Trotz Ver­dacht kei­ne Kon­trol­len beim Schlan­gen­hal­ter

Kri­po Je­na er­mit­telt ge­gen 44-Jäh­ri­gen we­gen Ver­sto­ßes ge­gen das Tier­schutz­ge­setz. 23 von 48 Wür­ge­schlan­gen tot in sei­ner Woh­nung ge­fun­den

Thüringer Allgemeine (Arnstadt) - - Thüringen - Von Kai Mu­dra

Je­na. Der 44-Jäh­ri­ge aus Je­na, bei dem am Mon­tag 23 qual­voll ver­stor­be­ne Schlan­gen ge­fun­den wur­den, war der Be­hör­de mit sei­nem Hob­by be­kannt. Das be­stä­tigt Kris­ti­an Phil­ler, Spre­cher der Stadt­ver­wal­tung Je­na, der Thü­rin­ger All­ge­mei­nen.

Der Mann ha­be den zu­stän­di­gen Fach­dienst Um­welt­schutz dar­über in­for­miert, dass er drei Schlan­gen hal­te, „wel­che stren­gen Ar­ten­schutz­be­stim­mun­gen un­ter­lie­gen“. Ob die Tie­re wirk­lich art­ge­recht ge­hal­ten wer­den, wur­de nicht kon­trol­liert. „Noch nie“, er­klärt Kris­ti­an Phil­ler auf die Fra­ge nach ei­ner Kon­trol­le der Tier­hal­tung und er­gänzt: „Es la­gen Ver­dachts­mo­men­te un­sach­ge­mä­ßer Hal­tung vor.“

Erst Gestank aus der Woh­nung ver­an­lass­te am Mon­tag die Be­hör­den zu han­deln. Da­bei wur­den 48 Wür­ge­schlan­gen mit ei­ner Län­ge von bis zu an­dert­halb Me­ter vor­ge­fun­den. 23 Tie­re wa­ren da be­reits qual­voll ge­stor­ben. Sie sol­len an Was­ser­man­gel ver­en­det sein. Die Po­li­zei spricht von ver­hee­ren­den Zu­stän­den. In­zwi­schen er­mit­telt die Kri­po ge­gen den 44Jäh­ri­gen we­gen des Ver­sto­ßes ge­gen das Tier­schutz­ge­setz.

Auch ges­tern konn­ten die zu­stän­di­gen Be­hör­den noch nicht ge­nau sa­gen, was für Schlan­gen der Mann ge­hal­ten hat. Nach bis­he­ri­gen Er­kennt­nis­sen wa­ren kei­ne Gift­tie­re dar­un­ter.

Bei ei­ni­gen der si­cher­ge­stell­ten Schlan­gen soll es sich um Kö­nigs­py­thons ge­han­delt ha­ben. Das wür­de mit den Län­gen­an­ga­ben der auf­ge­fun­de­nen Tie­re über­ein­stim­men. Al­ler­dings fal­len die­se nicht oh­ne wei­te­res un­ter die stren­gen Ar­ten­schutz­be­stim­mun­gen, wel­cher der Hal­ter für sei­ne drei an­ge­mel­de­ten Schlan­gen an­ge­ge­ben hat­te.

Seit 2011 gilt für Thü­rin­gen das Ge­setz zum Schutz vor ge­fähr­li­chen Tie­ren. Die Mehr­heit von CDU und SPD hat­te sich da­mals un­ter an­de­rem auf ei­ne Ras­se­lis­te ver­stän­digt, mit der be­stimm­te Hun­de­ar­ten für ge­fähr­lich er­klärt wur­den. In der öf­fent­li­chen Dis­kus­si­on spiel­te fast nur die­ser Hun­de­as­pekt ei­ne Rol­le. So auch, als Rot-Ro­tG­rün vor ei­ni­gen Wo­chen die­se Ras­se­lis­te wie­der kipp­te.

Da­bei soll das Ge­setz ei­nen ge­ne­rel­len Schutz vor ge­fähr­li­chen Tie­ren ga­ran­tie­ren – aber auch die­se Tie­re vor Qua­len be­wah­ren. Ei­ne lan­ge Lis­te nennt al­le die Ar­ten, die – wenn über­haupt – nur un­ter stren­gen Auf­la­gen ge­hal­ten wer­den dür­fen.

Doch da­mit schie­nen die Be­hör­den zu­meist über­for­dert, wie zwei Vor­fäl­le mit Dut­zen­den Gift­schlan­gen im Vor­jahr und vor zwei Jah­ren in Ge­ra und nun der Fund der to­ten Schlan­gen in Je­na zei­gen.

Aus dem Thü­rin­ger Um­welt­mi­nis­te­ri­um war ges­tern üb­ri­gens nichts zu den Vor­gän­gen in Je­na zu hö­ren.

Ge­fähr­li­che Tie­re über­for­dern die Be­hör­den

Zum Ent­set­zen von Tier­schüt­zern und Be­hör­den wa­ren zahl­rei­che der Schlan­gen be­reits tot. Fo­to: Po­li­zei

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