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Thüringer Allgemeine (Bad Langensalza) - - Politik -

Wie­se für die CSU“. Kom­mu­nal­po­li­tisch wer­den Stadt und Land­kreis so­zi­al­de­mo­kra­tisch re­giert. Der Ober­bür­ger­meis­ter ge­hört eben­so zur SPD wie der Land­rat, der sich, aus­ge­rech­net aus sei­nem Amt her­aus, für das Land­tags­man­dat be­wirbt.

Doch selbst dies wä­re ge­mäß der Lo­gik der hie­si­gen CSU zu pa­cken – wenn da nicht die äu­ße­ren Grün­de hin­zu­kä­men. In man­chen Um­fra­gen liegt die Par­tei nur noch bei 33 Pro­zent, fast 15 Pro­zent­punk­te un­ter dem Er­geb­nis von 2013.

Bei der Fra­ge, wer da­für ver­ant­wort­lich ist, po­si­tio­niert sich Mit­tag im par­tei­in­ter­nen Kon­flikt deut­lich an der Sei­te von Mi­nis­ter­prä­si­dent Mar­kus Sö­der. „Dass wir in den Um­fra­gen schwä­cheln, liegt an der Bun­des­po­li­tik“, sagt er. „Das ist Fakt.“

Trägt al­so CSU-Chef Horst See­ho­fer Schuld, der als Bun­des­in­nen­mi­nis­ter gleich meh­re­re Ko­ali­ti­ons­kri­sen aus­lös­te? So di­rekt will es der Kan­di­dat Mit­tag nicht for­mu­lie­ren. Die CSU, sagt er nur, lei­de un­ter dem at­säch­lich geht es Bay­ern mit sei­nen 13 Mil­lio­nen Men­schen gut, sehr gut so­gar. Von den Flä­chen­län­dern hat es das höchs­te Brut­to­in­lands­pro­dukt pro Ein­woh­ner. Im hal­ben Frei­staat herrscht Voll­be­schäf­ti­gung. In fast al­len Be­rei­chen, Wirt­schaft, Hoch­schu­len, Schu­len, Kul­tur, For­schung, liegt der Frei­staat vor­ne.

Die­ser Be­fund gilt selbst im nord­west­li­chen, einst struk­tur­schwa­chen Zip­fel Ober­fran­kens, in dem Co­burg liegt. Ge­ra­de an ei­nem son­ni­gen Ok­to­ber­tag, un­ter weiß­blau­em Him­mel, strahlt die durch­sa­nier­te Re­si­denz­stadt so schön wie München-Bo­gen­hau­sen. Die In­dus­trie­dich­te ist in­zwi­schen hoch, die Ar­beits­lo­sig­keit nied­rig.

Er kön­ne manch­mal ein­fach nicht be­grei­fen, sagt Mit­tag, war­um trotz­dem die Un­zu­frie­den­heit so hoch sei. „Ich will nicht ver­ste­hen, dass man die­se Sta­bi­li­tät und die­sen Wohl­stand für ei­nen Denk­zet­tel aufs Spiel setzt.“Mit dem Denk­zet­tel meint der Kan­di­dat die AfD. Sie hat zwar, im Un­ter­schied zum Os­ten, mit 13 Um­fra­ge-Pro­zent nir­gend­wo Chan­cen auf ein Di­rekt­man­dat. Aber sie nimmt vor al­lem der CSU Stim­men weg.

Nun ver­hält es sich neu­er­dings mit Wah­len wie mit ex­tre­men

Doch das, was in Bay­ern be­vor­steht, ist mehr als nur ein Sturm, von de­nen die Uni­on in Deutsch­land schon so man­che durch­stan­den hat. Ver­lö­re die CSU nicht nur die ab­so­lu­te Mehr­heit, son­dern auch die Re­gie­rungs­macht, wä­re dies ein po­li­ti­sches Na­tur­er­eig­nis, ein Be­ben, das nicht nur die Ko­ali­ti­on oder die Schwes­ter­par­tei CDU er­schüt­ter­te, son­dern die ge­sam­te Re­pu­blik. Re­né Boldt, CSU-Kreis­vor­sit­zen­der in Co­burg wäh­rend die hie­si­ge CDU auf Nach­fra­ge nur über den ge­mein­sa­men Auf­tritt von Lan­des­chef Mi­ke Mohring mit Sö­der am 3. Ok­to­ber an der thü­rin­gisch-baye­ri­schen Gren­ze in Möd­la­re­uth ver­weist. Die CSU, teilt sein Ge­ne­ral­se­kre­tär mit, füh­re ih­ren Wahl­kampf „tra­di­tio­nell oh­ne Be­tei­li­gung von Gast­red­nern“durch.

Wahr­schein­lich ist der CSU auch nicht mehr zu hel­fen. Das zu­min­dest ist die Mei­nung von Ina Sin­ter­hauf, der grü­nen Di­rekt­kan­di­da­tin in Co­burg. „Dass uns die CSU zu ih­rem Haupt­geg­ner er­klärt hat, war ein schwe­rer Feh­ler“, sagt sie am Abend in ei­nem Lo­kal am Markt, wäh­rend sie ein dunk­les Bier trinkt. Da­bei sei doch der ein­zi­ge wah­re, ge­mein­sa­me Geg­ner die AfD.

Den Grü­nen hat die Stra­te­gie der Kon­kur­renz je­den­falls nicht ge­scha­det. Sie ste­hen in Um­fra­gen bei bis zu 19 Pro­zent, al­so auf Platz zwei hin­ter der ewi­gen Re­gie­rungs­par­tei. „Die CSU hat mit ih­rer Stim­mungs­ma­che die Wäh­ler zu uns ge­trie­ben“, sagt Sin­ter­hauf, die sich an der klei­nen Co­bur­ger Hoch­schu­le um Stu­di­en­be­ra­tung küm­mert. „Ge­ra­de in Bay­ern sind wir eben nicht nur links, son­dern ei­ne Wer­te­par­tei, die auch Kon­ser­va­ti­ve an­spricht.“

Dass sie des­halb den Wahl­kreis ge­win­nen kann, glaubt Sin­ter­hauf den­noch nicht. Aber sie rech­net sich Chan­cen über die Lis­te aus. Falls sie es in den Land­tag schaff­te, hät­te sie kein Pro­blem da­mit, ge­mein­sam mit Sö­der zu re­gie­ren. Da­für müs­se sich die frü­he­re Strauß-Par­tei zwar in der In­nen-, Mi­gra­ti­ons­und Um­welt­po­li­tik be­we­gen. „Aber ich un­ter­stel­le auch der CSU, dass sie ler­nen kann“, sagt sie.

Die ers­te, har­te Lek­ti­on be­kommt die Par­tei an die­sem Sonn­tag, um 18 Uhr.

„Es ist doch fas­zi­nie­rend, dass ei­ner Re­gie­rung die Ab­wahl droht, ob­wohl es den Men­schen so gut geht.“

schlech­ten Ge­samt­bild, dass die gro­ße Ko­ali­ti­on ab­ge­be. An den In­fo­stän­den, sagt er, me­cker­ten die Leu­te zu­meist dar­über, was in Ber­lin pas­sie­re. Kaum je­mand sa­ge, dass in München et­was grund­le­gend schief lau­fe. Hoch oben über der Stadt thront die Ves­te Co­burg. Ar­chiv-Fo­to: Da­ni­el Kar­mann, dpa

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