Ri­zin

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG -

Töd­li­che Gif­te gibt es vie­le, Ri­zin aber, und das macht es be­son­ders ge­fähr­lich, ist so we­nig be­kannt, dass bei ei­ner Ver­gif­tung zu­nächst nie­mand dar­an denkt. Am Mitt­woch nahm die Po­li­zei in Köln ei­nen Mann fest, der mit dem Stoff in sei­ner Woh­nung han­tiert ha­ben soll. Er steht un­ter dem Ver­dacht, „bio­lo­gi­sche Waf­fen“her­ge­stellt zu ha­ben. Be­reits als Do­sis im Mil­li­gramm­be­reich kann Ri­zin ei­nen Men­schen qual­voll ster­ben las­sen. Da­bei klingt die Ge­schich­te des hoch­gif­ti­gen Stof­fes schön: Je­den­falls trägt die Pflan­ze Ri­ci­nus com­mu­nis, aus des­sen Sa­men das Gift stammt, in Deutsch­land zwei ganz un­ver­däch­ti­ge Na­men, näm­lich „Wun­der­baum“oder „Pal­ma Chris­ti“. Sie wird welt­weit zur Ge­win­nung von Ri­zi­nus­öl an­ge­baut, die­ses glät­tet an­geb­lich die Haut und fes­tigt die Haa­re. Die Boh­nen die­ses christ­li­chen Wun­der­baums glän­zen wie Scho­ko­bon­bons aus Mar­mor, doch lei­der steckt das Grau­en in die­sen Früch­ten, ge­nau­er: in de­ren Scha­le. Ri­zin ist ein Pro­te­in, al­so ein reich­lich kom­ple­xes Mo­le­kül, das die Ri­bo­so­men in mensch­li­chen (oder tie­ri­schen) Kör­per­zel­len aus­schal­tet. Wenn Ri­zin von ei­ner ge­wis­sen Do­sis an vom Kör­per auf­ge­nom­men wird, ob in der Atem­luft ge­löst oder in die Nah­rung ge­mischt, ster­ben die Kör­per­zel­len und mit ih­nen der ge­sam­te be­trof­fe­ne Or­ga­nis­mus.

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