Stadt haf­tet für Schä­den durch Feu­er­wehr­ein­satz

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - PANORAMA - Wolf­gang ja­nisch

Karls­ru­he – Es wirkt na­tür­lich im­mer et­was un­glück­lich, wenn die Feu­er­wehr zwar ver­hin­dert, dass ein Haus ab­brennt, dann aber ih­rer­seits ei­nen Scha­den hin­ter­lässt, wie ihn der Brand kaum schlim­mer an­ge­rich­tet hät­te. Oft ist das nicht zu ver­mei­den; wenn es gilt, Le­ben zu ret­ten, kann der Lösch­zug nicht pin­ge­lig sein. Aber im Fall ei­nes ba­di­schen Groß­händ­lers für Bio­pro­duk­te hin­ter­ließ die Feu­er­wehr im Fe­bru­ar 2010 dann doch ein ziem­li­ches De­sas­ter. Um das Über­grei­fen ei­nes Groß­feu­ers von ei­ner be­reits ver­lo­re­nen auf die nächs­te La­ger­hal­le zu ver­hin­dern, setz­te sie ei­ne fluor­hal­ti­gen Schaum ein. Um­welt­schä­di­gen­des Zeug, das ge­setz­lich ei­gent­lich längst aus dem Ver­kehr ge­zo­gen war, je­doch durf­ten Rest­be­stän­de noch für ei­ne Über­gangs­frist ein­ge­setzt wer­den. Da­von mach­ten die Feu­er­wehr­leu­te Ge­brauch, dämm­ten das Feu­er ein – und hin­ter­lie­ßen ein Are­al, das nun für ei­nen Mil­lio­nen­be­trag sa­niert wer­den muss. Der Groß­händ­ler klag­te auf Scha­den­er­satz.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat nun ent­schie­den: Da­für haf­tet die Stadt Ba­den-Ba­den. Und zwar des­halb, weil der Schaum – wie­wohl im Prin­zip ge­ra­de noch er­laubt – im kon­kre­ten Fall das fal­sche Mit­tel der Wahl war; Lösch­was­ser hät­te es auch ge­tan, hat­te ein Gut­ach­ter fest­ge­stellt. Da­mit stand fest, dass ein Feu­er­wehr­kom­man­dant fahr­läs­sig ge­han­delt hat­te.

Die recht­li­che Fra­ge, über die der BGH in die­sem Ver­fah­ren zu ent­schei­den hat­te, war durch­aus bri­sant, nicht nur für die Feu­er­wehr, son­dern auch für Po­li­zei oder Ka­ta­stro­phen­schutz. Ge­nügt ei­ne ein­fa­che Fahr­läs­sig­keit der staat­lich be­stell­ten Hel­fer und Ret­ter für ei­ne Haf­tung? Oder müs­sen sie vor sol­chen An­sprü­chen ge­schützt wer­den, in­dem sie nur für gro­be Fahr­läs­sig­keit haf­ten? Die zwei­te Va­ri­an­te legt ei­ne Vor­schrift im Bür­ger­li­chen Ge­setz­buch na­he. Nach dem Ur­teil des BGH steht nun aber fest: Das Pri­vi­leg, nur für wirk­lich gro­be Feh­ler beim Ret­tungs­ein­satz haf­ten zu müs­sen, steht nur spon­tan und al­tru­is­tisch han­deln­den Pri­vat­per­so­nen zu – nicht den Pro­fis mit Helm und Uni­form. „Amts­trä­ger, zu de­ren Pflicht die be­rufs­mä­ßi­ge Ab­wehr ei­ner drin­gen­den Ge­fahr ge­hört, sind ty­pi­scher­wei­se auf die hier­mit ver­bun­de­nen No­te­in­sät­ze vor­be­rei­tet“, er­läu­ter­te der BGH-Se­nats­vor­sit­zen­de Ul­rich Herr­mann. „Sie sind da­für aus­ge­bil­det und kön­nen auf ent­spre­chen­de Er­fah­run­gen aus dem Be­rufs­all­tag zu­rück­grei­fen.“Au­ßer­dem sei­en sie ge­gen Ri­si­ken bes­ser ab­ge­si­chert als pri­va­te No­t­hel­fer; nor­ma­ler­wei­se springt die Kom­mu­ne re­spek­ti­ve de­ren Ver­si­che­rung ein. Der Weg, den Staat per Amts­haf­tungs­kla­ge haft­bar zu ma­chen, bleibt für die Be­trof­fe­nen al­so of­fen. Was frei­lich auch kein ganz ein­fa­ches Un­ter­fan­gen ist.

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