Oh­ne Ver­bo­te wird es nicht ge­hen

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - FORUM & LESERBRIEFE -

Feh­len­des Zeit­ma­nage­ment

In jun­gen Jah­ren wohn­te ich in Han­no­ver in ei­nem win­zi­gen Zim­mer. Auf der Glas­plat­te über dem Wasch­be­cken stand ein schma­ler Topf mit ei­nem Tauch­sie­der. Dort er­hitz­te ich mor­gens um sechs Uhr Was­ser für ei­nen Kaf­fee. Wäh­rend ich früh­stück­te und mei­ne Wurst- und Kä­se­bro­te für die Ar­beits­pau­sen schmier­te, brüh­te ich er­neut Was­ser für den Tee, den ich in mei­ne Ther­mos­fla­sche füll­te. Mit all­dem war ich den Tag über gut ver­sorgt. Spä­ter im Bü­ro ging ich, ob­wohl ich Chef war, sel­ber in die Tee­kü­che, um mir ei­nen Tee auf­zu­brü­hen. Wer nicht die Zeit hat, sich für ei­ne Tas­se Kaf­fee fünf Mi­nu­ten hin­zu­set­zen, dem fehlt jeg­li­ches Zeit­ma­nage­ment. Mir kom­men Leu­te, die mit ei­nem Kaf­fee­be­cher her­um­lau­fen, vor, als lit­ten sie un­ter ei­ner mit­tel­schwe­ren Per­sön­lich­keits­stö­rung. Ei­gent­lich wä­re es gut, man wür­de die Pro­duk­ti­on und Aus­ga­be der Papp­be­cher ver­bie­ten. Lei­der ist ein Groß­teil der Men­schen nur durch Ver­bo­te zur Ver­nunft zu brin­gen. Wolf­ram Fran­ke, Va­ter­stet­ten

Be­ru­hi­gungs­pil­le „Gel­ber Sack“

Wie Jan Strem­mel rich­tig fest­stellt, hält nicht al­les, was pri­ma vis­ta gut klingt, auch ei­ner nä­he­ren Be­trach­tung stand. In ei­nem Punkt muss ich dem Au­tor aber hef­tig wi­der­spre­chen. Un­ter an­de­rem kri­ti­siert er die Lan­des­haupt­stadt Mün­chen, weil sie als ein­zi­ge Groß­stadt noch kei­ne gel­ben Sä­cke und kei­ne gel­ben Ton­ne ein­ge­führt hat. Hier hät­te es sich ge­lohnt, wenn Strem­mel auch da et­was ge­nau­er re­cher­chiert hät­te. Näm­lich da­nach, was nach der Samm­lung mit den Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen der gel­ben Sys­te­me pas­siert. Auch die­se Kunst­stoff­ab­fäl­le wer­den näm­lich zu mehr als 80 Pro­zent nur en­er­ge­tisch ver­wer­tet, das heißt ver­brannt.

Die Grün­de da­für sind viel­schich­tig: Mehr als 70 Pro­zent der Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen be­ste­hen aus Misch- bzw. Ver­bund­kunst­stof­fen, die tech­nisch kaum zu re­cy­celn sind. Bei an­de­ren Kunst­stoff­ver­pa­ckun­gen sind die Re­cy­cling­kos­ten wirt­schaft­lich nicht dar­stell­bar. Wie­der an­de­re Ver­pa­ckun­gen sind ge­ruchs­be­las­tet und fin­den des­halb kei­nen Ab­satz am Markt. In­so­fern sind die gel­ben Sys­te­me nichts an­de­res als rei­ne Sym­bol­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung. Die Po­li­tik sonnt sich in ho­hen Schein­ver­wer­tungs­quo­ten, die bei nä­he­rer Be­trach­tung nichts an­de­res sind als Re­cy­cling­mär­chen mit Quo­ten­zau­ber. Für die Bür­ger sind sie ei­ne Be­ru­hi­gungs­pil­le für ihr schlech­tes Um­welt­ge­wis­sen. An Ab­fall­ver­mei­dung denkt da kei­ner mehr. Tat­säch­lich ha­ben die Ver­pa­ckungs­men­gen seit dem Jahr 2000 um mehr als 30 Pro­zent zu­ge­nom­men, wäh­rend der Mehr­weg­an­teil bei Ge­trän­ke­ver­pa­ckun­gen um 30 Pro­zent ge­sun­ken ist. Und ei­nem zwei­ten Irr­tum sitzt der Au­tor auf: Mün­chen

Hel­mut Schmidt, Werk­lei­ter a.D., Ab­fall­wirt­schafts­be­trieb Mün­chen

Nur noch Stoff­beu­tel

Dan­ke für den Ar­ti­kel – das Wort „bö­se“für den Be­cher fin­de ich gut ge­wählt. Al­ler­dings schwä­chen Sie das Bö­se­sein, in­dem Sie auf den ge­rin­gen An­teil am Ver­pa­ckungs­müll hin­wei­sen. Der Ver­brauch steigt doch zu­neh­mend. Auch die Mei­nung der Da­me vom BUND über das Plas­tik­ba­shing re­la­ti­viert zu sehr. Wie­so über­haupt die Ge­gen­über­stel­lung Plas­tik­beu­tel vs. Pa­pier­tü­ten? Sinn­voll wä­re, dass es nur Stoff­beu­tel gä­be – bei hö­he­rem Preis ver­ges­sen die meis­ten ih­re Ein­kaufs­beu­tel nicht. Eben­so Mehr­weg-Trink­be­cher. Wer den ei­ge­nen ver­gisst, zahlt für den zwei­ten. Das Spül­pro­blem der An­bie­ter wä­re da­mit er­le­digt, denn da­für ist je­der, je­de zu­stän­dig.

Dr. Eli­sa­beth-Ma­ria Hett­wer, Müns­ter

Auf der Stra­ße isst man nicht

Die an­ge­streb­te dreis­te Stei­ge­rung der staat­li­chen Zu­schüs­se der deut­schen Par­tei­en um 15 Pro­zent be­ant­wor­tet die Fra­ge Rein­hard Meys von 1974 „was kann schö­ner sein auf Er­den, als Po­li­ti­ker zu wer­den, vom Über­fluss der Diä­ten plat­zen dir die Ta­schen aus den Näh­ten…“Ant­wort: Nichts kann schö­ner (leich­ter) sein. Man füllt sich die Ta­schen, wie’s be­liebt. Aber fai­rer­wei­se muss man ja zu­ge­ben, dass sich un­se­re Staats­die­ner/in­nen im­mer en­ga­giert dar­um be­mü­hen, den Staats­ap­pa­rat am Lau­fen zu hal­ten. Die schnel­le Ko­ali­ti­ons­bil­dung zum Bei­spiel, die Ei­nig­keit beim Asyl­ver­fah­ren, ach, mir fie­len da noch 1000 Din­ge ein. Pe­ter Butz­bach, Köln

Ein­fach we­ni­ger Ab­ge­ord­ne­te

Wenn Bun­des­tags­prä­si­dent Wolf­gang Schäu­b­le noch in die­ser Le­gis­la­tur­pe­ri­ode er­rei­chen könn­te, dass das Par­la­ment be­schließt, die An­zahl der Ab­ge­ord­ne­ten in künf­ti­gen Par­la­men­ten von 709 auf 400 zu be­schrän­ken (Ver­gleich: USA 325 Mil­lio­nen Bür­ger, 435 Ab­ge­ord­ne­te im Re­prä­sen­tan­ten­haus, Frank­reich 67 Mil­lio­nen Bür­ger, 348 Ab­ge­ord­ne­te, Russ­land 144 Mil­lio­nen Bür­ger, 450 Ab­ge­ord­ne­te, In­di­en 1,3 Mil­li­ar­den Bür­ger, 543 Ab­ge­ord­ne­te im Un­ter­haus); die Le­gis­la­tur­pe­ri­ode von vier auf fünf Jah­re für das Par­la­ment und die Kanz­le­rin/den Kanz­ler zu ver­län­gern (in 20 Jah­ren wird ei­ne Wahl ge­spart); die Kanz­ler­schaft auf zwei Le­gis­la­tur­pe­ri­oden zu be­gren­zen (wie in den meis­ten de­mo­kra­ti­schen Län­dern), dann hät­ten wir ei­ne Ein­spa­rung von et­wa 750 Mil­lio­nen Eu­ro durch Ver­rin­ge­rung der Ab­ge­ord­ne­ten­zahl in fünf Jah­ren. Die Ein­spa­run­gen bei ei­ner Wahl we­ni­ger in 20 Jah­ren ken­ne ich nicht, das Par­la­ment wird die aber ken­nen. Der Ge­winn wä­re: Die Ab­ge­ord­ne­ten ha­ben min­des­tens ein Jahr mehr nicht von Wahl­kampf be­las­te­te Ar­beits­zeit (nor­ma­le Re­gie­rungs­bil­dung vor­aus­ge­setzt). Wenn all das er­füllt ist, kann man der Er­hö­hung der Par­tei­en­fi­nan­zie­rung zu­stim­men.

Horst Pi­jahn, Stock­dorf

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