Teu­re Um­be­nen­nung

Das Stu­den­ten­werk än­der­te sei­nen Na­men in Stu­die­ren­den­werk. Rech­nungs­hof kri­ti­siert Kos­ten

Thüringer Allgemeine (Arnstadt) - - Thüringen - Von Volk­hard Pac­zul­la

Er­furt. Das Stu­die­ren­den­werk Thü­rin­gen, das bis zum Som­mer 2016 Stu­den­ten­werk hieß, ist mit sei­ner Neu­fir­mie­rung noch nicht ganz fer­tig. Die Um­stel­lung auf den ge­schlechts­neu­tra­len Na­men wer­de noch wei­te­re Kos­ten in fünf­stel­li­ger Hö­he ver­ur­sa­chen, teil­te das SPD-ge­führ­te Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­um in Er­furt mit. Ei­gent­lich soll­te die gen­der­ge­rech­te Be­zeich­nung des Di­enst­leis­ters für rund 52 000 Stu­den­ten zum Jah­res­en­de 2017 kom­plett ein­ge­führt sein. Doch der Aus­tausch zahl­lo­ser Vor­dru­cke, Vi­si­ten­kar­ten, Stem­pel, Pkw-Be­schrif­tun­gen, Tür­schil­der, Bro­schü­ren, Falt­blät­ter und Wä­sche­stü­cke dau­ert sei­ne Zeit. Das Stu­die­ren­den­werk be­treibt an al­len acht Thü­rin­ger Hoch­schul­stand­or­ten Men­sen und Ca­fe­te­ri­as, au­ßer­dem Wohn­an­la­gen mit rund 7200 Zim­mern und neun Kin­der­gär­ten. Es för­dert und un­ter­stützt zahl­rei­che stu­den­ti­sche Grup­pen und Ver­ei­ne, be­ar­bei­tet Bafög-An­trä­ge und zahlt die Un­ter­stüt­zung auch aus. Das in Je­na an­säs­si­ge Stu­die­ren­den­werk be­schäf­tigt thü­rin­gen­weit et­wa 640 Mit­ar­bei­ter. Mit der Än­de­rung des Stu­den­ten­werk­ge­set­zes be­schloss die rot-rot-grü­ne Land­tags­mehr­heit auch ei­nen neu­en Na­men für den Di­enst­leis­ter. Die über Jahr­hun­der­te ge­präg­te männ­li­che Spra­che soll­te Frau­en nicht län­ger dis­kri­mi­nie­ren, hieß es.

Der Thü­rin­ger Rech­nungs­hof hielt in sei­ner Stel­lung­nah­me die Um­be­nen­nung „nicht für ver­hält­nis­mä­ßig“. Im Rah­men ih­rer Prü­fung beim Stu­den­ten­werk 2015 er­mit­tel­te die Ru­dol­städ­ter Be­hör­de auch den fi­nan­zi­el­len Auf­wand die­ser po­li­ti­schen Ent­schei­dung und kam auf min­des­tens 100 000 Eu­ro al­lein für Sach­kos­ten.

Die­ser Vor­an­schlag schien ei­ni­gen Ab­ge­ord­ne­ten im Land­tag viel zu hoch ge­grif­fen. Mit­ar­bei­ter des Stu­die­ren­den­werks sei­en von der Um­be­nen­nung nicht be­geis­tert und woll­ten mit der gro­ßen Zahl ab­schre­cken, wird in der Lin­ke-Frak­ti­on ge­mut­maßt. Die Kos­ten lä­gen deut­lich dar­un­ter. Nach Aus­kunft des Wis­sen­schafts­mi­nis­te­ri­ums wur­den bis­her 51 623,72 Eu­ro für den Na­mens­wech­sel aus­ge­ge­ben. Aber sol­che Zah­len be­rück­sich­tig­ten nur Sach­kos­ten, sag­te Rech­nungs­hof-Prä­si­dent Se­bas­ti­an Det­te der TA.

Kor­rekt wä­re, auch den per­so­nel­len Auf­wand für die Um­be­nen­nung als Kos­ten zu be­trach­ten. Denn die Mit­ar­bei­ter, die sich da­mit be­schäf­ti­gen müs­sen, sei­en in der Zeit ja nicht frei für ih­re ei­gent­li­chen Auf­ga­ben.

Das Stu­die­ren­den­werk er­hält vom Land laut Haus­halts­plan die­ses Jahr 5,66 Mil­lio­nen und im nächs­ten 5,73 Mil­lio­nen Eu­ro, um jun­ge Leu­te zu be­treu­en, die in Thü­rin­gen stu­die­ren.

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