Wie der Ku-Klux-Klan

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG - Joa­chim käpp­ner

Wie aus der Zeit des Ku-Klux-Klan wirkt die­ser Fall von Lynch­jus­tiz: Of­fen­bar hat ei­ne Fern­sehsen­dung da­zu ge­führt, dass Män­ner in Bre­men ei­ne Woh­nung stürm­ten und den Be­woh­ner le­bens­ge­fähr­lich ver­letz­ten. Sie glaub­ten, nach Aus­kunft der Po­li­zei fälsch­lich, ihn als Kin­des­miss­brau­cher er­kannt zu ha­ben.

Für sol­che Ge­walt­ta­ten gibt es kei­ne Recht­fer­ti­gung. Ein Rechts­staat hat das Ge­walt­mo­no­pol und muss, wenn Leu­te aus wel­chen Mo­ti­ven auch im­mer zur Lynch­jus­tiz schrei­ten, un­nach­sich­tig durch­grei­fen. Auch wenn das Phä­no­men so neu nicht ist: Was hier den dün­nen Fir­nis der Zi­vi­li­sa­ti­on durch­bricht, sind wohl auch Hass und Hys­te­ri­sie­rung, wo­mög­lich zu­min­dest be­güns­tigt durch ei­ne aus dem Ru­der lau­fen­de De­bat­te über Kriminalität.

Da­zu ha­ben vie­le bei­ge­tra­gen, sen­sa­ti­ons­hei­schen­de Me­di­en, ge­wiss, auch die Un­heil­ru­fer in ih­ren di­gi­ta­len Fil­ter­bla­sen. Und nicht zu­letzt je­ne Po­li­ti­ker, die Angst und Un­si­cher­heit schü­ren, um sich selbst als ein­zi­ge Ga­ran­ten der Si­cher­heit zu emp­feh­len. Na­tür­lich gibt es schreck­li­che Ver­bre­chen wie den Fall Su­san­na. Aber die all­ge­mei­ne Ve­r­un­si­che­rung ent­spricht ei­nem Zerr­bild der Rea­li­tät – in ei­nem der si­chers­ten Staa­ten Eu­ro­pas. Es ist et­was zer­bro­chen in die­sem Land.

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