Schmacht­fet­zen

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 10 PANORAMA - In­ter­view: mar­tin zips

Für Na­rongs­ak Osot­t­a­na­korn, 57, den Gou­ver­neur der Pro­vinz Chiang Rai in Thai­land, war es ge­wiss kei­ne leich­te Wo­che. Bei der Ret­tung der zwölf Ju­gend­fuß­bal­ler und ih­res Trai­ners aus der Höh­le muss­te er den rich­ti­gen Ton tref­fen, im­mer mit dem pas­sen­den Maß an Zu­ver­sicht. Nach dem er­folg­rei­chen En­de des Ein­sat­zes ent­spann­te er sich in ei­ner Ka­rao­ke-Bar und gab ei­nen Schmacht­fet­zen zum Bes­ten. Oh­ren­zeu­gen zu­fol­ge schmet­ter­te er aus vol­lem Her­zen – und hem­mungs­los falsch.

Dou­glas M.,

En­de 50, En­g­land-Fan, ist wie­der auf­ge­taucht. Nach ei­ner ein­wö­chi­gen Su­che fand die rus­si­sche Po­li­zei den ver­miss­ten WM-Tou­ris­ten aus Bris­tol in ei­nem Mos­kau­er Ho­tel in ei­nem „star­ken Rausch­zu­stand“, wie die Nach­rich­ten­agen­tur Tass be­rich­tet. Dou­glas M. hat­te Be­rühmt­heit er­langt, weil er sei­ne Ein­tritts­kar­ten für das Grup­pen­spiel ge­gen Pa­na­ma (6:1) zu Hau­se in ei­ner Schub­la­de ver­ges­sen hat­te.

In­ner­halb der ers­ten drei Ta­ge ha­ben wir mehr als ei­ne hal­be Mil­li­on Ant­wor­ten er­hal­ten.“

Ste­fan Mross, 42, Trom­pe­ter, hasst Ho­tel­zim­mer. Des­halb lebt der Volks­mu­si­ker seit drei Mo­na­ten in ei­nem Wohn­mo­bil na­he Rust. „Ich ha­be 30 Jah­re lang je­des Jahr in 250 Ho­tel­bet­ten ge­schla­fen“, sag­te er der tz. Dort ha­be er nicht mehr rich­tig schla­fen kön­nen. Sein neu­es Zu­hau­se sei aber nicht un­kom­for­ta­bel, er ha­be ei­ne Wasch­ma­schi­ne, ein Bü­gelei­sen und ei­nen Ra­sen­mä­her an Bord.

Die­ser Ta­ge kön­nen 508 Mil­lio­nen EU-Bür­ger im In­ter­net dar­über ab­stim­men, ob die Zeit­um­stel­lung ab­ge­schafft wer­den soll. Ein The­ma, das seit Jah­ren die Men­schen be­wegt. Wie geht es nach der Ab­stim­mung wei­ter? Fra­gen an Vio­le­ta Bulc, die zu­stän­di­ge EU-Kom­mis­sa­rin.

SZ: Frau Bulc, ha­ben Sie selbst auch schon ab­ge­stimmt?

Vio­le­ta Bulc: Ja, aber ich sa­ge Ih­nen nicht, wie. Das ist mei­ne per­sön­li­che Sa­che. Es ist ei­ne öf­fent­li­che Kon­sul­ta­ti­on, die die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on ein­ge­lei­tet hat. Das heißt, wir la­den al­le Eu­ro­päe­rin­nen und Eu­ro­pä­er noch bis 16. Au­gust da­zu ein, uns über ih­re Er­fah­run­gen mit der Zeit­um­stel­lung zu be­rich­ten und uns mit­zu­tei­len, ob die­se blei­ben oder in der ge­sam­ten Eu­ro­päi­schen Uni­on ent­fal­len soll­te.

Es heißt, wer über die Zeit herrscht, der hat auch die Macht über die Men­schen.

Die Eu­ro­päi­sche Uni­on „herrscht“si­cher nicht über die Zeit. Je­der Mit­glied­staat ent­schei­det selbst, wel­cher Zeit­zo­ne er sich an­schließt. Das ist ei­ne sou­ve­rä­ne Ent­schei­dung und dar­an wird sich auch in Zu­kunft nichts än­dern. Die Eu­ro­päi­sche Uni­on hat in den 1980er-Jah­ren Vor­schrif­ten an­ge­nom­men, um die Zeit­um­stel­lung zu ko­or­di­nie­ren. Die Um­stel­lung in den Mit­glied­staa­ten soll­te nicht län­ger zu un­ter­schied­li­chen Zeit­punk­ten er­fol­gen. Hät­te je­der an der Uhr ge­dreht, wie es ihm passt, so hät­te das schlicht­weg nicht in Ein­klang mit dem Ehr­geiz ge­stan­den, ei­nen ge­mein­sa­men Bin­nen­markt zu schaf­fen – ei­ne Er­run­gen­schaft, von der wir heu­te glück­li­cher­wei­se pro­fi­tie­ren.

Die öf­fent­li­che Kon­sul­ta­ti­on, wie Sie es nen­nen, in­ter­es­siert ja of­fen­bar sehr vie­le Men­schen. Die Sei­te im In­ter­net ist im­mer wie­der nicht er­reich­bar.

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