Die Ma­ra­thon-Kanz­le­rin

Heu­te wird An­ge­la Mer­kel zum vier­ten Mal ver­ei­digt. Wel­che The­men ih­re drei Amts­zei­ten seit 2005 präg­ten Wirt­schafts­kri­se prägt ers­te Amts­zeit Was bringt die Zu­kunft? 2018 bis ?

Thüringer Allgemeine (Arnstadt) - - Politik - Von Kers­tin Müns­ter­mann

Ber­lin. An­ge­la Mer­kel steht vor der Wie­der­wahl zur Bun­des­kanz­le­rin. Der Bun­des­tag wird am heu­ti­gen Mitt­woch al­ler Vor­aus­sicht nach den Weg frei ma­chen für ih­re vier­te Amts­zeit. Ge­bo­ren in Ham­burg als Toch­ter ei­nes Pfar­rers, in der DDR auf­ge­wach­sen, mit der Wen­de als Na­tur­wis­sen­schaft­le­rin in die Po­li­tik ge­kom­men, wur­de Mer­kel 2005 als ers­te Frau zur Bun­des­kanz­le­rin ge­wählt. Die 63 Jah­re al­te Phy­si­ke­rin gilt als nüch­tern, tak­tisch, prag­ma­tisch und, wenn es sein muss, auch eis­kalt. Die­se Ei­gen­schaf­ten hal­ten sie seit fast 13 Jah­ren an der Macht, ein wah­rer Kanz­ler­schafts-Ma­ra­thon. Ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Neu­wahl bringt Mer­kel 2005 ins Kanz­ler­amt. Die Uni­on lan­det knapp vor der SPD. In der „Ele­fan­ten­run­de“be­an­sprucht SPD-Kanz­ler Ger­hard Schrö­der trot­zig die Re­gie­rungs­bil­dung für sich. Doch schließ­lich wird Mer­kel am 22. No­vem­ber

2005 ge­wählt. Als ers­te Frau, ers­te Ost­deut­sche und mit da­mals 51 Jah­ren jüngs­te Per­son, die die­ses

Amt be­klei­det. Sie steht ei­ner schwarz-ro­ten Ko­ali­ti­on vor. Für Schlag­zei­len sorgt ein Be­such des Da­lai La­ma bei Mer­kel im Kanz­ler­amt. Chi­na ist ver­stimmt.

Im Herbst 2008 kommt es zur Be­las­tungs­pro­be für Mer­kel: Die Fi­nanz­kri­se, die ih­ren An­fang in den USA nahm, greift auf Deutsch­land über. Es gibt ei­nen le­gen­dä­ren Auf­tritt: Am Sonn­tag, den 8. Ok­to­ber 2008, gibt Mer­kel ge­mein­sam mit SPD-Fi­nanz­mi­nis­ter Peer St­ein­brück in der obers­ten Eta­ge des Kanz­ler­amts ei­ne Ga­ran­tie­er­klä­rung für Spar­ein­la­gen ab. Die Re­gie­rung be­fürch­tet ei­nen Ban­ken-Run. Im Ja­nu­ar 2009 be­schließt sie das größ­te Kon­junk­tur­pa­ket seit Be­ste­hen der Bun­des­re­pu­blik. Der Preis ist ei­ne Re­kord-Neu­ver­schul­dung. Ab­wrack­prä­mie und Kurz­ar­beit sind die Schlag­wor­te die­ser Zeit. un­ter den Wunsch­part­nern ist schlecht, Vo­ka­beln wie „Wild­sau“und „Gur­ken­trup­pe“ma­chen die Run­de.

Die Fol­gen der Wirt­schafts­und Fi­nanz­kri­se be­schäf­ti­gen das Ka­bi­nett. Grie­chen­land droht der Bank­rott, Mer­kel ver­han­delt näch­te­lang mit den Re­gie­rungs­chefs der Eu­ro­grup­pe den ers­ten Eu­ro-Ret­tungs­schirm. Die Plei­te At­hens wird mit 80 Mil­li­ar­den Eu­ro ab­ge­wen­det.

In­nen­po­li­tisch wird zu­sam­men mit ei­ner Re­form der Bun­des­wehr die Wehr­pflicht für jun­ge Män­ner aus­ge­setzt. Der glanz­voll ge­star­te­te Wirt­schafts­und Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter Kar­lTheo­dor zu Gut­ten­berg (CSU) muss we­gen ei­ner Pla­gi­ats­af­fä­re zu­rück­tre­ten.

Noch im Herbst 2010 pro­kla­miert die Bun­des­re­gie­rung den „Aus­stieg aus dem Aus­stieg“und ver­län­gert die Lauf­zei­ten al­ler deut­schen Atom­kraft­wer­ke.

Doch die Atom­ka­ta­stro­phe im ja­pa­ni­schen Fu­kus­hi­ma im Früh­jahr 2011 führt zu ei­ner von Mer­kels dras­tischs­ten Kehrt­wen­den: Schwarz-Gelb be­schließt den schnel­len Aus­stieg aus der Kern­ener­gie, die Ener­gie­wen­de, die bis heu­te das Land be­schäf­tigt. dass auch das Han­dy der Kanz­le­rin ab­ge­hört wur­de.

Zwei Jah­re spä­ter, im zehn­ten Jahr ih­rer Amts­zeit, steht Mer­kel sehr gut da, ih­re Um­fra­ge­wer­te sind bes­tens. Mer­kel glänzt als Gast­ge­be­rin des G7-Gip­fels auf Schloss El­mau in Bay­ern. Doch im Spät­som­mer 2015 be­ginnt ei­ne ein­schnei­den­de Pe­ri­ode in Mer­kels Kanz­ler­schaft. Ei­ne Flücht­lings­be­we­gung nach Eu­ro­pa setzt ein, un­ter an­de­rem durch den blu­ti­gen Bür­ger­krieg in Sy­ri­en. Noch im Au­gust sagt Mer­kel „Wir schaf­fen das“. An­fang Sep­tem­ber lässt sie die Gren­ze für Flücht­lin­ge aus Un­garn of­fen, Zehn­tau­sen­de kom­men un­kon­trol­liert nach Deutsch­land. Die Flücht­lings­kri­se und ih­re Fol­gen füh­ren zu tief­grei­fen­den Ve­rän­de­run­gen, auch im po­li­ti­schen Dis­kurs. Bei den Land­tags­wah­len 2016 holt die AfD in drei Län­dern zwei­stel­li­ge Nach ei­nem sehr schlech­ten Wah­l­er­geb­nis der Uni­on nimmt Mer­kel die Ja­mai­ka-Ver­hand­lun­gen mit FDP und Grü­nen auf. Sie schei­tern spek­ta­ku­lär. Kri­tik an ih­rer Per­son wird auch in der CDU laut. Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter St­ein­mei­er führt schließ­lich Uni­on und SPD zu­sam­men.

Son­der­par­tei­ta­ge und ein SPD-Mit­glie­der­vo­tum müs­sen über­wun­den wer­den. Erst am 171. Tag nach der Wahl kann sich die Kanz­le­rin im Bun­des­tag zur Wahl stel­len.

Oben: Die ers­te Ve­rei­di­gung An­ge­la Mer­kels am .., rechts Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert.

Links: Der zwei­te Amts­eid am ...

Rechts: Und zum drit­ten Mal am ...

Fo­tos: dpa pa, Get­ty, ima­go Er­geb­nis­se. Mit der CSU kommt es zum Zer­würf­nis. Beim CSU-Par­tei­tag führt Par­tei­chef Horst See­ho­fer die Kanz­le­rin we­gen ih­rer Flücht­lings­po­li­tik auf of­fe­ner Büh­ne vor.

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