Jen­seits der Ko­ope­ra­ti­on

Bund und Län­der strei­ten über meh­re­re Bil­dungs­re­form-Pro­jek­te

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK - Su­san­ne klein

Mün­chen – Wenn an die­sem Frei­tag­mit­tag Bun­des­bil­dungs­mi­nis­te­rin An­ja Kar­lic­zek (CDU) ge­mein­sam mit Ver­tre­tern der Kul­tus­mi­nis­ter­kon­fe­renz (KMK) in Er­furt vor die Mi­kro­fo­ne tritt, sind die Er­war­tun­gen an ih­re Wor­te hoch. Kann Kar­lic­zek ei­ne Ei­ni­gung zu dem Na­tio­na­len Bil­dungs­rat prä­sen­tie­ren, den der Bund zum Miss­fal­len der Län­der in­stal­lie­ren will? Wird sie den Start­schuss für den im­mer wie­der ver­scho­be­nen Di­gi­tal­pakt ver­kün­den?

Fünf Mil­li­ar­den Eu­ro vom Bund hat­te ih­re Vor­gän­ge­rin Jo­han­na Wan­ka (CDU) im Ok­to­ber 2016 für die Di­gi­ta­li­sie­rung der Schu­len ver­spro­chen, oh­ne dass nen­nens­wer­te Ta­ten folg­ten. „Wir sind ab 2019 be­reit, das Geld aus­zu­ge­ben“, sag­te Kar­lic­zek dann zwar im April. Wie viel die Län­der bei­tra­gen müs­sen, ist aber nach wie vor of­fen. Auch der ge­naue Zeit­plan, Da­ten­schutz­pro­ble­me und die Fi­nan­zie­rung von Ta­blets für Kin­der ar­mer El­tern sind un­ge­klärt. Soll der Pakt in gut sechs Mo­na­ten star­ten, wird es nun Ant­wor­ten ge­ben müs­sen.

Im Na­tio­na­len Bil­dungs­rat wol­len sich die Län­der kei­nes­falls über­stim­men las­sen

Schwie­ri­ger als bei der von bei­den Sei­ten ge­woll­ten Di­gi­ta­li­sie­rung der Schu­len dürf­te ein Kom­pro­miss zum Na­tio­na­len Bil­dungs­rat wer­den. KMK-Prä­si­dent Hel­mut Hol­ter (Lin­ke) ließ kei­nen Zwei­fel an sei­ner Skep­sis ge­gen­über der ge­plan­ten Sach­ver­stän­di­gen­kom­mis­si­on. „Es darf kein Gre­mi­um ge­ben, das uns Län­der an die Wand drückt“, sag­te er vor der Plenar­sit­zung der KMK am Don­ners­tag und Frei­tag.

Der Bil­dungs­rat soll hel­fen, mit wis­sen­schaft­lich fun­dier­ten Emp­feh­lun­gen mehr Trans­pa­renz und Ver­gleich­bar­keit in die Schul­land­schaft zu brin­gen und die Ab­stim­mung zwi­schen Bund und Län­dern zu ver­bes­sern. Das geht nur, wenn es ihm ge­lingt, dem kom­pli­zier­ten Ne­ben- und teil­wei­se auch Ge­gen­ein­an­der al­ler sech­zehn Län­der mehr Mit­ein­an­der ab­zu­rin­gen. Die je­doch fürch­ten um ih­re Bil­dungs­ho­heit, die sie von Kar­lic­zeks Vor­schlä­gen be­droht se­hen. Die Mi­nis­te­rin for­dert für den Bund ge­nau­so vie­le Stim­men im Rat wie für Län­der und Kom­mu­nen zu­sam­men. Das will die KMK nicht hin­neh­men. „Das Stim­men­ver­hält­nis muss so sein, dass die Län­der auf kei­nen Fall über­stimmt wer­den kön­nen“, sag­te Hel­mut Hol­ter. Ob die Kon­tra­hen­ten am Frei­tag­vor­mit­tag, wenn Kar­lic­zek bei der KMK zu Gast ist, ei­ne ge­mein­sa­me Li­nie fin­den, ist mehr als frag­lich.

Mit Span­nung er­war­tet wird auch, wel­che Eck­punk­te die KMK für ein neu­es Zu­las­sungs­ver­fah­ren zum Me­di­zin­stu­di­um ver­kün­det. Nach ei­nem Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt muss es bis En­de 2019 neu ge­re­gelt wer­den. Ex­per­ten rech­nen da­mit, dass es bei der bun­des­wei­ten Abitur­bes­ten­quo­te von 20 Pro­zent bleibt, ob­wohl Bay­ern für ei­ne Er­hö­hung plä­diert hat­te. Die Abi­tur­no­te sei der bes­te In­di­ka­tor für ein er­folg­rei­ches Me­di­zin­stu­di­um, so Wis­sen­schafts­mi­nis­te­rin Ma­ri­on Kiech­le (CSU). Die Hoch­schu­len, die 60 Pro­zent der Plät­ze ver­ge­ben, müs­sen ih­re Kri­te­ri­en aber über­ar­bei­ten. Und die War­te­zeit­quo­te für bis­lang 20 Pro­zent der Stu­di­en­plät­ze wird wohl weg­fal­len.

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