Das Düs­sel­dor­fer As­phalt-Fes­ti­val

Sueddeutsche Zeitung Deutschland-Ausgabe - - 16 FEUILLETON - Mar­tin krumb­holz

Be­reits zum sechs­ten Mal fin­det in die­sem Som­mer das As­phalt-Fes­ti­val statt, si­tu­iert in ei­ner der un­wirt­lichs­ten Ge­gen­den Düs­sel­dorfs – das ist ge­ra­de der Clou. Zwi­schen düs­te­ren ho­hen Back­stein­mau­ern liegt ein Hin­ter­hof, der sich ku­rio­ser­wei­se „Welt­kunst­zim­mer“nennt, ob­wohl es sich um al­les an­de­re als ein Zim­mer han­delt. Elf Ta­ge lang wird hier Bier aus­ge­schenkt und in den an­gren­zen­den Räu­men feins­te Kunst un­ter­schied­lichs­ter Pro­ve­ni­enz ge­fei­ert, von den So­li des Schau­spie­lers Phil­ipp Hoch­mair bis zu den Per­for­me­rin­nen Pus­sy Ri­ot.

Zur Er­öff­nung war ein fu­rio­ses Spek­ta­kel zu er­le­ben: Hen­ry Pur­cells „The Fai­ry Queen“in der ei­gen­wil­li­gen In­ter­pre­ta­ti­on der Du­da Pai­va Com­pa­ny und des Ne­der­lands Bla­zers En­sem­ble. Hin­rei­ßend schon, wie die vier­zehn Mu­si­ker, über­wie­gend Blä­ser, Pur­cells le­bens­zu­ge­wand­te Mu­sik dar­bie­ten, mit Brio und Tem­pe­ra­ment; was aber die (nur) vier Sän­ger, Tän­zer, Pup­pen­spie­ler in der Re­gie von Du­da Pai­va leis­ten, ist schier un­glaub­lich. Über­le­bens­gro­ße Schaum­stoff­pup­pen er­zäh­len die Ge­schich­te des El­fen­kö­nigs Hip­po­lyt, der die maß­lo­se Ei­fer­sucht auf sein ei­ge­nes Kind schließ­lich mit Hil­fe drei­er He­xen be­siegt; gra­zil und dann wie­der mit bra­chia­lem Fu­ror tan­zen sie über die en­ge Büh­ne, be­zir­zen Zu­schau­er und Mu­si­ker, ver­dre­hen sich kra­chend die Köp­fe, küs­sen sich hin­ge­bungs­voll – und ih­re Füh­rer, meist hin­ter Mas­ken ver­steckt, sin­gen Pur­cells Me­lo­di­en da­zu auch noch wahr­lich wun­der­voll.

Der Thea­ter­ma­cher Chris­tof See­ger-Zur­müh­len und der Kom­po­nist Bo­jan Vu­le­tić, die das Fes­ti­val in­iti­iert und auf­ge­baut ha­ben und ge­mein­sam lei­ten, sind nun fast schon ein eta­blier­tes Düs­sel­dor­fer Di­rek­to­ren­duo, aber die Freu­de an ih­rer Idee und ih­rem von Jahr zu Jahr wach­sen­den Er­folg ist den bei­den je­der­zeit an­zu­se­hen. Auch das Pu­bli­kum scheint hier im Welt­kunst­zim­mer spon­ta­ner und un­ge­zwun­ge­ner zu agie­ren als an an­de­ren Kult­stät­ten. „Cros­sing bor­ders“lau­tet dies­mal das Mot­to, und Gren­zen wer­den al­le­mal über­schrit­ten, nicht zu­letzt die zwi­schen E und U. Das apar­te (und nicht mehr so klei­ne) Fes­ti­val dau­ert noch bis zum 22. Ju­li.

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