Nie­der­la­ge für die Al­di-Er­ben

Der Fa­mi­li­en­streit beim Dis­coun­ter Al­di Nord en­det vor­erst mit ei­nem Ur­teil zu­guns­ten des Ma­nage­ments

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WIRTSCHAFT - Micha­el kläs­gen

Mün­chen – Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt (OVG) in Schles­wig hat am Don­ners­tag ent­schie­den, dass es rech­tens war, den Ein­fluss der Fa­mi­li­ener­ben beim Dis­coun­ter Al­di Nord ein­zu­schrän­ken. Die Frau und die fünf Kin­der des 2012 ver­stor­be­nen Bert­hold Al­brecht hat­ten ge­gen die­se Ein­schrän­kung ge­klagt. Bert­hold Al­brecht hat­te En­de 2010 mit per Sat­zungs­än­de­rung zu­un­guns­ten sei­ner Fa­mi­lie ver­fügt. Al­ler­dings hat­te er für ein wei­te­res, da­mals er­krank­tes Vor­stands­mit­glied der Ja­ko­busStif­tung, der Al­di Nord zu knapp ei­nem Fünf­tel ge­hört, mit­un­ter­schrie­ben. Sei­ne Frau und Kin­der foch­ten die Un­ter­schrift im Na­men ei­nes Ab­we­sen­den vor Ge­richt an. Sie sei un­wirk­sam. In ers­ter In­stanz hat­te das Ver­wal­tungs­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt hin­ge­gen ur­teil­te am Don­ners­tag­abend, dass die Sat­zungs­än­de­rung zu­läs­sig ist.

Das be­deu­tet, dass Un­ter­neh­mens­ver­tre­ter fort­an im Vor­stand der Ja­ko­bus-Stif­tung das Sa­gen ha­ben. Fa­mi­li­en­mit­glie­der sind dort auch noch ver­tre­ten, sie kön­nen die Un­ter­neh­mens­ver­tre­ter aber nicht übestim­men. Das Ge­richt ließ ei­ne Re­vi­si­on nicht zu. Ba­bet­te Al­brecht und ih­re Kin­der kön­nen aber Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de ein­le­gen. Soll­ten sie dies nicht tun, ist der seit Jah­ren schwe­len­de Streit da­mit vor­erst vor Ge­richt be­en­det.

Das Ur­teil wirft aber Fra­gen auf, die den fa­mi­li­en­in­ter­nen Zwist wei­ter an­fa­chen könn­ten. So sind et­wa die Mil­lio­nen­sum­men, die sich Wit­we und Kin­der aus der Ja­ko­bus-Stif­tung nach dem Tod Bert­hold Al­brechts aus­zah­len lie­ßen, recht­lich nicht ab­ge­si­chert. Da­bei han­delt es sich Net­to­be­trä­ge von mehr als 75 Mil­lio­nen Eu­ro. Da es für die Aus­schüt­tun­gen kei­nen Vor­stands­be­schluss gibt, könn­ten sie theo­re­tisch recht­lich vom neu­en Stif­tungs­vor­stand an­ge­foch­ten wer­den.

Auf der Un­ter­neh­mens­sei­te und auf Sei­ten von Bert­holds Bru­der Theo Al­brecht ju­ni­or ist man dem Ver­neh­men nach al­ler­dings dar­an in­ter­es­siert, den Streit zu be­en­den, wenn bei­der­sei­ti­ges Ein­ver­neh­men dar­über herrscht. Er hat­te sei­ner Schwä­ge­rin und ih­ren Kin­dern be­reits an­ge­bo­ten, sich jähr­lich 25 Mil­lio­nen Eu­ro aus der Stif­tung aus­schüt­ten zu las­sen, wenn sie sich im Ge­gen­zug nicht ins Ge­schäft von Al­di Nord ein­misch­ten. Das hat­ten sie je­doch ab­ge­lehnt.

Al­di Nord ge­hört drei Stiftungen, die wich­ti­ge Ent­schei­dun­gen nur ein­stim­mig tref­fen kön­nen. In der Mar­kus- und Lu­kasStif­tung sind die Sat­zungs­än­de­run­gen zu­guns­ten von Un­ter­neh­mens­ver­tre­tern be­reits voll­zo­gen wor­den. Das Ur­teil be­deu­tet, dass nun stra­te­gi­sche Ent­schei­dun­gen wie die Auf­nah­me ei­nes fünf Mil­li­ar­den Eu­ro schwe­ren In­ves­ti­ti­ons­pro­gramms nicht mehr ver­zö­gert wer­den kön­nen. Zu die­ser Ver­zö­ge­rung war es we­gen des Rechts­streits ge­kom­men, weil die Macht­fra­ge in der Ja­ko­bus-Stif­tung nicht ge­klärt war.

Ein Spre­cher von Al­di Nord er­klär­te nach dem Ur­teil: „Da­mit kommt das Un­ter­neh­mens­in­ter­es­se in den Stiftungen wei­ter­hin zum Tra­gen. Das Ur­teil und die da­durch ent­stan­de­ne Si­tua­ti­on der Klar­heit sind wich­tig für die Zu­kunfts­si­cher­heit der Un­ter­neh­mens­grup­pe Al­di Nord.“

Vor Ge­richt sag­te der ehe­ma­li­ge Al­diNord-Chef Hart­muth Wie­se­mann am Don­ners­tag als Zeu­ge: „Bert­hold hat­te Sor­ge, dass sei­ne Kin­der in die Töp­fe grei­fen. Er mein­te auch, dass sie nicht auf das Un­ter­neh­men fi­xiert wa­ren.“Des­we­gen ha­be ihr Va­ter die Sat­zungs­än­de­rung voll­zie­hen wol­len.

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