Text­klau im In­ter­net

Wer sei­nen Text auf frem­den Web-Sei­ten wie­der­fin­det, hat dies aus­drück­lich er­laubt. Soll­te man meinen. Oft wird Con­tent aber re­gel­recht ge­klaut. Da al­lein der Ur­he­ber be­stimmt, ob und auf wel­che Art sein Text ver­wer­tet wer­den darf, soll­te er den Text­klau

Tendency - - In dieser Ausgabe - Kei­ne Rechts­be­ra­tung

Was ist bei Ver­stö­ßen ge­gen das Ur­he­ber­recht zu tun?

Zu­nächst muss der Ur­he­ber klä­ren, ob der ei­ge­ne Text über­haupt ur­he­ber­recht­lich ge­schützt ist. Die Recht­spre­chung be­ant­wor­tet die­se Fra­ge eher schwam­mig. Ur­he­ber­recht­li­chem Schutz un­ter­lie­gen Tex­te, wenn sie ei­ne ge­wis­se „Schöp­fungs­hö­he“er­rei­chen. Dar­un­ter wird die In­di­vi­dua­li­tät und Ein­zig­ar­tig­keit ei­nes Tex­tes ver­stan­den. Sie do­ku­men­tiert sich in ei­ner in­di­vi­du­el­len Ge­dan­ken­füh­rung und Gestal­tungs­kraft.

Bei­spie­le für ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­te Tex­te sind Bei­trä­ge in Zei­tun­gen, Zeit­schrif­ten und in­di­vi­du­ell ver­fass­te Wer­be-Tex­te so­wie re­dak­tio­nel­le Bei­trä­ge auf Web­sites. Hin­ge­gen fal­len Ge­set­ze, amt­li­che Be­kannt­ma­chun­gen so­wie Ge­richts­ur­tei­le nicht un­ter ur­he­ber­recht­lich ge­schütz­te Tex­te.

Hat der Ur­he­ber die Rech­te an sei­nem Text nicht über­tra­gen, al­so kei­ne be­stimm­te Nut­zung ein­ge­räumt, kann er nach gel­ten­dem Recht sei­ne An­sprü­che auf ver­schie­de­nen We­gen durch­set­zen.

Selbst ak­tiv wer­den

Zu­nächst soll­te der Ge­schä­dig­te ver­su­chen, zu ei­ner güt­li­chen, kos­ten­güns­ti­gen Ei­ni­gung mit dem Ver­let­zer zu ge­lan­gen und ihm je­de weitere Nut­zung des Tex­tes un­ter­sa­gen. Ei­ne et­wa 14-tä­gi­ge Frist zum Ent­fer­nen des Tex­tes von der Web­sei­te soll­te ge­nü­gen. Ob der Ur­he­ber ein Ho­no­rar for­dert, ist ab­hän­gig vom kon­kre­ten Fall. Es bleibt dem Ur­he­ber über­las­sen, dem Ver­let­zer ei­ne weitere Nut­zung ge­gen ein an­ge­mes­se­nes Ho­no­rar zu ge­stat­ten. Hier­zu wer­den Nut­zungs­art, -dau­er, -um­fang und –ort ver­ein­bart.

Doch nicht im­mer zeigt sich ein Da­ten­dieb ein­sich­tig. Ein un­frei­wil­li­ger Nach­hil­fe­kurs in Ur­he­ber­recht, Rech­nun­gen und Mah­nun­gen kos­ten den Ur­he­ber Zeit, Geld und Ner­ven. Dann hilft wirk­lich nur an­zu­kün­di­gen, oh­ne weitere Rück­spra­che ei­nen An­walt ein­zu­schal­ten und das auch zu tun.

Straf­an­zei­ge stel­len

Bei nach­weis­li­chem Ur­he­ber­rechts­klau kann der Ur­he­ber ge­gen den Ver­let­zer kos­ten­los, al­so auch oh­ne Hin­zu­zie­hung ei­nes An­walts, ei­ne Straf­an­zei­ge stel­len. Ent­we­der der Ur­he­ber wen­det sich so­fort an den Staats­an­walt, oder er gibt zu­nächst bei der Po­li­zei den Sach­ver­halt zu Pro­to­koll. In je­dem Fall soll­te der Ver­stoß um­fas­send dar­ge­stellt wer­den. Ggf. er­mit­telt die Po­li­zei noch wei­ter und über­gibt dann die Ak­te der zu­stän­di­gen Staats­an­walt­schaft beim Amts­bzw. Land­ge­richt. Die Staats­an­walt­schaft prüft, ob An­kla­ge er­ho­ben wird.

Vor­sicht ist ge­bo­ten: Er­stat­tet der ver­meint­li­che Ur­he­ber un­be­rech­tig­ter­wei­se ei­ne Straf­an­zei­ge, kann er sich ei­ner ei­ge­nen straf- und zi­vil­recht­li­chen Haf­tung aus­set­zen.

Rechts­bei­stand

Ur­he­ber scheu­en sich oft, et­was ge­gen den Da­ten­klau zu un­ter­neh­men. Denn: Der Ur­he­ber muss als Man­dant bei den An­walts- und Ge­richts­kos­ten in Vor­leis­tung ge­hen, um zu sei­nem Recht zu kom­men. In um­fang­rei­chen Fäl­len, in de­nen der sog. Streit­wert über 5000 EUR liegt, braucht man ei­nen An­walt. Wi­der­spricht der Ver­let­zer ei­nem ge­richt­li­chen Mahn­be­scheid, muss der Ur­he­ber den An­spruch in Form ei­ner Kla­ge­schrift be­grün­den; ei­ne Auf­ga­be, die mit ei­nem An­walt leich­ter zu be­werk­stel­li­gen ist. Bei Wie­der­ho­lungs­ge­fahr wird der Rechts­an­walt emp­feh­len, auf Un­ter­las­sung zu kla­gen. Der Un­ter­las­sungs­an­spruch ist ver­schul­dens­un­ab­hän­gig.

Be­weis­si­che­rung

Möch­te der Ur­he­ber des Tex­tes ge­gen ei­nen Ver­stoß vor­ge­hen, muss er ihn in je­dem Fall nach­wei­sen.

Da­zu kann er die Web­sei­te mit dem Text ab­spei­chern, ei­nen Screen­shot fer­ti­gen und die Sei­te mit Da­tum aus­dru­cken. Rat­sam ist auch das Hin­zu­zie­hen von Zeu­gen.

Wur­de die Sei­te mit dem ge­klau­ten In­halt kurz­zei­tig vom Netz ge­nom­men oder auf ei­ne an­de­re Do­main über­tra­gen, hilft manch­mal die Way­back­ma­schi­ne (http:// ar­chi­ve.org/web/) wei­ter. Sie spei­chert Web­sites in ei­nem Archiv. Al­ler­dings könn­ten Ein­tra­gun­gen in der Da­tei ro­bots.txt der Web­sei­te das Ar­chi­vie­ren ver­hin­dert ha­ben.

Scha­den­er­satz

Wenn der Ur­he­ber vor Ge­richt er­folg­reich sei­ne Rech­te erstrit­ten hat, muss der Schä­di­ger zu­min­dest die An­walts- und Ge­richts­kos­ten tra­gen. Der Scha­dens­er­satz­an­spruch setzt Ver­schul­den vor­aus. U. U. hat der Ur­he­ber An­spruch auf Scha­den­er­satz in Hö­he des ent­gan­ge­nen Ge­winns, der nach­zu­wei­sen ist. Die Ho­no­rar­richt­li­ni­en von Bran­chen­ver­bän­den stel­len da­bei ei­ne ers­te Ori­en­tie­rung dar. Doch ob über­haupt und ge­ge­be­nen­falls in wel­cher Hö­he Scha­dens­er­satz ver­langt wer­den kann, ist ei­ne selbst für Spe­zia­lis­ten schwer zu be­ant­wor­ten­de Fra­ge.

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