Mo­rin­ga Olei­fe­ra

Nähr­stoff­rei­cher Wun­der­baum

Tendency - - In dieser Ausgabe -

Im­mer mehr Men­schen ma­chen sich Ge­dan­ken über ih­re Er­näh­rung; die Nach­fra­ge nach ge­sün­de­ren Le­bens­mit­teln steigt. Die­sen Trend be­stä­tigt auch die Welt­leit­mes­se für Bio-Le­bens­mit­tel BIOFACH: „2016 ga­ben die deut­schen Haus­hal­te rund 9,9 Pro­zent mehr Geld für Bio-Le­bens­mit­tel und -Ge­trän­ke aus als im Vor­jahr.“

Vor al­lem Un­ver­träg­lich­kei­ten sind es, die so­ge­nann­ten „Free From“-Pro­duk­ten mit den Ei­gen­schaf­ten ve­gan, lak­to­se­frei und glu­ten­frei ei­ne ho­he Nach­fra­ge be­sche­ren. Zu­dem grei­fen im­mer mehr Men­schen zu Su­per­food-Er­zeug­nis­sen, de­ren wert­ge­ben­den In­halts­stof­fen ei­ne po­si­ti­ve Wir­kung auf die Ge­sund­heit nach­ge­sagt wird. Mo­rin­ga olei­fe­ra in ver­schie­de­nen Dar­rei­chungs­for­men und Pro­duk­ten er­obert un­se­ren Li­fe­style - ein Grund, sich die Pflan­ze ein­mal nä­her an­zu­schau­en.

Um­welt­be­las­tun­gen, de­nen die Bö­den aus­ge­setzt sind, un­ge­sun­de Zu­satz­stof­fe in Le­bens­mit­teln, ein ho­her Me­di­ka­men­ten­ein­satz in der Tier­hal­tung, ei­ne stress­be­ton­te Le­bens­wei­se und an­de­re Fak­to­ren un­se­res mo­der­nen Le­bens füh­ren zu ei­nem er­höh­ten Vi­tal­stoff­be­darf, den unsere Le­bens­mit­tel nicht mehr in dem Ma­ße ab­de­cken, wie sie es frü­her ta­ten.

In die­sem Um­feld kann die Zu­fuhr von Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln ih­re Be­rech­ti­gung ha­ben. Al­ler­dings, und auch das wur­de auf der BIOFACH deut­lich, wer­den ei­ne scho­nen­de Ver­ar­bei­tung und ei­ne ho­he Qua­li­tät

der Pro­duk­te, die sich na­tür­lich im Preis nie­der­schla­gen, nicht im­mer wert­ge­schätzt. Auf der an­de­ren Sei­te mi­schen im Markt Her­stel­ler von min­der­wer­ti­gen Pro­duk­ten mit, die kaum zu ei­ner ge­sün­de­ren Le­bens­wei­se bei­tra­gen.

Mo­rin­ga olei­fe­ra - ei­ne schnell wach­sen­de Apotheke?

Mo­rin­ga gilt als nähr­stoff­reichs­te Pflan­ze der Welt. Der Baum wird heu­te in mehr als 30 Län­dern der Er­de an­ge­baut. In ih­rer Hei­mat, der Hi­ma­la­ya-Re­gi­on, nennt man die tro­pi­sche Pflan­ze „Baum des Le­bens“ oder „Meer­ret­tich­baum“. In In­di­en wur­de Mo­rin­ga schon vor über 5000 Jah­ren in der tra­di­tio­nel­len ayur­ve­di­schen Heil­kunst ein­ge­setzt. Der ex­trem ho­he Ge­halt an ge­sun­den Be­stand­tei­len macht Mo­rin­ga zu ei­ner „Vi­tal­stoff-Bom­be“. Mo­rin­ga ent­hält 90 wich­ti­ge Nähr­stof­fe, Vit­ami­ne, Mi­ne­ral­stof­fe, vie­le es­sen­ti­el­le Ami­no­säu­ren so­wie se­kun­dä­re Pflan­zen­stof­fe, und zwar in hoch­kon­zen­trier­ter Form und in aus­ge­wo­ge­nen Men­gen, was für die ge­sund­heit­li­che Wir­kung ganz ent­schei­dend ist. Mo­rin­ga ent­hält den Bo­ten­stoff Zea­tin und wirkt an­ti­oxi­da­tiv. Zea­tin sorgt da­für, dass die In­halts­stof­fe in den Zel­len an­kom­men, wo sie ge­braucht wer­den.

Zu­rück in die Ba­lan­ce

Mo­rin­ga bringt Mensch, Tier und Um­welt ins Gleich­ge­wicht. Al­le In­halts­stof­fe kom­men in der Pflan­ze in ei­ner idea­len Kom­bi­na­ti­on vor, so dass sie sich in ih­rer Funk­ti­on un­ter­stüt­zen, be­ton­ten auf der BIOFACH Her­stel­ler von Mo­rin­ga-Pro­duk­ten ein­hel­lig. Die Aus­ge­wo­gen­heit der En­zy­me er­hö­he die Auf­nah­me­be­reit­schaft der In­halts­stof­fe durch den Kör­per, er­klärt Pe­ter Ef­fen­ber­ger, Ma­na­ging Di­rec­tor von Ne­pa­li Gar­dens. So wirkt die Pflan­ze aus­glei­chend auf die phy­si­sche und psy­chi­sche Si­tua­ti­on des­je­ni­gen, der sie zu sich nimmt.

Im Prin­zip sind al­le Tei­le der Pflan­ze ver­wend­bar. Die meis­ten Pro­duk­te für Ver­brau­cher ent­ste­hen aus ge­trock­ne­ten Blät­tern. Mo­rin­ga mit sei­nem et­was pi­kan­ten Ge­schmack er­in­nert et­was an Spi­nat und duf­tet als Tee auf­ge­gos­sen nach Heu. Im Ab­gang des an­sons­ten mil­den, schmack­haf­ten Tees spürt man die leich­te Meer­ret­tich­no­te.

Ein Kalt­aus­zug aus den Blät­tern soll be­son­ders wert­voll sein. Zu oliv­grü­nem Pul­ver ver­mah­len dient die Pflan­ze als Bei­ga­be zu Ge­würz­mi­schun­gen oder wird zu an­de­ren Pro­duk­ten wei­ter­ver­ar­bei­tet, wie Bon­bons, Ge­trän­ke­krea­tio­nen, Kek­se für Mensch und Tier, Nu­deln, Haar­pfle­ge­mit­tel.

Das Blatt­pul­ver eig­net sich zur Ver­wen­dung in Smoot­hies, Quark­spei­sen und als Bei­ga­be zu be­reits ge­koch­ten Le­bens­mit­teln. Wem das Pul­ver ge­schmack­lich nicht zu­sagt, kann es in Kap­seln zu sich neh­men. Die emp­foh­le­ne Ta­ges­do­sis liegt je nach Pro­dukt und Her­stel­ler bei et­wa 6 bis 10 Gramm.

Aus Mo­rin­ga-Sa­men, die in ei­ner Scho­te her­an­rei­fen, wird wert­vol­les Öl für den Ver­zehr ge­presst. Auch in der Kos­me­tik­in­dus­trie fin­det das Öl An­wen­dung. Da Mo­rin­ga-Sa­men ver­un­rei­nig­tes Was­ser rei­ni­gen kön­nen, wer­den sie auch zur Trink­was­ser­auf­be­rei­tung ge­nutzt.

Aber brau­chen wir ei­gent­lich Mo­rin­ga, um uns aus­ge­wo­gen zu er­näh­ren? In An­be­tracht in­ten­si­ver Land­wirt­schaft und ei­nes

hek­ti­schen Le­bens­stils stellt sich die­se Fra­ge durch­aus. Wel­che De­fi­zi­te ein Kör­per hat, er­gibt sich aus un­se­rer Le­bens­wei­se, und die ist bei je­dem et­was an­ders. In der Ve­ge­ta­rier­kul­tur kann Mo­rin­ga das Pro­blem der Ei­weiß­ar­mut sehr gut lö­sen.

Da in Mo­rin­ga vor al­lem die Aus­ge­wo­gen­heit der In­halts­stof­fe zum Tra­gen kommt, muss je­der selbst aus­pro­bie­ren, ob er sich mit Mo­rin­ga tat­säch­lich aus­ge­gli­che­ner und ak­ti­ver fühlt. Et­wa ei­nen Mo­nat lang soll­te man Mo­rin­ga in gu­ter Qua­li­tät zu sich ge­nom­men ha­ben, be­vor ein spür­ba­res Er­geb­nis vor­liegt.

Und ge­nau hier liegt das Pro­blem. Wie er­kennt der Ver­brau­cher, ob er hoch­wer­ti­ge oder min­der­wer­ti­ge Wa­re be­kommt?

Schwie­rig! In­di­zi­en für gu­te Qua­li­tät sind ei­ne hell­grü­ne bis kräf­tig grü­ne Far­be und ein leicht schar­fer Ge­schmack. Riecht das Pul­ver et­was fischig und sind die Blät­ter schon gräu­lich oder bräun­lich, wur­den sie kei­nes­falls scho­nend ge­trock­net. Ent­schei­dend für die Qua­li­tät sind der An­bau und die Ver­ar­bei­tung.

Sorg­falt bei der Er­zeu­gung und Ver­ar­bei­tung der Zu­ta­ten un­ter­schei­det die hoch­wer­ti­gen Pro­duk­te von vie­lem, was wir in den Su­per­märk­ten für we­nig Geld kau­fen. Doch Sorg­falt lässt sich für uns nicht er­ken­nen. Hier muss man sich wohl auf die An­ga­ben der Her­stel­ler ver­las­sen, wenn sie mit „frei von Gen­tech­nik & Pes­ti­zi­den“und an­de­ren Slo­gans wer­ben.

Im­mer wie­der taucht min­der­wer­ti­ge, mit Schad­stof­fen be­las­te­te und/oder se­kun­där-kon­ta­mi­nier­te Wa­re auf und ver­un­si­chert den Markt mit teils dra­ma­ti­schen Rück­ruf­ak­tio­nen nach­hal­tig, die selbst Bio­pro­duk­te be­tref­fen. Hier kann ei­ne Nach­fra­ge beim Händ­ler oder Pro­du­zen­ten hel­fen.

Dr. Markus Paul Fors­ter, Qua­li­täts­ma­na­ger und Pro­dukt­ent­wick­ler bei Mo­rin­gaGar­den B.V. er­klärt da­zu: „Die Trock­nung, ei­gent­lich De­hy­drie­rung, muss pro­fes­sio­nell (Ern­te­ma­nage­ment, scho­nen­de aber schnel­le Trock­nung) vor­ge­nom­men wer­den, da­mit die In­halt­stof­fe über­haupt er­hal­ten blei­ben. Dies kön­nen lei­der nur we­ni­ge, ist aber das A und O, wenn man ein ge­sun­des und vi­tal­stoff­rei­ches Mo­rin­ga­pul­ver her­stel­len will.“

Die Ur­sa­chen für schlech­te Qua­li­tät sind nicht neu: Der Hy­pe um die Su­per­foods ruft je­ne auf den Plan, die das schnel­le Geld wit­tern. Wäh­rend se­riö­se Pro­du­zen­ten Mo­rin­ga von Hand ern­ten, las­sen an­de­re den Mäh­dre­scher auf­fah­ren und die be­reits er­wähn­te Sorg­falt bei der Ver­ar­bei­tung ver­mis­sen und pro­du­zie­ren in Län­dern mit nied­ri­gen Um­welt­stan­dards. Zu hof­fen ist, dass sich in An­be­tracht der stei­gen­den Zahl von Plan­ta­gen all­mäh­lich die Spreu vom Wei­zen trennt.

An­zu­neh­men ist, dass Her­stel­ler mit di­rek­tem Be­zug zum An­bau ih­rer Wa­re ein grö­ße­res In­ter­es­se da­ran ha­ben, qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ge Wa­re zu pro­du­zie­ren als sol­che, die Wa­re „nur“ein­kau­fen und ab­fül­len. Frag­lich ist, ob der ho­he Preis ge­recht­fer­tigt ist, da Mo­rin­ga sehr schnell wächst, ein­fach an­zu­bau­en ist und kei­ne be­son­de­ren Bo­den­an­sprü­che hat.

Der Mo­rin­ga-Baum und sei­ne Be­dürf­nis­se

Der schnell wach­sen­de Baum wird heut­zu­ta­ge in ganz ver­schie­de­nen Re­gio­nen der Er­de mit un­ter­schied­li­chen Be­din­gun­gen an­ge­baut, ent­spre­chend oft kann ge­ern­tet wer­den. Mo­rin­ga liebt es warm und son­nig, Tem­pe­ra­tu­ren ab 20 Grad Cel­si­us sind ide­al.

In Ne­pal, wo Mo­rin­g­ab­lät­ter vier Mal im Jahr ge­ern­tet wer­den, ge­deiht der Baum auf Sand und über­steht auch Durst­stre­cken, so Pe­ter Ef­fen­ber­ger. „In den Hei­mat­län­dern In­di­en und Ne­pal ist das na­tür­lich ge­ni­al, da es an Be­wäs­se­rungtech­nik fehlt.“

Auf mit Nähr­stof­fen ver­sorg­ten Bo­den spricht der Baum na­tür­lich bes­ser an. In der Wachs­tums­pha­se be­nö­tigt Mo­rin­ga viel Was­ser und Nähr­stof­fe, er­läu­tert der deut­sche Mo­rin­ga-Pio­nier Uwe Bro­se, Ge­schäfts­füh­rer der San­le­af Eu­ro­pe Gm­bH, der Mo­rin­ga auf Schwar­zer­de (Ter­ra Pre­ta) ge­dei­hen lässt.

Der In­der Bhal­la Amar­jit Singh, der die Ar­beit auf Plan­ta­gen kennt, be­schreibt die An­for­de­run­gen de­tail­lier­ter: Für bes­te Qua­li­tät müs­se man Ah­nung ha­ben. In In­di­en wächst der Mo­rin­ga­baum auf schwar­zer Er­de, die et­wa 30 Pro­zent Sand und St­ei­ne ent­hält, bei re­la­tiv kon­stan­ten 29 Grad Cel­si­us und viel Son­ne. Die ge­halt­volls­te Ern­te wer­de nach 90 bis 110 Ta­gen er­zielt. Die al­ler­ers­te Ern­te dür­fe erst nach 120 Ta­gen er­fol­gen.

„Ich ver­kau­fe nicht Mo­rin­ga, son­dern ei­nen Teil der Tra­di­ti­on.“ Bhal­la Amar­jit Singh

Der Bo­den wer­de ca. al­le drei Jah­re be­ar­bei­tet, als Pflan­zen­dün­ger die­ne le­dig­lich ei­ne or­ga­ni­sche Pflan­zen­mi­schung, er­zählt Bhal­la Amar­jit Singh. Der Neem­baum und an­de­re Pflan­zen wer­den zwi­schen die Mo­rin­ga­bäu­me ge­setzt.

Am scho­nen­ds­ten wird Mo­rin­ga im Dun­keln in kli­ma­ti­sier­ten Räu­men mit ei­ner be­stimm­ten Luft­feuch­tig­keit ver­ar­bei­tet. Nach dem Trock­nen wer­den die Mo­rin­ga-Blät­ter zu oliv­grü­nem Pul­ver ver­mah­len.

Fa­zit

Er­näh­rungs­the­men ge­ra­ten mehr und mehr in den ge­sell­schaft­li­chen Fo­kus. Zwei­fels­frei han­delt es sich bei Mo­rin­ga olei­fe­ra um ei­ne sehr wert­vol­le Pflan­ze, die mit ih­rer Reich­hal­tig­keit und Aus­ge­wo­gen­heit an wich­ti­gen und es­sen­zi­el­len In­halts­stof­fen zur Ge­sund­er­hal­tung bei­trägt und ein ge­wis­ses Gleich­ge­wicht wie­der­her­zu­stel­len ver­mag. Je na­tur­be­las­se­ner, des­to bes­ser kann Mo­rin­ga wir­ken. Pro­duk­ten zur Nah­rungs­er­gän­zung soll­ten wir ge­ne­rell kri­tisch ge­gen­über ste­hen und uns darüber im Kla­ren sein, dass un­ser Er­näh­rungs­stil im­mer auch mit ei­ner be­wuss­ten Kauf­ent­schei­dung ein­her geht.

Fo­to: San­le­af Eu­ro­pe

Fo­to: San­le­af Eu­ro­pe

Fo­to: San­le­af Eu­ro­pe

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