WEI­TE­RE BRIE­FE

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - FORUM & LESERBRIEFE -

Stra­te­gi­sche Be­haup­tun­gen

„Zwei vor zwölf“vom 12. Ju­ni: Ich wun­de­re mich sehr über die Aus­sa­ge, dass Russ­land „Es­ka­lie­ren, um zu de­es­ka­lie­ren“zu sei­ner of­fi­zi­el­len Dok­trin er­klärt ha­ben soll. Da­mit über­nimmt Au­tor Ge­org Mas­co­lo un­kri­tisch die Be­haup­tun­gen der US-Re­gie­rung und der Na­to. Er er­wähnt gar nicht, wie um­strit­ten die­se Ein­schät­zung auch bei kei­nes­wegs russ­land­freund­li­chen Ex­per­ten ist. Zum Bei­spiel hat Bru­no Ter­trais, der stell­ver­tre­ten­de Lei­ter des Pa­ri­ser For­schungs­in­sti­tuts Fon­da­ti­on pour la re­cher­che stra­té­gique, de­tail­liert in der Zeit­schrift Sur­vi­val des Lon­do­ner IISS dar­ge­legt, dass es für die Be­haup­tung kei­ner­lei glaub­wür­di­ge Be­le­ge gibt – hin­ge­gen vie­le Be­le­ge für das Ge­gen­teil. Zum glei­chen Er­geb­nis kommt Ol­ga Oli­ker vom eben­falls kei­nes­wegs russ­land­freund­li­chen Wa­shing­to­ner Thinktank Cen­ter for Stra­te­gic and In­ter­na­tio­nal Stu­dies.

Ich den­ke, ei­ne kri­ti­sche Be­richt­er­stat­tung soll­te auch Na­to-/US-Be­haup­tun­gen ei­nem Fak­ten­check un­ter­zie­hen – oder we­nigs­tens auf die Um­strit­ten­heit die­ser Be­haup­tun­gen hin­wei­sen. Erst recht, wenn man die Ent­wick­lung so­ge­nann­ter klei­ner Atom­waf­fen für ge­fähr­lich hält. Denn die un­be­wie­se­nen und wohl fal­schen Be­haup­tun­gen von ei­ner sol­chen rus­si­schen Dok­trin die­nen der Trump-Re­gie­rung ge­nau zu dem Zweck, die Ent­wick­lung sol­cher „klei­ner“Atom­waf­fen zu recht­fer­ti­gen.

Jer­ry Som­mer, Düs­sel­dorf

Kei­ne Men­schen­see­le

„Rei­sen oh­ne Kon­trol­le“vom 6. Ju­ni: Die Bahn will al­so wei­ter Ar­beits­plät­ze ver­nich­ten, und die Ar­beit der ein­ge­spar­ten Schaff­ner sol­len wir Fahr­gäs­te selbst tun – na­tür­lich oh­ne dass die Fahr­kar­ten des­halb bil­li­ger wür­den. Das Gan­ze wird uns als Fort­schritt dar­ge­stellt, sol­len doch die we­ni­gen ver­blei­ben­den Ar­beits­kräf­te dann an­geb­lich Zeit ha­ben, sich um das leib­li­che Wohl der Fahr­gäs­te zu küm­mern. Wo­bei man ei­gent­lich als selbst­ver­ständ­lich er­war­ten wür­de, dass das schon die gan­ze Zeit ge­schieht – auch wenn es nicht im­mer der Fall ist. Aber auch die­ses Rest­per­so­nal wird ver­mut­lich ir­gend­wann durch Ro­bo­ter und Au­to­ma­ten er­setzt, und dann gibt es im gan­zen Zug kein mensch­li­ches We­sen mehr, das man bei Pro­ble­men an­spre­chen könn­te. Auch wird hier nir­gend­wo er­wähnt, dass even­tu­ell Men­schen kein Smart­pho­ne ha­ben könn­ten. Was kommt dann als Nächs­tes? Dass man gar nicht mehr mit der Bahn fah­ren darf, wenn man kei­nes be­sitzt? Su­san­ne Til­lich, Mün­chen

„Bö­ser Be­cher“vom 2./3. Ju­ni:

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