Norm­ans Welt

Wie man Vor­ur­tei­le in Ma­schi­nen­in­tel­li­gen­zen pflanzt

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - FEUILLETON -

Ed­ward-Hop­per-Ge­mäl­de und zei­gen so ein fast ver­träum­tes, un­schul­di­ges Ame­ri­ka. Zugleich neh­men die­se Hop­per’schen Bil­der auch die spä­te­re Ein­sam­keit und das Al­tern der bei­den Hel­den lei­se vor­weg.

Als Su­per­man dann rich­tig ab­hebt, ver­schwin­det er aus Cam­pis Zeich­nun­gen, er taucht nur im­mer wie­der als fer­ner, für sei­ne Schöp­fer un­er­reich­ba­rer Glanz oder gar höh­ni­sches Ab­bild auf: Auf ei­ner Fris­bee­schei­be, die 1940 an den bei­den mit­tel­lo­sen Au­to­ren vor­bei­fliegt (und ei­nen beim Le­sen wun­dern lässt, wie früh das ei­gent­lich los­ging mit dem Mer­chan­di­sing), oder als T-Shirt-Auf­druck der bei­den über­mäch­ti­gen Ver­le­ger, ge­gen die Shus­ter und Sie­gel 1948 ei­nen Pro­zess an­stren­gen. Sie ver­lie­ren da­bei al­les – den Pro­zess, ih­ren Job und Schus­ter auch die Hoff­nung.

Ju­li­an Vo­loj schafft es, in die Ge­schich­te die­ses ame­ri­ka­ni­schen Alb­traums und Nie­der­gangs, der sich über 30 Jah­re hin­zieht und eher an aus­weg­lo­se Kaf­ka­la­by­rin­the als an Su­per­hel­den­sto­rys er­in­nert, vie­le Ne­ben­hand­lun­gen ein­zu­we­ben, et­wa, wie stark das Gen­re der Su­per­hel­den­ge­schich­ten von jü­di­schen Zeich­nern, Au­to­ren und Ver­le­gern ge­prägt wur­de. Wäh­rend sie nicht wuss­ten, was aus den ei­ge­nen An­ge­hö­ri­gen drü­ben in Eu­ro­pa wur­de, ima­gi­nier­ten die Au­to­ren auf der an­de­ren Sei­te des At­lan­tiks un­ver­wund­ba­re Wel­ten­ret­ter her­bei: Shus­ter und Sie­gel las­sen Su­per­man kurz nach dem Über­fall auf Po­len Hit­ler und Sta­lin schnap­pen und vor den Völ­ker­bund in Genf brin­gen. Go­eb­bels tob­te. Es ist schon häu­fi­ger auf­ge­fal­len, dass künst­li­che In­tel­li­gen­zen ver­hal­tens­auf­fäl­lig wer­den kön­nen. Auf­fäl­lig in dem Sinn, dass man als For­scher­team, das sol­che In­tel­li­gen­zen in so­ge­nann­ten Ma­schi­nen­lern­sze­na­ri­en auf­setzt, zwar nicht ge­nau sa­gen kann, was beim ma­schi­nel­len Ler­nen im di­gi­ta­len Klas­sen­raum ge­nau pas­siert, dass aber das Ge­ba­ren der dann aus­trai­nier­ten In­tel­li­gen­zen über­gangs­los von harm­lo­ser, nichts­sa­gen­der Höf­lich­keit in Dis­kri­mi­nie­rung, blan­ken Ras­sis­mus, Se­xis­mus und Un­fair­ness kip­pen kann. Wo al­so stammt die­ser schlech­te Ein­fluss her? Was ver­dirbt uns die künst­li­chen In­tel­li­gen­zen? Die­se Fra­gen sind um­so schwe­rer zu be­ant­wor­ten, da man nur im Prin­zip weiß, wie ma­schi­nel­les Ler­nen ge­lingt, nicht aber, wie es ge­nau ab­läuft.

FO­TO: MIT

Film­re­gis­seur Al­f­red Hitch­cock wä­re ent­zückt ge­we­sen, wenn er sei­nem mu­tier­ten Nor­man Ba­tes be­geg­net wä­re.

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