Pe­ri­phe­rie­ge­rä­te für Be­hin­der­te

Tendency - - In dieser Ausgabe -

Für ein ef­fek­ti­ves und ge­sun­des Ar­bei­ten am PC sol­len Tas­ta­tur und Maus oh­ne An­stren­gung und feh­ler­frei be­nutzt wer­den kön­nen, um kör­per­li­che Schä­den zu ver­hin­dern. Men­schen mit Be­hin­de­rung be­nö­ti­gen oft­mals be­son­de­re Pe­ri­phe­rie­ge­rä­te, um ih­ren Com­pu­ter be­die­nen zu kön­nen. Da­zu ge­hö­ren Per­so­nen, „die sich nicht oder nur un­zu­rei­chend laut­sprach­lich ver­ständ­lich äu­ßern kön­nen und auf­grund ei­ner aus­ge­präg­ten zereb­ra­len be­zie­hungs­wei­se zen­tra­len Be­we­gungs­stö­rung oder ei­ner neu­ro­mus­ku­lä­ren Be­hin­de­rung nicht in der La­ge sind, sich auf her­kömm­li­che Wei­se schrift­lich mit­zu­tei­len“, er­läu­tert Thors­ten Ja­kob, Pres­se­spre­cher der Bar­mer GEK. Je nach Um­fang der kör­per­li­chen Be­ein­träch­ti­gung ent­schei­den sich be­hin­der­te Men­schen für ganz spe­zi­el­le Tas­ta­tu­ren und Maus­si­mu­la­to­ren oder ggf. für ei­ne Soft­ware­lö­sung. Aber auch die Kos­ten für neue An­schaf­fun­gen müs­sen be­rück­sich­tigt wer­den. Ein pas­sen­des Ge­rät zu su­chen ist schon des­halb er­for­der­lich, weil durch Fehl­hal­tung star­ke, per­ma­nen­te Schmer­zen und Fol­ge­schä­den auf­tre­ten wer­den.

Al­ter­na­ti­ve Pe­ri­phe­rie­ge­rä­te

Spe­zi­el­le Pe­ri­phe­rie­ge­rä­te müs­sen deut­lich hö­he­ren All­tags­an­for­de­run­gen ge­recht wer­den. Sie be­ste­hen bei­spiels­wei­se aus Ma­te­ria­li­en, wie Alu­mi­ni­um, sind pul­ver­be­schich­tet, kratz­fest und wei­sen weitere Be­son­der­hei­ten auf, wie ein­gra­vier­te Be­schrif­tun­gen statt Auf­druck. Be­reits Tas­ta­tu­ren mit ver­grö­ßer­ten Tas­ten und ei­nem grö­ße­ren Ab­stand kön­nen Fehl­be­die­nun­gen ver­mei­den hel­fen, ins­be­son­de­re bei kom­pli­zier­ten Tas­ten­kom­bi­na­tio­nen. Ei­ne Emp­feh­lung für ein Ge­rät kann an die­ser Stel­le nicht ab­ge­ge­ben wer­den, da je­der Be­hin­der­te in­di­vi­du­el­le An­for­de­run­gen hat. Die Prü­fung, wel­che Maus oder Tas­ta­tur für den je­wei­li­gen Be­trof­fe­nen ge­eig­net ist, kön­nen Kran­ken­kas­sen nur be­dingt leis­ten.

Des­halb müs­sen sich Men­schen mit Be­hin­de­rung an Fir­men mit ent­spre­chen­dem Fach­wis­sen wen­den, wie das In­ge­nieur­bü­ro Dr. Eli­sa­beth Se­ve­ke und die Gor­lo & Todt GbR. Die Spe­zi­al­an­bie­ter ver­fü­gen über ei­ne gro­ße Pro­duk­ti­ons­tie­fe und fer­ti­gen Tas­ta­tu­ren und an­de­re Ge­rä­te nach in­di­vi­du­el­len Be­dürf­nis­sen an. Die Un­ter­neh­men so­wie de­ren Fach­händ­ler be­ra­ten Be­hin­der­te neu­tral hin­sicht­lich ge­eig­ne­ter Ge­rä­te und su­chen aus Kos­ten­grün­den stets auch nach Al­ter­na­ti­ven. Be­hin­der­te Men­schen kön­nen Leih­ge­rä­te ver­schie­de­ner Her­stel­ler in ih­rer ge­wohn­ten Ar­beits­um­ge­bung meist kos­ten­los tes­ten, um das für sie pas­sen­de Ge­rät zu fin­den.

Al­ter­na­ti­ven, wie die Steue­rung ei­nes Com­pu­ters per Bild­schirm­tas­ta­tur, hel­fen Be­hin­der­ten bei der Be­die­nung. Der Soft­ware­ent­wick­ler Markus Lem­cke hat be­reits vor Jah­ren ei­ne An­wen­dung pro­gram­miert, die ei­ne Tas­ta­tur si­mu­liert. In­ter­es­sier­te kön­nen die Soft­ware auf der In­ter­net­sei­te http://www.mar­lem-soft­ware.de kos­ten­los her­un­ter­la­den. Nach Lem­ckes Ein­schät­zung hal­ten heu­te Be­triebs­sys­te­me, wie Win­dows oder Li­nux tol­le Ein­stel­lungs­mög­lich­kei­ten für Be­hin­der­te be­reit. Durch die Bei­trä­ge in sei­nem Blog „Bar­rie­re­frei­heit in der In­for­ma­tik“pro­fi­tie­ren Be­hin­der­te von Lem­ckes Fach­wis­sen so­wie sei­nen lang­jäh­ri­gen Er­fah­run­gen im Um­gang mit Mo­bil­ge­rä­ten und Com­pu­tern.

Hö­he­re Kos­ten zur Auf­recht­er­hal­tung der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit

Spe­zi­el­le Tas­ta­tu­ren und Com­pu­ter­mäu­se für be­hin­der­te Men­schen sind we­sent­lich teu­rer als ih­re han­dels­üb­li­chen Pen­dants. Mo­di­fi­zier­te Funk­tio­nen und For­men, die Ver­wen­dung be­son­de­rer Ma­te­ria­li­en und Maß­an­fer­ti­gun­gen ma­chen Ge­rä­te von mehr als ein­tau­send Eu­ro in vie­len Fäl­len un­er­schwing­lich. Grund­sätz­lich hat je­der ge­setz­lich Kran­ken­ver­si­cher­te An­spruch auf Hilfs­mit­tel, um den Er­folg der Kran­ken­be­hand­lung zu si­chern, ei­ner dro­hen­den Be­hin­de­rung vor­zu­beu­gen oder ei­ne Be­hin­de­rung aus-

zu­glei­chen, so­weit die Hilfs­mit­tel nicht als all­ge­mei­ne Ge­brauchs­ge­gen­stän­de des täg­li­chen Le­bens an­zu­se­hen sind. Dies gilt un­ab­hän­gig vom Hilfs­mit­tel an sich oder vom Preis des Hilfs­mit­tels.

Die ge­setz­li­chen Kran­ken­kas­sen ori­en­tie­ren sich bei der Über­nah­me von Kos­ten am Hilfs­mit­tel­ver­zeich­nis. Be­grif­fe, wie Teil­ha­be am Ge­mein­schafts­le­ben, Teil­ha­be am Ar­beits­le­ben und me­di­zi­ni­sche Re­ha­bi­li­ta­ti­on prä­gen die Dis­kus­si­on um ei­nen mög­li­chen Leis­tungs­an­spruch.

Ent­schei­dun­gen über Kos­ten­über­nah­men grün­den im­mer auf Ein­zel­fall­ent­schei­dun­gen und be­dür­fen in der Re­gel ei­ner ärzt­li­chen Ver­ord­nung“, er­klärt ein Spre­cher der AOK.

Bei­spiels­wei­se wer­de bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen dar­auf ge­ach­tet, dass sie in Schu­le und Aus­bil­dung ge­gen­über ge­sun­den Mit­men­schen nicht be­nach­tei­ligt sind.

Christian Arns, stellv. Pres­se­spre­cher der De­be­ka Kran­ken­ver­si­che­rungs­ver­ein a.G., be­tont eben­falls die Ein­zel­fall­prü­fung und führt aus: „In­ner­halb un­se­rer pri­va­ten Kran­ken­ver­si­che­rung leis­ten wir für ei­ne PC-Tas­ta­tur/-Maus, wenn Sie dem Aus­gleich ei­ner kör­per­li­chen Be­hin­de­rung im Sin­ne der Be­frie­di­gung ele­men­ta­rer Grund­be­dürf­nis­se des täg­li­chen Le­bens (zum Bei­spiel bei ge­stör­ter Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­keit) und nicht als all­ge­mei­ne Ge­brauchs­ge­gen­stän­de des täg­li­chen Le­bens an­zu­se­hen sind.“

Die Kran­ken­kas­sen er­mit­teln zur Be­wer­tung ei­nes Ein­zel­fal­les die kon­kre­ten Ge­samt­um­stän­de. Da­bei sind laut AOK „das ge­sam­te so­zia­le Um­feld und auch Wirt­schaft­lich­keits­über­le­gun­gen mit Blick auf das „spe­zi­el­le Hilfs­mit­tel“und even­tu­el­le al­ter­na­ti­ve Mög­lich­kei­ten zur Be­frie­di­gung ele­men­ta­rer Grund­be­dürf­nis­se - et­wa auch durch mög­li­che Hil­fe­leis­tun­gen von Be­zugs­per­so­nen - in die Ge­samt­be­ur­tei­lung ein­zu­be­zie­hen.“

Ob ei­ne ge­setz­li­che Kran­ken­kas­se an­ders ent­schei­det als ei­ne an­de­re, ist we­gen des Gleich­heits­grund­sat­zes eher nicht zu er­war­ten. Grund­sätz­lich soll­ten Be­hin­der­te auch an­de­re Kos­ten­trä­ger, wie die Agen­tur für Ar­beit, Ver­si­che­run­gen, das In­te­gra­ti­ons­amt und das So­zi­al­amt be­fra­gen, ob ein Leis­tungs­an­spruch be­steht. Na­tür­lich hilft es im­mer, wenn Be­hin­der­te ih­re Rech­te und Mög­lich­kei­ten ge­nau ken­nen, um sie aus­schöp­fen zu kön­nen.

Sind Drit­te Ver­ur­sa­cher ei­ner Be­hin­de­rung, muss sich der Ge­schä­dig­te an ihn wen­den. Doch auch hier kön­nen an­de­re Kos­ten­trä­ger ein­sprin­gen, wenn der Ver­ur­sa­cher nicht zah­len kann. Ein ty­pi­sches Bei­spiel da­für sind Op­fer von schwe­ren Ge­walt­ta­ten, de­nen nach dem OEG (Op­fer­ent­schä­di­gungs­ge­setz) Hilfe zu­steht. Der WEIS­SE RING hilft beim Aus­fül­len ent­spre­chen­der For­mu­la­re und be­müht sich in Zu­sam­men­ar­beit mit Be­hör­den und Or­ga­ni­sa­tio­nen um ent­spre­chen­de Un­ter­stüt­zung der Op­fer.

Dr. Se­ve­ke: Com­pu­ter für Be­hin­der­te Fo­to: www.com­pu­ter-fu­er-be­hin­der­te.de

Dr. Se­ve­ke: Com­pu­ter für Be­hin­der­te Fo­to: www.com­pu­ter-fu­er-be­hin­der­te.de

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