Schatz­meis­ters Schach­zug

Olaf Scholz trifft Vor­sor­ge für Bun­des­zu­schüs­se zur Ren­te

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - POLITIK 7 - Cers­tin gam­melin

Ber­lin – Kürz­lich hat es Olaf Scholz ge­schafft, die Ren­ten­vor­sor­ge des Bun­des mit Do­nald Trump zu be­grün­den. „Sta­bi­le Ren­ten sind die rich­ti­ge Ant­wort auf die Stür­me der Glo­ba­li­sie­rung“, sag­te der Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter ver­gan­ge­nen Frei­tag in Ber­lin. Oh­ne Trump beim Na­men zu nen­nen, stell­te der So­zi­al­de­mo­krat die­sen un­ge­wöhn­li­chen Zu­sam­men­hang her – der ihm of­fen­sicht­lich ge­eig­net er­schien, von ei­nem an­de­ren in­ter­es­san­ten Vor­gang ein we­nig ab­zu­len­ken. Scholz hat­te ge­ra­de an­ge­kün­digt, im Bun­des­haus­halt ab 2021 ei­ne De­mo­gra­fie­re­ser­ve für die Ren­te ein­rich­ten zu wol­len: ei­nen Fonds, der mit zwei Mil­li­ar­den Steu­er­geld jähr­lich ge­füllt wer­den soll, Ten­denz stei­gend.

Scholz kün­dig­te das so selbst­ver­ständ­lich an, als ha­be die Ko­ali­ti­on die­sen Ren­ten­topf längst ver­ein­bart – und nicht et­wa nur ei­ne „Ren­ten­kom­mis­si­on zur lang­fris­ti­gen Sta­bi­li­sie­rung von Bei­trä­gen und Ni­veau der Ren­te für die Zeit nach 2025“. Nun ist ja be­kannt, dass die Ren­ten­kom­mis­si­on eher von der Uni­on be­för­dert wor­den war, wäh­rend die So­zi­al­de­mo­kra­ten mit der dop­pel­ten Hal­t­el­i­nie – sta­bi­le Bei­trä­ge, sta­bi­les Ren­ten­ni­veau – ein kon­kre­tes Vor­ha­ben in den Ko­ali­ti­ons­ver­trag bug­siert hat­ten. Um das zu er­fül­len, hat Scholz nun vor­zei­tig Fak­ten ge­schaf­fen. Er hat den De­mo­gra­fie­fonds zur Ren­te be­reits jetzt im Re­gie­rungs­han­deln si­cher un­ter­ge­bracht, so­wohl in der Fi­nanz­pla­nung des Bun­des als auch im Ren­ten­pakt, den sein Par­tei­freund, Ar­beits­mi­nis­ter Hu­ber­tus Heil an die­sem Frei­tag vor­ge­legt hat. Da­mit ist den Ge­nos­sen der Coup ge­glückt, im Stil­len so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Po­li­tik durch­zu­set­zen.

Zu­gleich hat die SPD da­mit auch das An­sin­nen durch­kreuzt, die deut­schen Rüs­tungs­aus­ga­ben noch deut­li­cher als oh­ne­hin ge­plant er­hö­hen zu müs­sen. Weil die De­mo­gra­fie­re­ser­ve vie­le Mil­li­ar­den er­for­dert, schmilzt der Über­schuss, der laut Ko­ali­ti­ons­ver­trag in die Rüs­tung flie­ßen muss. Das er­leich­tert es Scholz, die auf dem Na­to-Gip­fel von Trump ver­lang­te wei­te­re Er­hö­hung deut­scher Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben ab­zu­weh­ren. „Ich bin ein An­hän­ger des Neu­ver­schul­dungs­ver­bots“, sag­te er am Frei­tag in Brüs­sel. Soll­te es aber Spiel­räu­me im Haus­halt ge­ben, wer­de er die­se wie ver­ein­bart „prio­ri­tär“für Ver­tei­di­gung und Ent­wick­lung nut­zen.

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