­ler­dings sol­len sich die Ab­we­sen­heits­ta­ge ge­häuft ha­ben, weil sich Schröder nun doch stär­ker auf die Re­ha kon­zen­trie­ren woll­te. Viel­leicht gilt für sei­nen Kör­per, was auch für sei­ne Bank gilt: Man soll­te die Din­ge nicht über­rei­zen.

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