#Dais­tScholz

Der Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter be­sucht den Haus­halts­aus­schuss

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - WIRTSCHAFT - Cers­tin gam­melin

Man kann sich ja was Lus­ti­ge­res vor­stel­len, als den Vor­abend ei­nes run­den Ge­burts­ta­ges mit tech­ni­schen De­bat­ten über Grie­chen­land, den Eu­ro oder Geld ge­ne­rell zu ver­brin­gen. Wenn man nicht ge­ra­de Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter ist und ganz drin­gend im Haus­halts­aus­schuss des Bun­des­ta­ges er­war­tet wird, dem wich­tigs­ten Aus­schuss des Par­la­ments. Es ist zwar nicht über­lie­fert, ob Olaf Scholz am Mitt­woch bei sei­ner Fahrt in den Bun­des­tag an sei­ne Che­fin ge­dacht hat. An­ge­la Mer­kel ver­wen­det ja ger­ne das Wort al­ter­na­tiv­los. Tat­säch­lich hat­ten die Haus­häl­ter im Par­la­ment so hef­tig auf das Er­schei­nen des Mi­nis­ters und Vi­ze­kanz­lers von der SPD ge­drängt, dass Scholz kei­ne Wahl hat­te. Im Netz ver­brei­te­te sich im Nu der Hash­tag #Wois­tScholz.

Nun blieb der Ge­such­te mehr als zwei St­un­den bei den Ab­ge­ord­ne­ten. Sehr gut sei es ge­lau­fen, fan­den je­den­falls sei­ne Leu­te. Man ha­be ihn freund­lich zu­rück­hal­tend er­lebt, hieß es un­ter den Ab­ge­ord­ne­ten. Wo­bei es ge­ra­de bei der Uni­on ei­ni­ges Er­stau­nen gab. An­ders als der Vor­gän­ger Wolf­gang Schäu­b­le (CDU), der stets mit Ve­he­menz ge­re­det ha­be, be­schränk­te sich Scholz auf zu­rück­hal­ten­de, all­ge­mei­ne Er­klä­run­gen. Man wis­se jetzt nicht, hieß es am Don­ners­tag, ob der Mi­nis­ter tat­säch­lich noch kei­ne Ent­schei­dun­gen ge­fällt ha­be, et­wa über die nö­ti­gen Re­for­men der Eu­ro-Zo­ne oder die Schul­den­er­leich­te­run­gen für Grie­chen­land. Oder ob die va­gen Aus­füh­run­gen nicht tak­ti­schen Über­le­gun­gen ge­schul­det wa­ren.

Hin­ter­grund ist ein Streit zwi­schen dem Bun­des­fi­nanz­mi­nis­te­ri­um und den Ab­ge­ord­ne­ten der Op­po­si­ti­on von Grü­nen und Frei­en De­mo­kra­ten. Sie for­dern, dass Scholz ih­nen al­le Do­ku­men­te zu eu­ro­päi­schen Vor­ha­ben zu­lei­ten müs­se. Was bis­her nicht pas­siert. Der Streit er­reicht ei­nen vor­läu­fi­gen Hö­he­punkt, als die Ab­ge­ord­ne­ten trotz der schrift­li­chen Auf­for­de­rung an den Mi­nis­ter, in den Aus­schuss zu kom­men, um über die Re­form der Wäh­rungs­uni­on zu spre­chen, sei­ne Plä­ne der Pres­se ent­neh­men muss­ten. „Nicht hin­nehm­bar“, sei das, sag­te Sven-Chris­ti­an Kind­ler, Haus­halts­ex­per­te der Grü­nen. Im Ge­spräch mit dem Spie­gel hat­te Scholz aus­ge­führt, dass er ei­nen Eu­ro­päi­schen Wäh­rungs­fonds ent­wi­ckeln und ei­nen ge­mein­sa­men Geld­topf ge­gen Ar­beits­lo­sig­keit ein­füh­ren wol­le. „Ich bin da­für, die na­tio­na­len Sys­te­me der Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­run­gen zu er­gän­zen um ei­ne Rück­ver­si­che­rung für die ge­sam­te Eu­ro-Zo­ne.“

Das Er­stau­nen war dann am Mitt­woch groß, als der Mi­nis­ter er­klär­te, dass sei­ne Über­le­gun­gen zur Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­run­gen wie al­len an­de­ren eu­ro­päi­schen Vor­ha­ben nicht ab­ge­schlos­sen sei­en. Er den­ke „je­den Tag“dar­über nach, sagt Scholz nach An­ga­ben von Teil­neh­mern, es fin­de „ein Pro­zess der Po­li­ti­kent­wick­lung“statt. Ähn­li­ches gel­te für Grie­chen­land und mög­li­chen Fi­nanz­hil­fen. Es wer­de „noch was Klei­nes“ge­ben, no­tiert sich ein Teil­neh­mer die Ant­wort des Mi­nis­ters. Wer­de der In­ter­na­tio­na­le Wäh­rungs­fonds ei­nen Kre­dit ge­ben? Man ver­han­de­le. Und das Bud­get für die Eu­ro-Zo­ne, soll das in den EU-Haus­halt ein­ge­bet­tet oder au­ßer­halb ein­ge­stellt wer­den? Im Mo­ment sei die Ten­denz in­ner­halb. Aber er kön­ne au­ßer­halb nicht aus­schlie­ßen.

Dass Scholz noch über­haupt kei­ne Ent­schei­dun­gen ge­trof­fen ha­ben will, kön­nen vie­le nicht glau­ben. Man geht viel­mehr da­von aus, dass der Mi­nis­ter es hin­aus­schie­ben will, der Op­po­si­ti­on die ein­ge­for­der­ten Do­ku­men­te be­reit­zu­stel­len. Ei­nem Ur­teil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes zu­fol­ge muss die Re­gie­rung die Un­ter­la­gen her­aus­ge­ben und das Par­la­ment in­for­mie­ren, wenn die Mei­nungs­bil­dung ab­ge­schlos­sen ist. Wenn aber Scholz sagt, es sei „noch nichts ent­schie­den“, be­steht die­se Pflicht frei­lich nicht.

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