War­um SPD?

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 4 MEINUNG - Li­sa schnell

Bes­ser könn­te es ei­gent­lich nicht lau­fen für die SPD in Bay­ern. Ihr über­mäch­ti­ger Geg­ner CSU rauscht in den Um­fra­gen nach un­ten. Ge­mä­ßig­te Wäh­ler wen­den sich ab auf­grund der har­schen Wor­te in der Flücht­lings­po­li­tik und des Thea­ters, das die CSU in Ber­lin ver­an­stal­tet hat. Es sind die Wäh­ler der Mit­te, die ei­ne neue po­li­ti­sche Hei­mat su­chen. Die SPD wä­re ei­gent­lich die rich­ti­ge Kan­di­da­tin, doch sie kann von der Kri­se der CSU nicht pro­fi­tie­ren, son­dern sta­gniert in Um­fra­gen bei zwölf Pro­zent.

So­zi­al­de­mo­kra­ten er­klä­ren sich ih­re Mi­se­re gern da­mit, al­le Auf­merk­sam­keit sei auf die Flücht­lings­po­li­tik ge­rich­tet. Ih­re The­men wie et­wa be­zahl­ba­res Woh­nen drän­gen kaum zum Wäh­ler durch. Die Stra­te­gie der Bay­ern-SPD war es des­halb lan­ge, gar nichts zur Asyl­po­li­tik zu sa­gen. Wer aber nichts sagt, gibt auch kei­ne Ant­wor­ten.

Die SPD hat zu lan­ge ge­war­tet, Stel­lung zu be­zie­hen. Erst als das gan­ze Land über nichts an­de­res mehr sprach, rang sie sich da­zu durch. Dann aber po­si­tio­nier­te sie sich nicht in der Mit­te, wo die CSU ihr Platz ge­macht hat, son­dern links da­von, wo schon die Grü­nen ste­hen. In der Flücht­lings­po­li­tik sind die Grü­nen der glaub­wür­di­ge­re Ge­gen­ent­wurf zur CSU und so prag­ma­tisch, dass sie auch bür­ger­li­che Wäh­ler an­spre­chen. Ehe­ma­li­ge CSU-Wäh­ler, de­nen die Grü­nen zu viel Will­kom­mens­kul­tur pfle­gen, ge­hen zur FDP, den Frei­en Wäh­lern oder gar nicht zur Wahl. Auf ei­nen gu­ten Grund, SPD zu wäh­len, war­ten sie bis jetzt ver­geb­lich.

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