Ge­fähr­li­che Spie­le

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - MEINUNG - Jo­sef keln­ber­ger

Kaum be­ginnt der Ball zu rol­len, ge­rät die Po­li­tik meist schnell in Ver­ges­sen­heit. Am Tag des Er­öff­nungs­spiels der Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft in Russ­land al­ler­dings wur­de ei­ne Nach­richt pu­blik, die je­der im Kopf ha­ben soll­te, der nun die Spie­le am Fern­se­her ver­folgt: Ha­jo Sep­pelt, Do­ping-Ex­per­te der ARD, reist nach Be­ra­tun­gen sei­nes Sen­ders mit Aus­wär­ti­gem Amt und Si­cher­heits­be­hör­den nicht zur WM. Das Gast­ge­ber­land ist of­fen­bar zu ge­fähr­lich für ei­nen der pro­fi­lier­tes­ten deut­schen Sport­jour­na­lis­ten.

Die Me­di­en müs­sen frei be­rich­ten kön­nen – die­se Gr­und­vor­aus­set­zung, wenn gro­ße Sport­ver­an­stal­tun­gen ver­ge­ben wer­den, gilt in Russ­land of­fen­bar nicht. Sep­pelt ist in­so­fern ein Son­der­fall, als sei­ne Re­cher­chen Russ­land un­ter den Ver­dacht des Staats­do­pings brach­ten, er gilt als Staats­feind. Die Ein­rei­se­ge­neh­mi­gung wur­de ihm erst nach ei­ner In­ter­ven­ti­on der Bun­des­re­gie­rung er­teilt, doch gibt die La­ge in Russ­land An­lass zur Sor­ge, er könn­te in­haf­tiert oder at­ta­ckiert wer­den. Man kann das als War­nung an al­le Jour­na­lis­ten ver­ste­hen: Nehmt euch nicht zu viel her­aus!

Die Cau­sa Sep­pelt zeigt je­den­falls noch ein­mal deut­lich: Die­se WM fin­det statt in ei­nem Land, das we­nig am Hut hat mit den Wer­ten, die der Sport ei­gent­lich ver­tre­ten soll­te.

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